Dübendorf
Unterstützung für Architekten: Das erste mit Robotern und 3D-Druck gebaute "Haus" ist bezugsbereit

Roboter haben elegante Mauern geschaffen, und ein 3-D-Drucker hat die Schalung produziert: Nun ist das «DFAB House» am «Nest»-Gebäude in Dübendorf fertig.

Angelika Jacobs
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In rund zwei Monaten sollen erste Gastforschende in die Räumlichkeiten des «DFAB House» einziehen.

In rund zwei Monaten sollen erste Gastforschende in die Räumlichkeiten des «DFAB House» einziehen.

Keystone

Die Digitalisierung macht auch vor dem Bauen nicht halt: Am Experimentalgebäude «Nest» der Forschungsanstalten Empa und Eawag in Dübendorf haben Forschende der ETH Zürich mit zahlreichen Industriepartnern gleich sechs neue digitale Bauverfahren erprobt.

Das Ergebnis ist eine dreistöckige Einheit aus Holz, geschwungenem Beton und milchig weissen «Glas»-Fassaden. Das «DFAB House», das auf der obersten Plattform des modular aufgebauten «Nest» thront, sei das erste «Haus» weltweit, das nicht nur digital geplant, sondern auch weitgehend digital gebaut wurde, wie die Projektverantwortlichen an einem Medienanlass zur Eröffnung betonten.

Neue praxisreife Technologien

DFAB steht für Digitale Fabrikation, und so heisst auch der Nationale Forschungsschwerpunkt (NFS), aus dem das Konzept für das Bauwerk entstanden ist. Zwar umfasst der NFS noch viel mehr Technologien, doch wählte man die, die reif genug für einen Praxistest waren, wie der beteiligte ETH-Architekt Konrad Graser erklärte.

So hatte ein Baustellen-Roboter seine Weltpremiere auf der Baustelle des «DFAB House» und setzte vor Ort ein geschwungenes Stahlgitter zusammen. Dieses diente zugleich als Schalung und Bewehrung für eine tragende – aber dafür erstaunlich dünne – elegant geschwungene Betonwand im Wohnzimmer des «DFAB House».

Der Beton wurde dann allerdings von Menschen angebracht. Zwei weitere Roboter fertigten an der ETH geometrisch komplexe Holzkonstruktionen. Die vorfabrizierten Einheiten wurden dann innert eines Tages verbaut.

Auch die filigran gemusterte Geschossdecke hat einen ungewöhnlichen Herstellungsprozess hinter sich: Die Schalung dafür stammt aus einem grossformatigen 3D-Sanddruck-Verfahren. Damit eröffnen sich gegenüber normalen Fertigungsmethoden völlig neue Möglichkeiten, Muster oder Aushöhlungen zu gestalten.

Die beteiligten Architekten haben sichtlich die Gestaltungsmöglichkeiten der neuen Technologien ausgeschöpft, wie der Rundgang durch die drei Stockwerke zeigte: Es mutet an wie ein sehr futuristisches Design-Gästehaus. Die Wohneinheiten für je eine Person mit eigenem Badezimmer wirken durch das verbaute Holz zwar heimelig, durch die undurchsichtige, milchige Fassade – auch eine der neu erprobten Technologien – aber zugleich auch kühl. Bis auf wenige Glasfenster bleibt der Blick nach draussen dadurch allerdings verwehrt. An dies und wohl auch an die türlosen Badezimmer müssen sich künftige Bewohner eventuell erst noch gewöhnen.

Mit der Zeit wird es billiger

Wie auch in den anderen Einheiten am Experimentalgebäude sollen dies Gastforschende der benachbarten Forschungsanstalten Empa und Eawag werden. In zwei Monaten sollen die ersten einziehen, hiess es seitens der Projektverantwortlichen.

Zwar wählte man relativ ausgereifte Technologien für den Praxistest, wie Peter Richner, stellvertretender Direktor der Empa und Verantwortlicher für das «Nest»-Gebäude, sagte. Jedoch zeigte sich hier und da, dass man noch einmal ins Labor zurückmusste. So gab es viele kleine Verzögerungen, die sich aufsummierten. Auch die Kosten stiegen dadurch etwas und lagen letztlich mit 2,4 Millionen Franken deutlich über den ursprünglichen Schätzungen.

Es handelt sich um ein Pilotprojekt mit Prototypen und sei als solches sehr teuer, insbesondere wenn man die Forschungsleistung mit einrechne, betonte «DFAB House»-Leiter Matthias Kohler von der ETH Zürich. Die Technologien dürften mit ihrer Weiterentwicklung jedoch kostengünstiger werden.