Spitalärzte sind verärgert: Der Verband der Spitalärztinnen (VSAO), Sektion Zürich, wirft dem Universitätsspital Zürich (USZ) in seinem neusten Newsletter eine ungesetzliche Pausenregelung vor. Der Grund: Seit 1. Juli werde dem Nachtdienstpersonal gemäss einer Weisung des USZ jeweils eine Stunde als Pause verrechnet, auch wenn es per Sucher ständig erreichbar sein müsse. Dies widerspreche dem Arbeitsgesetz.

Laut Arbeitsgesetz haben Arbeitnehmer bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als sieben Stunden eine halbe Stunde Pause zugute. Ab neun Stunden Arbeit steht ihnen eine Stunde Pause zu. Pausen gelten jedoch als Arbeitszeit, wenn die Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz nicht verlassen dürfen – «oder wenn sie sich für Einsätze bereithalten müssen, zum Beispiel mit einem Pager», präzisiert das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in einem Merkblatt zur Anwendung des Arbeitsgesetzes für Spitäler.

Genau dies sei beim Nachtdienst-personal des USZ der Fall, wie Kerstin Knaack vom VSAO gestern auf Anfrage erklärte: «Die Leute im Nachtdienst des USZ müssen immer einen Piepser tragen. Wir fordern daher, dass das USZ seine neue Pausenregelung schnellstmöglich aufhebt.» Das USZ stütze sich bei seiner Regelung auf ein Bundesgerichtsurteil zum Fall eines Rettungssanitäters, der mit dem Nachtdienstpersonal des Unispitals nicht vergleichbar sei.

«Juristisch fundiert abgeklärt»

«Wir haben den Sachverhalt juristisch fundiert abgeklärt», sagte USZ-Sprecherin Petra Seeburger, auf die Vorwürfe angesprochen. Die Anschuldigungen betreffend der Pausenregelung könne sie «so nicht bestätigen», erklärte sie weiter am Abend, nachdem die az Limmattaler Zeitung sie am Nachmittag damit konfrontiert hatte.

Das USZ zählt insgesamt 6100 Mitarbeitende. Deren Gesamtzufriedenheit ist laut der im jüngsten Jahresbericht veröffentlichten Mitarbeiterbefragung mässig: Auf einer Skala von 0 bis 100 ergab sich ein Mittelwert von 59,5 Punkten – knapp 4 Punkte weniger als in neun Vergleichsspitälern.