Das Atelier von Ursula Hirsch ist eine kleine Oase mitten in der Stadt Zürich. Stolz führt die ehemalige Limmattalerin durch ihren Garten, wo Pflanzen bald den ganzen Sitzplatz überwachsen sollen. Auf der anderen Zaunseite verkehren Tram, Bus und Zug geschäftig auf Strasse und Schiene. «Manchmal bleiben Passanten stehen und schauen herein», sagt sie und geht auf den Eingang des Ateliers zu. Ein paar Treppenstufen führen in die obere Etage, wo Hirschs Arbeitsplatz und eine kleine Küche ist.

Mit ihrem 60. Geburtstag feierte Hirsch letztes Jahr auch ihr 30-jähriges Bestehen als Künstlerin. Dieses Ereignis nahm sie sich zum Anlass, auf ihre vergangenen Werke zurückzublenden. Herausgekommen sind vier Hefte auf insgesamt 200 Seiten, die sich mit ihrer Kunstentwicklung der letzten 30 Jahre auseinandersetzt: Kunst im Raum, vol. 1–4.

Ausbildung in Holland

Ursula Hirsch wuchs in Dietikon auf. Sie erinnert sich, dass sie in ihrer Kindheit viel Zeit im Ried, einem riesigen Naturschutzgebiet im Dreieck nahe Limmat und Reppisch verbracht hat. Heute sei dort alles zubetoniert.

«Ich wusste schon als Kind, dass ich Künstlerin werden möchte», sagt Hirsch. Prägend war, dass in ihrer Nachbarschaft einige Künstler wohnten. «Der Dekorationsmaler Godi Fäsch, der bei mir vis-à-vis wohnte, sass früher mit seiner Staffelei in der Garage.» Im Alter von 12 reiste sie mit dem Zug alleine nach Schaffhausen an eine Ausstellung von Edvard Munch (der Schrei).

Trotz dem frühen Interesse absolvierte Hirsch ihre Kunstausbildung erst mit 30 in Holland. In der Schweiz habe es damals noch fast keine Möglichkeiten für eine gute Kunstausbildung gegeben. «Vielleicht war das auch zu meinem Guten. Dann dadurch kam ich aus der Schweiz raus, musste ein paar Jahre ins Ausland, was für mich ein sehr wichtiger Schritt war.» Und die Jahre in Holland sieht man Hirschs Kunst bis heute an. Denn dort lernte sie, dass Kunst, Design und Architektur zusammenfliessen können. Sie sagt: «Holland zeigte mir meine Wurzeln.» Bis heute hat Hirsch an über 150 Einzel- und Gruppenausstellungen sowie in einigen Kunst-und-Bau-Aufträgen ihre lyrisch-geometrischen Werke gezeigt.

Archivschachteln bis ins Jahr 2030

In den letzten 30 Jahren hat sie von Wandmalereien über Lichtinstallationen bis hin zur Auseinandersetzung mit dem Raum fast alles gemacht, auch das Kuratorium für die Kunstkammer in Schlieren von 2009 bis 2010. Und fertig ist sie noch lange nicht. Im Archiv in ihrem Atelier warten bereits jetzt eine Reihe Schachteln – datiert bis ins Jahr 2030 – auf kommende Werkdokumente.

Zwei ihrer Werke im öffentlichen Raum – «Die Brunnenfigur» im Aula Pavillon der Kantonsschule Enge und «säen und ernten» im Innenhof der Städtischen Primarschulanlage Rütihof – hat die Stadt Zürich letztes Jahr komplett renoviert. «Diese Renovationen sind eine Anerkennung meiner Arbeit und zeigen, dass diese Werke bestimmt weitere 25 Jahre bestehen werden.»

Begehung «Die Brunnenfigur»: 6. Juni, 17.30 Uhr.

Begehung «säen und ernten»: 21. Juni, 18 Uhr.