Die Vorteile gegenüber dem Zoo liegen auf der Hand: Die Tiere können sich nirgendwohin verkriechen. Zudem ist ein ausgestopfter Puma kaum von einem schlafenden zu unterscheiden – im Gegenteil, der ausgestopfte wirkt sogar lebendiger. Die strengen Gerüche von Tierdung bleiben der sensiblen Nase erspart – und man ist der einzige Besucher.

Vielfältig präsentieren sich die heimischen Wirbeltiere. Allein zwölf unterschiedliche Möwenarten stehen in der Vitrine. Überhaupt scheint die Schweizer Fauna in erster Linie aus Vögeln zu bestehen. Wer fliegen kann, findet Anschluss an die Welt. Auch bekannte Tiergesichter sind dabei: Die schwarze Trauerente mit ihrem orangenen Schnabel erinnert an die Comicfigur Daffy Duck.

Auf Knopfdruck werden die gefiederten Freunde für einen kurzen Moment lebendig, zumindest im Ohr des Besuchers: Es zwitschert, pfeift und gurrt. Nur der Schwarzstorch lässt ein unsägliches Gejammer ab. Frustrierend ist das Vogelquiz: schon beim zweiten Exemplar erweist sich das eigene ornithologische Wissen als ungenügend. Da sind die Nager und Insektenfresser schon vertrauter. Der heimliche Favorit heisst «Schabrackenspitzmaus», ein possierliches kleines Scheusal.

Bei den Exoten im Untergeschoss wartet schon eine raumhohe Giraffe. Hier sind die Tiere geografisch geordnet. So kommt es, dass die Knoblauchkröte zwischen dem Sibirischen Tiger und dem Alligator sitzt. Kein Zoo der Welt kann sich wohl mit Belugawalen und Hammerhaien brüsten. Und in welchem Gehege steht ein vor 5000 Jahren ausgestorbenes drei Meter langes Riesenfaultier?

Wer lieber Knochen und Stein als Fell und Federn mag, macht drei Schritte ins Paläontologische Museum gleich nebenan. Dazwischen markiert der Quastenflosser, ein fischiger Ahne der Landbewohner, den Übergang von damals zu heute. Der Kuschelfaktor der Skelette und Fossilien ist geringer als drüben. Freunde von Sauriern und anderen Urzeitüberbleibseln kommen jedoch hier auf ihre Kosten. Der mässig interessierte Laie lernt immerhin, dass einst ein dreizehiges Pferd im zürcherischen Elgg umherstreifte. Auch Elefanten trampelten anno dazumal über heimischen Boden und im Linthgebiet fand man Überreste von Tapiren.

Elefanten und Pferde sind nicht die einzigen Zürcher, die in der Ausstellung auftauchen. Auch menschliche Exemplare mischten in der Paläontologenszene mit. Man liest vom Arzt Felix Hemmerli, der im Jahre 1450 in einem Felsen bei Florenz Muscheln und Meerestiere fand, die «unter Sommerwärme hart wie Stein geworden» sind.

Wer die toten Viecher und sein Mittagessen verdaut hat, kann im Anschluss dem Medizinhistorische Museum einen Besuch abstatten, das unter der Woche nur nachmittags geöffnet ist. Die Geschichte des Ärzteberufs beginnt im alten Ägypten und führt via Griechenland und Rom ins düstere Mittelalter. Damals ging die Viersäfte-Lehre davon aus, dass Blut, Schleim sowie gelbe und schwarze Galle im Einklang zueinander stehen müssen. Als leichter Phlegmatiker diagnostiziert der einzige Besucher bei sich einen Überhang zum Schleim.

Weiter gehts: Der Werkzeugkoffer des Chirurgen unterscheidet sich bloss geringfügig von demjenigen eines Handwerkers. Und auch die Anleitung zur Amputation eines Beines hat Do-it-yourself-Charakter. Nicht weniger Unbehagen lösen die Nadeln aus, mit denen Augenärzte im grauen Star herumstocherten. Dafür sind die alten Glasaugen hübsch: In allen Farben und Grössen.

Heimelig wirkt die nachgebaute Appenzeller Bauernstube: Auf dem Bett liegt eine tote Katze, die sich schlafend stellt. Hauptattraktion ist aber ein Gebärstuhl, eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, der Hausgeburten für alle Beteiligten angenehmer gestalten sollte. Mitunter, weil die Gebärende im Sitzen ihren «sittlichen Glückseligkeitszustand» bewahren konnte, wie eine Stimme ab Band erklärt.

Ein ganzer Raum widmet sich den wichtigsten Krankheiten von der Pest bis zu Aids. In der Syphilis-Vitrine erfährt man, dass die Geschlechtskrankheit vor allem in den besseren Kreisen grassierte, wo sie diskret «Kavaliersschnupfen» genannt wurde. Ekel erregendes ist nicht zu finden, mal abgesehen von den in Formaldehyd eingelegten Krebskarzinomen.

Dass Heilung nicht nur das Werk von Ärzten ist, daran erinnert die aktuelle Gastausstellung der Berliner Charité: Sie widmet sich der Geschichte des Pflegeberufs. Womit das auch sonst gerne vergessene Pflegepersonal einen Platz hat.