Vorbei mit stickigen und vollgestopften Prüfungssälen: Die rund 850 Erstsemestrigen dürfen die Multiple-Choice-Aufgaben der Einführungsprüfung für Rechtswissenschaft an der Uni Zürich ab 2014 am Computer lösen.

Doch das bleibt nicht die einzige Neuerung, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. Viel einschneidender ist, dass die Studenten künftig selber entscheiden, wo sie die Prüfung ablegen - egal ob an der Uni, zu Hause oder gemeinsam in einer Gruppe.

Damit fallen sämtliche Kontrollen weg. Zwar ist der Test als eine «Open-Book-Klausur» deklariert, in der Studenten während der Prüfung auf die Lehrbücher zurückgreifen dürfen. Doch es hält sie niemand davon ab, einen älteren Studenten den Test machen zu lassen oder sich zu einer Gruppe zusammenzuschliessen.

Kritik an der Neuerung kommt aus den eigenen Reihen. Für Soziologie-Professor Kurt Imhof machen solche Prüfungen keinen Sinn. «Das ist doch absurd», sagt er. «Diese Form eignet sich sicher nicht dafür, Gelerntes abzufragen.» So würden Studenten geradezu zur Kooperation untereinander angehalten.

Diese Verwässerung der Leistungskriterien passt für Kritiker nicht zu einer Hochschule von Weltformat. Deshalb ist auch Rolf Dubs, emeritierter Professor der Universität St. Gallen (HSG), skeptisch.

Der Unterricht an Spitzenunis wie Harvard oder Stanford sei nicht zwingend anspruchsvoller als an den Schweizer Universitäten, sagt Dubs. «Aber sie zeichnen sich durch knallharte Prüfungen aus. Darauf dürfen auch Schweizer Universitäten nicht verzichten.»

Für die Universität Zürich bleibt die Qualität im Rechtsstudium dennoch gesichert. Die Einführungsveranstaltung sei nur ein Teil der Einstufung und gebe einen Überblick über die Aufgaben des Rechts, sagt Sprecherin Jakob.

Die Vertiefungen der jeweiligen Bereiche würden bereits ein halbes Jahr später getestet – und zwar mit klassischen schriftlichen Prüfungen.