Zürich

Urteil gegen Fussball-Liga-Chef liegt vor: Schifferle habe «unverfroren» agiert

«Er agierte unverfroren und geradezu selbstherrlich», heisst es in der Urteilsbegründung.

«Er agierte unverfroren und geradezu selbstherrlich», heisst es in der Urteilsbegründung.

Das schriftliche Urteil gegen den Fussball-Liga-Chef Heinrich Schifferle liegt vor. Im Dokument, in das diese Zeitung Einsicht nehmen konnte, wird Schifferle kritisiert. Schifferle amtet als Präsident der Swiss Football League. Er wurde trotz der erstinstanzlichen Verurteilung durch das Bezirksgericht Winterthur erst kürzlich in diesem Amt be­stätigt.

Im Oktober hat das Winterthurer Bezirksgericht den 66-jährigen Heinrich Schifferle wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung verurteilt. Er wurde mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 800 Franken (144000 Franken) bestraft. Weil sowohl Schifferle als auch die Gegenpartei, die Siska Immobilien AG, Berufung angemeldet hatten, reichte das Bezirksgericht nun das schriftliche Urteil in der Sache nach.

Im Dokument, in das diese Zeitung Einsicht nehmen konnte, wird Schifferle kritisiert. Dieser habe sich während seiner Zeit als Siska-Geschäftsführer «bereichert» und sich seine Position mehrfach zunutze gemacht, da er gewusst habe, dass niemand seine Anweisungen hinterfragen werde. «Er agierte unverfroren und geradezu selbstherrlich», heisst es in der Urteilsbegründung.

Und weiter: «Besonders unverständlich scheint das Tathandeln vor dem Hintergrund der überaus guten finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten.» Das Gericht hält aber auch fest, dass «deutlich schwerere ­Deliktsvarianten mit wesentlich höheren Schadenssummen» denkbar gewesen seien. Deshalb wiege Schifferles objektives Verschulden noch leicht.

Schifferle hat unterdessen den Fall ans Zürcher Obergericht weitergezogen. Wie das Gericht auf Anfrage bekannt gab, hat er eine Berufungserklärung eingereicht. Damit kommt es aller Voraussicht nach zu einem zweitinstanzlichen Prozess vor dem Zürcher Obergericht – dies frühestens nach den Sommerferien.

Schifferle war 2014 Knall auf Fall bei der Winterthurer Immobilienfirma Siska als Geschäftsführer entlassen worden. Schuldig sprach ihn das Bezirksgericht, weil er sich private Motorfahrzeugversicherungen und ein Cover für seinen Aston Martin von der Siska bezahlen liess. Zudem liess er Siska-­Personal für sich private Angelegenheiten im Wert von mehreren zehntausend Franken erledigen.

Während des Prozesses im Oktober überraschte der Staatsanwalt mit einem schweren Vorwurf an den Siska-Patron Robert Heuberger und dessen Sohn, den heutigen Siska-Präsidenten Günter Heuberger, der auch die Top-Medien besitzt. Während einer Befragung im Mai 2015 soll Robert Heuberger, mittlerweile 97 Jahre alt, mehrere Falschaussagen gemacht haben. Dies aufgrund von Instruktionen seines Sohnes. Auch das Winterthurer Gericht schreibt nun im Urteil, dass es «erhebliche Zweifel» an der Glaubhaftigkeit von Robert Heubergers Aussagen gebe. Und es bestünden «konkrete Zweifel daran, dass es keine Instruktionen gegeben haben soll».

Schifferle amtet als Präsident der Swiss Football League. Er wurde trotz der erstinstanzlichen Verurteilung durch das Bezirksgericht Winterthur erst kürzlich in diesem Amt be­stätigt.

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