Ende der 1980er-Jahre liess ihn das kantonale Tiefbauamt erstellen - zusammen mit dem unterirdischen S-Bahnhof Museumsstrasse. Das Tunnelstück galt damals als Vorinvestition für den Stadttunnel, der dereinst die Autobahnen A1 und A3 verbinden und die Sihlhochstrasse überflüssig machen sollte. Ob aber jemals Autos unter dem Hauptbahnhof verkehren werden, steht in den Sternen.

Dafür konkretisiert sich derzeit ein ganz anderes Verkehrsprojekt für den 191 Meter langen Tunnelabschnitt. Ab Ende 2014 soll er als Veloweg dienen. Genauer: Als zentraler Bestandteil der «Velo-Komfortroute Sihl-HB-Limmat», wie das Vorhaben im Agglomerationsprogramm des Kantons Zürich heisst.

«Das Projekt hat eine grosse Bedeutung für den Veloverkehr», sagt Evelyne Richiger, Sprecherin des Stadtzürcher Tiefbauamts. Man kann es auch in einem grösseren Zusammenhang sehen: Der Wandel vom Autobahn- zum Velotunnel ist ein Sinnbild für die Stadtzürcher Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte - weg von der Vorherrschaft des motorisierten Individualverkehrs (MIV), hin zu einer Kombination aus immer mehr Fuss-, Velo- und öffentlichem Verkehr. Mit der Annahme der Städteinitiative, die eine Reduktion des MIV um zehn Prozentpunkte verlangt, überholten Zürichs Stimmberechtigte letzten Herbst dabei sogar den rot-grün dominierten Zürcher Stadtrat.

Das von Stadträtin Ruth Genner (Grüne) geleitete Tiefbau- und Entsorgungsdepartement treibt den Umbau des Stadttunnels zum Velotunnel nun voran: Bis Montag dieser Woche konnten sich Ingenieurbüros dafür bewerben. «In den nächsten Wochen wird bestimmt, wer das Bauprojekt erarbeitet», sagt Richiger.

Die Eckwerte stehen bereits fest: Vom insgesamt 25 Meter breiten Stadttunnel soll ein 6 Meter breiter Streifen als Veloweg dienen. «Die restliche Breite kann für Veloabstellplätze genützt werden», so Richiger. Als Zufahrt in den künftigen Velotunnel sind Rampen in der Kasernenstrasse und am Sihlquai geplant.

Günstige Vorzeichen

Was noch aussteht, sind die Bewilligungen durch Stadt- und Gemeinderat sowie den Kanton Zürich. Darüber wird laut Richiger entschieden, wenn das Bauprojekt vorliegt. Als Zeithorizont nennt die Tiefbauamts-Sprecherin den September 2013.

Die Vorzeichen stehen gut: Immerhin hat der Kanton Zürich das Projekt in sein Agglomerationsprogramm aufgenommen und ihm höchste Priorität zugesprochen. Auch die Kosten sind moderat: Im Agglomerationsprogramm werden sie auf 2 Millionen Franken beziffert. Und nach dem Rückzug der ungleich teureren Velopasserelle «Negrellisteg» über das Gleisfeld beim Hauptbahnhof dürfte dem Projekt im rot-grünen Zürich kein entscheidender Widerstand drohen. Was auch den gedrängten Zeitplan erklärt: Gleich nach Abschluss der Bauarbeiten am neuen, unterirdischen Bahnhof Löwenstrasse, für die der Tunnel derzeit genutzt wird, soll das Projekt ab Mitte 2014 realisiert werden. Die für Ende 2014 geplante Inbetriebnahme brächte, was Zürichs Velolobby seit Jahren fordert: eine velofreundliche Route beim Verkehrsknotenpunkt Hauptbahnhof