10 Jahre Städtepartnerschaft Zürich-San Francisco

Ungewöhnliche Städteporträts aus Zürich und San Francisco

Tramleitungen, projiziert auf den Himmel über San Francisco. Sanaz Mazinanis/zvg

Tramleitungen, projiziert auf den Himmel über San Francisco. Sanaz Mazinanis/zvg

Seit zehn Jahren besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Zürich und San Francisco. Zum Jubiläum gibts jetzt im Museum Bärengasse ungewöhnliche Städteporträts von Foto- und Videokünstlern zu sehen.

Der Himmel über San Francisco ist blassblau mit Dunstschwaden, wie sie so häufig entstehen, wenn die kühle Luft vom Meer auf die heisse Luft des südkalifornischen Festlands trifft. Auf diese farbliche Grundierung hat die Künstlerin Sanaz Mazinanis Fotos von Tramleitungen projiziert – in einer geometrischen Anordnung, die an ornamentale Muster aus ihrer iranischen Heimat erinnern. «Forever in the Sky» heisst die so entstandene Bilderserie. Mazinani, die in San Francisco lebt, leistet damit einen Beitrag zur Ausstellung «Twisted Sisters – Reimaging Urban Portraiture»», die anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Städtepartnerschaft zwischen Zürich und San Francisco gestern im Museum Bärengasse eröffnet wurde.

Radikal subjektive Sichtweisen

Für die Ausstellung sind ungewöhnliche Städteporträts entstanden. Stadtansichten mit Wiedererkennungseffekt, wie man sie in diesem Zusammenhang vielleicht erwarten würde, sind höchstens ansatzweise vorhanden. Die Kuratorinnen Meg Shiffler und Alexandra Blättler wollten das touristische Bild ihrer beiden Städte bewusst konterkarieren. Stattdessen präsentieren sie radikal subjektive Sichtweisen aufs Stadtleben. Zum Beispiel die Fotoserie, mit der Georg Gatsas die junge Zürcher Künstlerszene aus dem Umfeld der «Longstreet Bar» porträtiert – darunter Bild eine junge Frau namens Rakel, die in der Masoala-Halle des Zoos posiert. Oder eine Videoinstallation von Veronika Spierenburg, die die Betonarchitektur der Migros-Verteilzentrale Herdern in Bewegung setzt. Oder den Abdruck eines nassen T-Shirts auf Asphalt in San Francisco, fotografiert von Lindsey White. Oder eine Glastür des Bezirksgerichts Zürich, nach einem Anschlag zersplittert und mit Klebeband fixiert, am 1. Mai mit Farbbeuteln versehen und vom Künstler Cat Tuong Ngyuen mit Fettecken, Schokoladenstücken und Schaumgummi-Polstern weiter verfremdet.

Die anregende Ausstellung, die modifiziert auch in San Francisco zu sehen sein wird, bildet den Auftakt der Jubiläumsaktivitäten zur Städtepartnerschaft. Im Herbst folgen in beiden Städten – in Zürich im Filmpodium – Filmreihen über die jeweilige Partnerstadt. Der kulturelle Austausch beginnt zu fruchten.

Bis 8. September im Museum Bärengasse, Bärengasse 22, 8001 Zürich. Öffnungszeiten: Do bis So, 12 bis 18 Uhr.

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