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US-Behörden entdecken Raubkunst im Zürcher Kunsthaus

Die New Yorker Behörde für die Abwicklung von Holocaust-Ansprüchen hat im Kunsthaus Zürich ein Gemälde ermittelt, das aus einer Zwangsversteigerung des Nazi-Regimes stammt. Es ist der erste Fall von Nazi-Diebesgut in der Geschichte des Museums.

Lorenz Honegger
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Das gestohlene Bild: «Madame La Suire» von Albert von Keller. ZVG

Das gestohlene Bild: «Madame La Suire» von Albert von Keller. ZVG

Aufmerksam auf das Werk «Madame La Suire» des Schweizer Malers Albert von Keller wurde die Behörde, als es im Jahr 2009 an einer Ausstellung im Kunsthaus zu sehen war. Vor einem Monat wurde der Fall abgeschlossen. Christian Klemm, bis vor kurzem Sammlungskonservator des Kunsthauses, bestätigt den Sachverhalt auf Anfrage der az.

«Es ist das erste Mal in der Geschichte des Kunsthauses, dass Raubkunst nachweislich in die Sammlung gelangte», so Klemm. Bei zwei weiteren Werken, die sich im Besitz des Kunsthauses befinden, bestehen laut Klemm ebenfalls Verdachtsmomente, dass es sich um Raubkunst handelt. Er persönlich werde weitere Abklärungen vornehmen.

Museum kann Werk behalten

Ursprünglicher Besitzer des Gemäldes war Alfred Sommerguth, ein jüdischer Regierungsangestellter und Kunstsammler aus Berlin, der zwei Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vor dem Holocaust nach Kuba flüchtete. Das Kunstwerk gelangte nach der Zwangsversteigerung durch die Nazis über unbekannte Wege in den Besitz eines inzwischen verstorbenen Zürcher Kunstsammlers, dessen Witwe es vor wenigen Jahren dem Kunsthaus vermachte.

Die Nachkommen von Alfred Sommerguth haben sich entschieden, das Gemälde dem Kunsthaus zu überlassen.