Fall Mörgerli

Uni Zürich verweigert Einsicht in ein Gutachten über Iris Ritzmann

Iris Ritzmann.

Iris Ritzmann.

Die Uni Zürich will das Koller-Gutachten nicht zugänglich machen, die Licht ins Dunkel um die Entlassung von Professorin Iris Ritzmann bringen könnte. Eine Zusammenfassung sei für die Öffentlichkeit ausreichend, findet der Rektor.

Die Leitung der Universität Zürich will ein vom ehemaligen Direktor des Bundesamtes für Justiz, Heinrich Koller, verfasstes Gutachten im Fall Iris Ritzmann nicht öffentlich zugänglich machen. Koller hatte am vergangenen 4. Dezember zusammen mit dem Rektorat der Uni anlässlich einer Medienkonferenz über den Inhalt seines Gutachtens Auskunft erteilt – allerdings nicht vollumfänglich.

Die Limmattaler Zeitung hatte daraufhin von der Universität Zürich die Herausgabe des Originalgutachtens Kollers verlangt  – gestützt auf das im Kanton verfassungsmässig garantierte und gesetzlich verankerte Öffentlichkeitsprinzip.

Doch der Rektor ad interim, Otfried Jarren, erteilte dem Begehren eine Abfuhr: «Ihrem Gesuch kann nicht entsprochen werden», schreibt er der Redaktion. Es handle sich um eine hängige personalrechtliche Streitigkeit. In solchen Fällen, so die Argumentation des vom Rechtsdienst verfassten und von Jarren unterzeichneten Schreibens, gelte das Öffentlichkeitsprinzip nicht  – respektive nur, um Falschmeldungen zu korrigieren oder in schweren oder aufsehenerregenden Fällen.

Die Universitätsleitung hatte den Gutachter Koller damit beauftragt, die gegenüber Iris Ritzmann ausgesprochene Kündigung zu beurteilen. Die Uni hatte von Ritzmann unter anderem verlangt, einen Teil ihres bereits ausbezahlten Lohnes zurückzuzahlen. Diesen und andere Teile hatte Koller gerügt, worauf die Unileitung mit gewissen ihrer Forderungen zurückkrebste. Die Argumentation der Universität weist allerdings gewisse Schwachpunkte auf. Angesichts der von Hunderten Akademikern signierten Protestnote und des enormen Medieninteresses am Fall muss man sich die Frage stellen, was daran denn nicht «aufsehenerregend» sein soll.

Redaktion prüft, Rekurs einzulegen

Letztlich weist Jarren darauf hin, dass das Strafverfahren gegen Ritzmann ebenfalls nicht abgeschlossen sei und allein aus Gründen der Privatsphäre der ehemaligen stellvertretenden Leiterin des Medizinhistorischen Instituts keine Einsicht in Kollers Gutachten zu gewähren sei.

Schützen will die Uni offenbar also Iris Ritzmann – und zwar auch vor sich selber. Die geschasste Wissenschafterin hatte, wie sie auf Anfrage sagt, über ihren Anwalt am 16. Dezember Einsicht ins Gutachten verlangt. Also dasjenige Gutachten, das sie und ihre Kündigung betrifft. Die Universität hat Ritzmann das Dokument allerdings bis heute nicht zugestellt, ihr Gesuch sei in Prüfung, schrieb der Rechtsdienst ihrem Anwalt.

Ebenso wenig zugestellt hat sie ihr ein anderes Gutachten, das die Betreuung von Doktoranden betrifft. Die Uni hatte es erstellen lassen, nachdem Vorwürfe gegen Christoph Mörgeli publik geworden waren, er habe seine Doktoranden ungenügend betreut. Ritzmanns Anwalt verlangte am 2. Oktober Einsicht in dieses Dokument.

Der Rechtsdienst versprach, man werde ihr das Gutachten «im Verlauf der kommenden Woche zukommen lassen». Vor Weihnachten stellte ihr die Uni in Aussicht, dass sie zusammen mit dem Gutachten Koller einen teilanonymisierten Auszug aus dem Betreuungsgutachten erhalten könnte. Dem Vernehmen nach erhält Ritzmann in diesem Gutachten gute Noten für ihre Betreuungsarbeit  – kommt dieses Lob für eine in Ungnade gefallene Mitarbeiterin der Uni wohl etwas ungelegen?

Was den Koller-Bericht betrifft: Die Redaktion prüft nun, Rekurs gegen den negativen Entscheid des Rektors einzulegen.

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