Die Lausanner Richter geben damit zwei Nachbarn teilweise Recht, die sich durch die Beleuchtung gestört fühlen.

Die SBB hatte den Bahnhof Oberrieden See im Rahmen ihres Programms "Facelifting Stationen" umgestaltet und die Beleuchtung ausgebaut. Während der Betriebszeiten wird der Bahnhof nun seit mehreren Jahren von rund 90 Lampen erhellt - für die Nachbarn zu viel des Guten.

Das Bundesgericht gab den Anwohnern jetzt teilweise Recht: Die helle Beleuchtung im überdachten Perronbereich sei nicht in dieser Intensität erforderlich, fanden die Richter. Unnötige Lichtimmissionen seien zu vermeiden. Grundsätzlich sei nur das zu beleuchten, was beleuchtet werden müsse.

Die notwendigen Bedürfnisse seien zudem mit der "geringstmöglichen Gesamtlichtmenge" abzudecken. Die Beleuchtung im überdachten Bereich des Bahnhofes sei deshalb zwischen 22 und 6 Uhr um die Hälfte zu reduzieren. Dies ist nach Ansicht des Gerichtes mit Abschalten einzelner Lampen ohne weiteres möglich.

Die Beleuchtung in den nicht überdachten Aussenbereichen soll aber weiterhin wie bisher eingeschaltet bleiben, urteilt das Gericht weiter. Es gelte zu verhindern, dass Personen auf die Gleise stürzten. Lokführer müssten Personen, die zu nahe am Gleis stünden, erkennen und warnen können.
SBB: Helligkeit heisst Sicherheit

Man werde das Urteil des Bundesgerichtes so schnell wie möglich umsetzen, hiess es bei der SBB auf Anfrage der sda. Die SBB werde die Hälfte der Lampen in den kommenden Wochen abschalten, es seien aber noch einige technische Abklärungen notwendig.

Der SBB-Sprecher betonte, dass man den Anwohnern bereits vor einigen Jahren entgegengekommen sei und versucht habe, das Problem zu lösen. So wurde die Lichtfarbe etwa von "weiss" auf "warmweiss" gestellt und drei Dachleuchten wurden mit speziellen Reflektoren gegen den Hang abgeschirmt. Dies genügte den Anwohnern jedoch nicht.

Sie gelangten ans Bundesverwaltungsgericht und schliesslich ans Bundesgericht, das ihnen nun zu einem grossen Teil Recht gab. Die intensive Beleuchtung des Perronbereichs begründet die SBB mit dem Sicherheitsgefühl, das hauptsächlich von Licht abhängig sei. Niemand warte gerne an einem schummrigen Bahnhof auf den Zug.
Tests mit LED-Beleuchtung

Unabhängig von diesem Bundesgerichtsurteil prüft die SBB aber neue Beleuchtungskonzepte. In Neuenburg testet sie gegenwärtig LED-Lampen, deren Intensität angepasst werden kann.

Möglich wäre damit, dass sich die intensive Beleuchtung automatisch anstellt, sobald Wartende den Perronbereich betreten. Wäre der Perron menschenleer, würden die Leuchten automatisch verdunkelt. So würde der Stromverbrauch reduziert und die Nachbarn würden geschont.