Zürich

Ursula Gut wird nicht für die Regierungsratswahlen 2015 kandidieren

Auf dem Sprung: FDP-Regierungsrätin Ursula Gut (FDP) wird 2015 nicht mehr für die Regierungsratswahlen antreten.

Auf dem Sprung: FDP-Regierungsrätin Ursula Gut (FDP) wird 2015 nicht mehr für die Regierungsratswahlen antreten.

Die Zürcher FDP-Regierungsrätin Ursula Gut hat genug. Nach neun Jahren in der kantonalen Exekutive verzichtet sie auf eine erneute Kandidatur bei den Wahlen im April 2015, wie die FDP bekannt gab.

Die Zürcher FDP-Regierungsrätin Ursula Gut tritt zu den Wahlen im April 2015 nicht mehr an. Sie hat dann fast neun Amtsjahre hinter sich und wird 62 Jahre alt - da wolle sie etwas Neues beginnen, sagte Gut am Donnerstag vor den Medien. Mit Politik werde das nichts zu tun haben.

Mit dieser Aussage nahm Gut Spekulationen die Nahrung, wonach sie auf eidgenössisches Politparkett strebe. Sie sei viele Jahre lang politisch tätig gewesen - vom Engagement bei den Jungfreisinnigen über das Gemeindepräsidium in ihrer Wohngemeinde Küsnacht ZH bis hin zur Finanzdirektorin und Regierungspräsidentin im Amtsjahr 2011/12. "Für mich stimmt es so", sagte Gut.

Ursula Gut war im Juli 2006 in einer Ersatzwahl für ihre ausscheidende Parteikollegin Dorothée Fierz in die Zürcher Kantonsregierung gewählt worden. Die Juristin und Wirtschaftsfrau erhielt die Baudirektion. Nach den Gesamterneuerungswahlen ein Jahr später wechselte sie aber in die Finanzdirektion, der sie bis heute vorsteht.

Als Finanzdirektorin habe Gut stets "eine klare Strategie und Stossrichtung gehabt", sagte Parteipräsident Beat Walti. Sie habe wichtige Impulse gegeben, um den Kanton Zürich im Steuerwettbewerb fit zu erhalten, und sie dürfe "mit einem gewissen Stolz" auf ihre Leistung blicken.
"Nie gemütliche Zeiten"

Eine "besonders intensive Zeit" nannte Gut die Krise um die Pensionskasse BVK mit Korruptionsskandal und tiefgreifender Sanierung. Dies habe allerdings für ihren Verzicht-Entscheid ebensowenig eine Rolle gespielt, wie etwa die anstehende Unternehmenssteuerreform III des Bundes, mit der dem Kanton grosse Ausfälle drohten.

Es seien immer noch weitere Probleme zu lösen, und für ein Regierungsmitglied gebe es ohnehin nie Zeiten, in denen man sagen könne, "jetzt ist es gemütlich". Als Regierungsmitglied müsse man "immer dranbleiben und gute Nerven haben".

Dass Gut nicht mehr antritt, hängt eng mit ihrem Alter zusammen, wie sie mehrmals erwähnte. Sie habe den Entscheid denn auch "so um den 60. Geburtstag" herum, im letzten Herbst also, für sich gefällt. Würde sie nochmals eine Amtszeit anhängen, wäre sie am Ende fast 66 Jahre alt und damit über dem Pensionsalter.

Mit nicht ganz 62 bei ihrem Ausscheiden könne sie noch gut etwas Neues anfangen, sie habe allerdings noch keinerlei konkrete Pläne. Vor allem freue sie sich auf mehr Zeit fürs Privatleben, für Unternehmungen mit ihrem Mann. Das letzte Amtsjahr nehme sie jetzt "gesund und frisch und munter und voll motiviert" in Angriff.
Nominierung im Herbst

Die FDP geht nun auf die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin, wie Walti sagte. Die Delegiertenversammlung Anfang Oktober werde die Nomination vornehmen. Man suche ein Regierungsratsmitglied, nicht eine Finanzdirektorin oder einen Finanzdirektor. Aus diesem Grund dürfe man "nicht allzu spezifisch selektionieren".

Die FDP werde wieder mit einer Zweierkandidatur antreten, sagte Walti. Der oder die Neue wird neben dem amtierenden Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger antreten, der eine dritte Amtszeit in Angriff nehmen will.
Heiniger will weitermachen

Er sei 2007 angetreten mit dem Versprechen, sich "für einen fitten Kanton Zürich" einzusetzen, sagte der heute 57-jährige Heiniger. Einiges habe man inzwischen erreicht, vieles sei noch zu tun.

Unter den Errungenschaften nannte Heiniger die Spitalplanung und -finanzierung, ein Modell, das sich bewährt habe, und das von verschiedenen Kantonen kopiert worden sei. Auch habe man dem Kanton etwa die renommierte hochspezialisierte Herzmedizin sichern können.

Als künftige Herausforderungen nannte Heiniger etwa das Herzzentrum Zürich. Ein Fernziel sei zudem, das Universitätsspital sowie die Stadtspitäler Triemli und Waid dereinst zusammenzuführen. (sda)

Interview mit Ursula Gut, die 2015 nicht mehr für die Regierungsratswahlen antritt

Interview mit Ursula Gut 1

Ursula Gut wird 2015 nicht mehr für die Regierungsratswahlen antreten.

Interview mit Ursula Gut 2

Die Reaktionen der Kollegen


SP-Kantonalpräsident Daniel Frei lobte Guts Integrität und Gradlinigkeit. Negativ beurteilte er etwa die "Schwarzmalerei" beim Budgetieren. Auch sei zu wenig investiert worden. Beim BVK-Skandal habe Gut zu lange zugeschaut - dann aber habe sie "durchaus zielgerichtet" gehandelt. "Jetzt muss die FDP kämpfen", sagte Frei.

Wie Esther Guyer, Fraktionspräsidentin der Grünen im Kantonsrat, sagte, betrieb Gut zwar eine Steuerpolitik "mit Tücken". Beim Meistern der BVK-Krise habe sie jedoch ihr Möglichstes getan. Der FDP gibt sie gleich einen Tipp für geeignete Nachfolger aus dem Kantonsrat: Carmen Walker Späh, Regine Sauter oder Thomas Vogel.

Die Grünen halten mit Justizdirektor Martin Graf einen der sieben Zürcher Regierungssitze, den sie verteidigen wollen. Ausser ihm sitzen je zwei Vertreter von SP, FDP und SVP in der Kantonsregierung.

Gut habe die Kantonsfinanzen im Griff, lobte CVP-Fraktionspräsident Philipp Kutter. Auch die BVK-Krise habe sie gut gemeistert. Bei der Budgetgenauigkeit allerdings sieht er Verbesserungspotezial. Dass wiederholt viel schlechter budgetiert als abgeschlossen werde, sei dem Vertrauen nicht förderlich. Die CVP will 2015 ihren 2011 verlorenen Sitz mit Staatsanwältin und Kantonsrätin Silvia Steiner zurückholen.

Ob die Grünliberalen (GLP) im Frühling 2015 mitmischen wollen, entscheiden sie laut Parteipräsident Thomas Maier "im Frühsommer/Sommer". Maier, der Gut aus der Finanzkommission kennt, lobte ihre Dossierkenntnisse und "ihre gute Nase für Strategien". Enttäuscht sei er, dass die vier Bürgerlichen ihr Wahlversprechen, das Ausgabenwachstum in den Griff zu bekommen, nicht erfüllt hätten.

EVP-Fraktionspräsident Peter Reinhard hat Gut als "angenehme Kommunikationspartnerin" erlebt. Man habe offen mit ihr diskutieren können. Gegenüber dem Personal sei sie aber auch eine harte Partnerin, die "mehr Entgegenkommen hätte zeigen dürfen", sagte Reinhard, der auch Präsident der Vereinigten Personalverbände ist.

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