Die Lage von Andreas Fischer, Rektor der Universität Zürich, ist ungemütlich: Der Nationalfonds kritisierte unlängst den Umgang von Universität und Universitätsspital Zürich (USZ) mit einem Personalkonflikt am USZ. Ein Projektleiter sei dort zu Unrecht abgesetzt worden, bestätigte auch das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich. «NZZ am Sonntag» und «Tages-Anzeiger» machten den Fall kürzlich publik. Heute Abend entscheidet nun der Senat der Universität, ob er Fischer zur Wiederwahl nominiert, wenn dessen erste Amtszeit 2012 abläuft.

Private Investoren für Unigebäude?

Fischer gibt sich zuversichtlich: «Ich nehme nicht an, dass der USZ-Fall auf den Senats-Entscheid über meine Wieder-Nominierung Einfluss haben wird.» Es handle es sich um einen Einzelfall, bei dem das USZ mitinvolviert sei. «Daraus Verallgemeinerungen über die Führung der Universität abzuleiten, ist nicht gerechtfertigt», so der Rektor. Er sei im Hinblick auf seine mögliche Wiederwahl von allen Fakultäten ausser der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät zu Anhörungen eingeladen worden. Signale, dass er nicht wieder nominiert werden könnte, habe er dabei keine wahrgenommen.

Bei seinem Amtsantritt 2008 hatte Fischer in einem Interview mit der az Limmattaler Zeitung angekündigt, er wolle die Universität unternehmerischer gestalten und dabei auch Sponsoring fördern. Dies sei gelungen, bilanziert er nun: «Wir konnten die Drittmittel weiter erhöhen.»

Nun wälzt Fischer zusammen mit der Universitätsleitung «erste Ideen», um der Universität mehr Handlungsfreiheit bei Neubauten zu verschaffen. Er denkt dabei an Partnerschaften zwischen privater und öffentlicher Hand. Beispielsweise könnten bei einem Neubau Pensionskassen als Investoren wirken. Die Universität wäre dann langfristige Mieterin. «Aber wie gesagt, das sind erst erste Ideen. Sie würden eine Änderung des Universitätsgesetzes bedingen», so Fischer. Er erinnert daran, dass sich vor rund einem halben Jahr ein privates Bauunternehmen für den Bau einer Herzklinik in Zürich einsetzen wollte. Seither ist es ruhig geworden um diese Pläne.

«Wir wollen keinen Alleingang»

Fischer äusserte sich auch zur laufenden Diskussion über Zulassungsbeschränkungen für ausländische Studierende an Schweizer Hochschulen: «Wir wollen keinen Alleingang», hielt er dazu fest. Und wenn, dann solle eine Zulassungsbeschränkung nicht übers Portemonnaie, sondern über die Qualität der Studierenden erfolgen.

Letzteres gelte auch für die studentische Mobilität innerhalb der Schweiz bei Master-Lehrgängen. Beim Grundstudium (Bachelor) solle aber für Studenten aus der Schweiz die Matur einziges Zulassungskriterium bleiben.

Bei den im Uni-Senat mitbestimmenden Studenten-Vertretern geniesst Fischer mehrheitlich Unterstützung – auch wenn die Meinungen geteilt sind, wie Gwendolyn Marx, Präsidentin des Studentenrats (Stura), sagt. Unmut gebe es in der Theologischen Fakultät, der eine Professur gestrichen werden soll. Für Fischer spreche hingegen, dass er sich in einer Anhörung an einer Stura-Sitzung gegen Zulassungsbeschränkungen an der Universität ausgesprochen habe. «Wir wollen Kontinuität», lautet Marx’ Fazit.

Die überwiegende Mehrheit im Uni-Senat, der heute über Fischers Zukunft entscheidet, sind die Professoren. Nur wenige Fakultäts-Vorstände wollten sich gestern auf Anfrage der az Limmattaler Zeitung äussern.

Christoph Uehlinger, Dekan der Theologischen Fakultät, betonte, bei der Frage der Rektorwahl solle man sein Urteil nicht nur von der Sicht der eigenen Fakultät abhängig machen, sondern das Wohl der gesamten Institution im Blick haben. Bernd Roeck, Dekan der Philosophischen Fakultät, meinte: «Fischer ist ein sehr guter Rektor, seine Amtsführung ist tadellos. Ich bin sicher, dass eine überzeugende Mehrheit des Senats für ihn stimmen wird.»