Zürich

Unternehmen sparen - meist bei KV-Lehrlingen und Berufseinsteigern

Um ihr "Kässeli" zu schonen, sparen Unternehmen oft bei KV-Lehrlingen und Berufseinsteigern. (Symbolbild)

Um ihr "Kässeli" zu schonen, sparen Unternehmen oft bei KV-Lehrlingen und Berufseinsteigern. (Symbolbild)

Abgängerinnen und Abgänger einer kaufmännischen Grundbildung fühlen sich gut auf das Berufsleben vorbereitet und ihre Weiterbildungsbereitschaft ist ausserordentlich gross. Jeder fünfte KV-Lehrling verdient jedoch zu wenig, wie eine Befragung des Kaufmännischen Verbandes Schweiz (KVS) zeigt.

"Neun von zehn jungen Erwachsenen fühlen sich nach Abschluss der KV-Lehre gut auf ihre erste Arbeitsstelle vorbereitet", stellte Michael Kraft am Freitag bei der Präsentation der Studie in Zürich fest. Kraft ist beim KVS für Jugendpolitik und -beratung zuständig.

Sein Befund stützt sich auf eine gesamtschweizerische Umfrage bei über 3000 jungen Erwachsenen, die im vergangenen Jahr "die klassische KV-Lehre" abgeschlossen haben. Miteinbezogen wurden zudem Absolvierende der Handels- und Wirtschaftsmittelschulen sowie privater Handelsschulen.

Befragt wurden sie im Juli und November. Bei der zweiten Befragung hatten drei von vier Abgängern eine Anstellung gefunden. 3,7 Prozent absolvierten ein Praktikum und 15,8 Prozent machten etwas anderes, leisteten etwa Militärdienst oder machten einen Sprachaufenthalt.

Rund 5 Prozent der Lehrabgänger waren auf Stellensuche und 3,7 Prozent bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) angemeldet. Das spreche für ein stabiles kaufmännisches Grundbildungssystem und einen beständigen Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger mit KV-Abschluss, sagte Kraft.

Erstmals untersucht hat der KVS die Löhne der Berufseinsteiger. Dabei zeigte sich, dass jeder fünfte Absolvent einer Kaufmännischen Berufslehre weniger verdient als 4000 Franken im Monat. Auch im dritten Lehrjahr liegen die Löhne oft unter den vom KVS empfohlenen 1480 Franken im Monat.

Ausserdem unterlaufen 20 Prozent aller Arbeitgeber in den Verträgen mit dem Nachwuchs die Pflicht zu mindestens fünf Wochen bezahlter Ferien. So viel steht Arbeitnehmern unter 20 Jahren per Gesetz zu. Bezüglich Einhaltung des geltenden Rechts bestehe dringender Handlungsbedarf. Die Jugendschutzbestimmungen müssten konsequent eingehalten werden.

Hohe Weiterbildungsbereitschaft

"Beachtlich" ist für KVS-Präsident Daniel Jositsch die hohe Bereitschaft zur Weiterbildung unter den Absolventen. 93 Prozent der Befragten haben nach Lehrabschluss vor, eine Weiterbildung in Angriff zu nehmen. "Berufseinsteigerinnen und -einsteiger haben das lebenslange Lernen bereits verinnerlicht", stellte Jositsch fest.

Die KV-Lehre biete auch heute noch ein "gutes Fundamt". Sie bereite bestens auf die Herausforderungen der Arbeitswelt vor und gehöre nach wie vor zu den beliebtesten Ausbildungen.

Denn für Jositsch ist klar: "Das KV ist - wie die gesamte Berufswelt - in Bewegung." Digitalisierung und Automatisierung hätten das Berufsbild schon früher verändert und würden dies auch in Zukunft tun. Die klassische Sekretärin, die Briefe abtippt, gebe es heute kaum mehr.

Die Arbeit werde vielfältiger und erfordere andere Fähigkeiten. Sozialkompetenz, Problemlösungsfähigkeit und Beratungskompetenz würden wichtiger. Der Computer könne zwar beim Abschluss einer Hypothek eine wichtige Unterstützung sein, die Beratung durch geschulte Mitarbeiter könne er aber nicht ersetzen.

Damit den jungen Berufsleuten in Zukunft alle Wege offenstehen, müsse die KV-Lehre qualitativ weiterentwickelt werden, betonte Jositsch. Zudem müsse die Weiterbildung von den Betrieben zeitlich und finanziell unterstützt werden.

Berufsbildung braucht mehr Mittel

Der Verband begrüsst es auch, dass der Bundesrat in seiner Botschaft zu "Bildung, Forschung und Innovation 2017-2020" (BFI) einen Schwerpunkt in der höheren Berufsbildung setzen will. Im Zuge des Fachkräftemangels und bei angespannter Wirtschaftslage sei das zentral, betonte Jositsch.

Der KVS ist jedoch überzeugt, dass sich die Berufsbildung nur gesamthaft entwickeln kann. Er befürchtet jedoch, dass angesichts der vorgesehenen Erhöhung des BFI-Kredites um bloss 1,5 Prozent die Stärkung der höheren Berufsbildung auf Kosten der Grundausbildung gehen wird.

"Diese beiden Bereiche dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden", betonte der Zürcher Ständerat. Ohne eine deutliche Erhöhung des Bundesbeitrages könnten die Ziele nicht erreicht werden, zumal die Kantone unter Spardruck geraten seien. Der KVS will sich deshalb im Rahmen des parlamentarischen Prozesses für eine Nachbesserung des BFI-Kredites einsetzen

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