Die Liste, die die Universität Zürich gestern ins Netz gestellt hat, beinhaltet aktuell 27 Professuren, die von nicht-öffentlichen Förderern mitfinanziert werden. Dies sei nach der Veröffentlichung der Interessenbindungen und Nebentätigkeiten der Professorinnen und Professoren Anfang Jahr ein weiterer Schritt Richtung Transparenz, sagte Rektor Michael Hengartner gestern an einem Mediengespräch. Er sei stolz darauf, dass die Universität kein Elfenbeinturm sei. Jedes ausseruniversitäre Engagement eines Professors sei eine Brücke zur Gesellschaft.

Die Interessenbindungen müssen wegen einer Anpassung des Universitätsgesetzes veröffentlicht werden, so hat es der Kantonsrat letztes Jahr entschieden. Welche Professuren privat mitfinanziert werden, sei bisher im Vorlesungszverzeichnis für die Studenten ersichtlich gewesen, sagte Hengartner. Neu existiert eine Sammlung online.

UBS und Scheich Khalifa

Unter den 27 Professuren befinden sich auch diejenigen, die über den 100-Millionen-Vertrag mit der UBS finanziert werden. Diesen musste die Universität erst nach öffentlichem Druck publizieren, was der Auslöser für die Transparenz-Diskussion an der Universität war.

Die meisten gestifteten Professuren verzeichnen die Wirtschaftswissenschaftliche und die Medizinische Fakultät.

Vier Assistenzprofessuren finanzierte ein dankbarer Patient: Scheich Khalifa Bin Hamad Al-Thani aus Katar stiftete 2015 der Herz- und Kreislaufforschung 11 Millionen. Nicht nur Scheich Khalifa, der schon lange in der Schweiz lebt, liess sich in Zürich behandeln. Auch sein Sohn, der ehemalige Emir von Katar, machte Ende 2015 Schlagzeilen, als er sich in Zürich an der Hüfte operieren liess. Für seine Ankunft wurde das Nachflugverbot am Flughafen aufgehoben.

Noch nicht aufgeführt ist der Lehrstuhl für Muttermilch, wofür eine Familienstiftung 20 Millionen Franken geschenkt hat. Dies, weil das Berufungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist.

«Auch schon Geld abgelehnt»

«Ich bin stolz auf jede Stiftungsprofessur und hoffe, dass es noch mehr werden», sagte der Rektor. Er habe aber auch schon substanzielle Summen abgelehnt, weil einer der vier Grundsätze, die sich die Universität auferlegt, nicht erfüllt gewesen sei. Diese sind zum einen die Freiheit von Lehre und Forschung und die Entsprechung der strategischen Ziele der Universität. Zum anderen darf die Glaubwürdigkeit nicht gefährdet werden und die Transparenz muss gegeben sein, entsprechend sind die Verträge grundsätzlich öffentlich.

Der Rektor äusserte sich auch zum Uni-Entscheid in der «NZZ» keine Todesanzeigen für emeritierte Professoren mehr zu publizieren, was 2015 rund 100 000 gekostet habe. Wegen Sparprogrammen von Bund und Kanton muss die Uni jährlich 13 Millionen Franken sparen. Er verstehe die Professoren, die sich über den Entscheid empören, sagte Hengartner. Der Entscheid sei unschön, aber besser als der Verzicht auf eine halbe Professur. «Ich zeige meine Wertschätzung sowieso lieber, solange die Kollegen noch am Leben sind.»