Vargo von Wolfsgraben ist ein guter Schnüffler: Im Dienste der Kantonspolizei Zürich benützt der Deutsche Schäferhund seine feine Nase, um Drogen zu finden – und Geld. Die Probe aufs Exempel besteht er mit Bravour: Eine zusammengerollte
50-Franken-Note, die hinter einem Lüftungsgitter an der Aussenwand des Dietiker Kapo-Postens versteckt ist, spürt Vargo innert Sekunden auf, wedelt mit dem Schwanz und legt sich ins Gras. Zur Belohnung darf er mit seinem Herrchen, Polizist Thomas Kohler, spielen. «Guter Mann», ruft Kohler dem Hund zu, lässt ihn in eine Spielzeugwurst beissen, die er fest in der Hand hält, und wirbelt ihn daran wie ein Kettenkarussell durch die Luft.

Vargo leistet Pionierarbeit, denn das Aufspüren von Geldnoten ist neu im Repertoire der Zürcher Polizeihunde, deren Verband am Samstag sein 100-jähriges Bestehen feiert. Seit 2013 werden Hunde im Notengeldsuchen ausgebildet, und Vargo ist einer von dreien, die bereits Erfahrungen damit haben.

«Er ist noch in Ausbildung», sagt Kohler. Diese verlaufe ähnlich wie jene zum Erschnüffeln von Drogen, die Vargo bereits abgeschlossen hat: Zuerst wird ein Spielzeug mit dem Geruch des zu suchenden Stoffs kontaminiert und versteckt, später dann der Stoff selber. Und als Belohnung fürs Finden gibts jeweils, was dem Hund besonders gefällt. Bei Vargo ist es das Spielen mit seinem Herrchen.

Drogensuche ist in der Schweiz die Hauptaufgabe von Polizeihunden, wie der Statistik des Schweizerischen Polizeihundeführer-Verbands zu entnehmen ist: 3356 Mal kamen Schweizer Polizeihunde dafür letztes Jahr zum Einsatz, 1777 Mal mit Erfolg. Geldsuche ist in der Statistik noch gar nicht separat aufgeführt.

Synergien im Milieu

Die Idee, Notensuchhunde auszubilden, hatte ein Diensthundeführer der Stadtpolizei Winterthur. «Gerade im Milieubereich lassen sich so Synergien erzielen», sagt Kohler. Denn wo Drogen gehandelt werden, ist meistens auch viel Geld im Spiel.

Die Aufgaben von Polizeihunden wurden in den letzten Jahrzehnten immer vielfältiger: Anfangs dienten sie ausschliesslich als Schutzhunde. 1971 kamen im Kanton Zürich erstmals Betäubungsmittel-Suchhunde zum Einsatz. In den 80er-Jahren folgten Sprengstoffsuchhunde, seit der Jahrtausendwende Personensuchhunde, Leichen- und Blutspurensuchhunde sowie Brandmittelsuchhunde. 2013 kamen schliesslich die Notengeldsuchhunde hinzu.

Kokain im Pingpongtisch

Die meisten Polizeihundeführer führen ihre Vierbeiner nebenamtlich und wenden für deren Ausbildung einen Teil ihrer Freizeit auf. Thomas Kohler etwa verbringt den Grossteil seiner Arbeitszeit auf dem Dietiker Kapo-Posten, schreibt Rapporte, befragt Auskunftspersonen und arbeitet an grösseren Ermittlungen auf Bezirksebene. Vargo von Wolfsgraben liegt dann oft friedlich unter seinem Schreibtisch.

Zweimal pro Monat gehen Hund und Herrchen ins Dübendorfer Diensthundezentrum zum Training. In seinen knapp zwei Jahren als Polizeihund leistete Vargo bisher rund 70 Einsätze im ganzen Kanton Zürich, bei Bedarf auch in anderen Kantonen wie Luzern, Zug und dem Aargau. Seine Erfolgsquote lässt sich sehen: «Bei knapp der Hälfte aller Einsätze wurde er fündig», sagt Kohler. Besondere Freude machte Vargo seinem Herrchen, wenn er Verstecke fand, die Polizisten bei einer normalen Durchsuchung wohl übersehen hätten; einmal erschnüffelte er etwa Kokain-Fingerlinge in den Trägerstützen eines Pingpongtisches.