Untersuchungsberichte
Unispital Zürich räumt Fehler ein und verspricht Patienten bessere Aufklärung

Nachdem in den vergangenen zwei Jahren Missstände an mehreren seiner Kliniken publik geworden waren, leitete das Universitätsspital Zürich (USZ) Untersuchungen ein. Diese sind nun abgeschlossen. Und das Spital räumt ein: Die Kritik war teils berechtigt.

Matthias Scharrer
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Patienten wurden vor Operationen teils mangelhaft aufgeklärt.

Patienten wurden vor Operationen teils mangelhaft aufgeklärt.

Keystone

Eine der Untersuchungen betraf die Klinik für Gynäkologie am USZ. Deren Direktor hatte als Operateur Eingriffe und Sprechstunden teils überschneidend geplant, wie das USZ in einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung festhält. Nach Abschluss der Untersuchungen stehe fest: «Er war bei den Operationen persönlich anwesend, allerdings war er nicht durchgängig präsent und führte auch nicht immer alle wesentlichen Schritte selbst aus.» In dieser Hinsicht seien die Operationsberichte in diversen Fällen inhaltlich unpräzise beziehungsweise falsch gewesen.

Sich unrechtmässig bereichert oder gegenüber den Krankenkassen inkorrekt abgerechnet habe der Professor jedoch nicht. Schliesslich seien immer mindestens zwei honorarberechtigte Ärzte an den Operationen beteiligt gewesen.

Die Mängel bei der Aufklärung der Patientinnen

Mängel gab es jedoch bei der Aufklärung der Patientinnen. So schreibt das USZ: «In einigen Fällen wurde ihnen gegenüber zu wenig deutlich gemacht, wer tatsächlich als Hauptoperateur tätig sein würde.»

Ein weiterer Kritikpunkt: Der Gynäkologie-Direktor habe bei Patientinnen Eingriffe vorgenommen, obwohl es schonendere Möglichkeiten gegeben hätte. Dieser Vorwurf sei nun teilweise bestätigt, heisst es in der USZ-Mitteilung. Allerdings gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Klinikdirektor den Willen der Patientinnen nicht respektiert hätte. Er hat das USZ im Mai 2020 verlassen.

Die Untersuchung betraf auch die USZ-Herzchirurgie. Der Schlussbericht bestätigt nun die bereits in einem Zwischenbericht festgestellten Mängel: So war die Patientendokumentation «in mehreren Fällen mangelhaft», und zwar in Bezug auf Komplikationen und auf Aufklärungsgespräche mit Patienten.

In die Kritik geraten war der frühere Klinikleiter der USZ-Herzchirurgie zudem im Zusammenhang mit dem Einsatz von Implantaten, die er selbst entwickelt und an denen er ein geschäftliches Interesse hatte. Das USZ hält fest, dass die entsprechenden Dokumentationen für die bewilligenden Behörden teils mangelhaft waren. Zudem seien Publikationen dazu teilweise inhaltlich unvollständig und falsch.

Die Rollenhäufung des Professors

Ebenso sei darin die Rollenhäufung des Professors, der zugleich Herzchirurgiechef und Investor war, nicht ersichtlich gewesen. Allerdings habe dieser nicht aus Eigeninteresse und gegen die Interessen der Patienten Implantate eingesetzt.

Widerlegt sei auch der Verdacht auf Manipulationen der Patientendokumentation. Das USZ hatte gegen den Herzchirurgen Strafanzeige eingereicht. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren jedoch ein.

Die eingeleiteten Massnahmen

Das USZ hat inzwischen diverse Massnahmen getroffen, um die festgestellten Mängel zu beheben, wie es schreibt. So seien unvollständige Patientendokumentationen nachgeführt und Massnahmen eingeleitet, um die Aufklärung der Patienten und die Unternehmenskultur zu verbessern.

Ausserdem richtete das USZ eine externe elektronische Plattform ein, über die Mitarbeitende Missstände melden können.

Auch personelle Konsequenzen gab es sowohl an den Spitzen der kritisierten Kliniken als auch ganz oben in der USZ-Hierarchie: Spitalratspräsident Martin Waser hat zusammen mit weiteren Spitalratsmitgliedern seinen Abgang auf Ende Juni angekündigt.