Bezirksgericht Zürich
Unhold entblösst sich: Gericht verurteilt EDV-Spezialist und Ehefrau

Ein Limmattaler Computerspezialist hat auf offener Strasse vor einer 15-jährigen Schülerin onaniert. Dafür kassierte der nicht geständige Russe eine hohe Geldstrafe von 30000 Franken. Seine Ehefrau wurde wegen Begünstigung ebenf

Attila Szenogrady
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Abends an einer Bushaltestelle in Zürich folgte ein Unhold einer 15-jährigen Schülerin. (Symbolbild)

Abends an einer Bushaltestelle in Zürich folgte ein Unhold einer 15-jährigen Schülerin. (Symbolbild)

Keystone

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft ging auf den 28. Februar 2012 zurück. Damals verliess eine 15-jährige Schülerin in den späten Abendstunden eine Bushaltestelle im Zürcher Kreis 3 und bemerkte plötzlich, dass ihr ein Mann folgte. Die Geschädigte begab sich auf einen Fussweg, wobei ihr die unheimliche Person folgte. Als sie sich umdrehte, sah sie, wie der Unhold an seinem entblössten Glied frottierte und sie anblickte. Die schockierte Schülerin suchte das Weite und schaltete kurz darauf die Polizei ein.

Schon am nächsten Tag erwischt

Die junge Frau gab eine sehr genaue Täterbeschreibung ab. Offenbar so gut, dass die Polizei bereits am nächsten Abend in der Nähe des Tatortes eine hauptverdächtige Person stellen konnte. Es handelte sich um einen Software-Entwickler aus dem Limmattal. Die Fahnder fotografierten den russischen Staatsangehörigen und schickten das Bild umgehend auf das Handy der Geschädigten. Diese erklärte sofort, dass es sich aufgrund seines Aussehens um den Exhibitionisten handelte.

Trotz der klaren Belastung stritt der EDV-Spezialist die Vorwürfe ab und sprach von einer Verwechslung. Er habe am fraglichen Tatabend unmittelbar seine Ehefrau und seine Tochter aufgesucht. Zur Tatzeit habe er sich zu Hause aufgehalten, sagte er. Während der Strafuntersuchung hatte seine Frau ausgeführt, dass er bei ihr gewesen sei. Als Beweis reichte sie digital Fotoaufnahmen des fraglichen Abends ein.

Täter «zu 100 Prozent» erkannt

Gestern musste sich der belastete Limmattaler wegen sexuellen Handlungen mit Kindern vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der erfolgreiche EDV-Spezialist musste mit einer happigen, bedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 280 Franken rechnen. Seine Frau stand wegen Begünstigung ebenfalls unter Anklage. Mit einem Strafantrag auf 180 Tagessätze zu 80 Franken.

Beide Verteidiger verlangten dagegen umfassende Freisprüche und lasteten der Polizei ein dilettantisches Vorgehen bei der Identifizierung des Beschuldigten an. Es sei überhaupt nicht erwiesen, dass der Russe der wahre Täter sei, plädierten sie. Ohne Erfolg. So führte die Gerichtspräsidentin schon während der Befragung aus, dass die Privatklägerin den Angeschuldigten wiederholt zu hundert Prozent als den Unhold identifiziert habe. Glaubwürdig und glaubhaft.

Das Gericht kam deshalb zu Schuldsprüchen. Es verurteilte den heute 38-jährigen Beschuldigten wegen sexuellen Handlungen mit Kindern zu einer bedingten, aber hohen Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 200 Franken, also insgesamt 30 000 Franken.

Die Frau kassierte wegen Begünstigung eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 80 Franken. Das Gericht betonte dabei, dass die angeblich entlastenden Fotoaufnahmen nachträglich auch manipuliert sein konnten. Das Ehepaar verliess sichtlich konsterniert den Gerichtssaal. Es kann den umstrittenen Fall an das Obergericht weiterziehen.