Zuhälterprozess

Ungarischer Zuhälter soll für elf Jahre hinter Gitter

Bezirksgericht Zürich

Bezirksgericht Zürich

Das Sündenregister des ungarischen Zuhälters ist lang. Menschenhandel, Förderung der Prostitution, aber auch Erpressung, Gefährdung des Lebens und mehrfacher Körperverletzung wirft ihm der Staatsanwalt vor und fordert dafür 11 Jahre Knast.

Der heute 35-jährige Bauarbeiter und Zuhälter der Zürcher Strassenprostitution, wurde im Juni 2010 festgenommen und sitzt seitdem im Gefängnis. Seit Mittwoch muss er sich deswegen vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten.

Laut Anklage handelt es sich bei dem weitgehend nicht geständigen Ungarn um einen grossen Fisch des Zürcher Rotlicht-Milieus. So betrachtete er grössere Abschnitte der Langstrasse oder am Sihlquai als seine persönlichen Reviere.

Frauen bedroht - Schutzgelder erpresst

Der Beschuldigte soll sechs ungarische Frauen in die Schweiz gelockt und hier in die Prostitution gezwungen haben. Bei zwei Frauen schreckte er auch nicht vor roher Gewalt zurück und verprügelte sie beispielsweise mit einer Metallstange, einer Holzlatte oder einem Telefon. In einem Fall würgte er eine Geschädigte so stark, dass er sie laut Anklage in akute Lebensgefahr brachte.

Gemäss Staatsanwaltschaft setzte der Beschuldigte auch Konkurrenten massiv unter Druck. So einen Zuhälter mit dem Spitznamen «Tarzan», der sich anfänglich weigerte, Schutzgelder zu bezahlen. Bis der Chef eines Tages mit zwei Männern persönlich auftauchte, wonach «Tarzan» plötzlich hinkte, an Bauch- sowie Brustscherzen litt und von nun an Gelder bis zu 5000 Franken an seinen Landsmann überwies.

Vor Gericht bezeichnete der Beschuldigte einen Grossteil der Vorwürfe als unwahr. «Die Mädchen wollten sich prostituieren und schlicht Geld verdienen», erklärte er. Die zum Teil happigen Belastungen von diversen Prostituierten stufte er als böswillige Racheakte ein.

So gab er zu, dass er mit mehreren Frauen gleichzeitig verkehrt habe, was zu Eifersüchteleien und bösem Blut geführt habe. Eine der Frauen habe gedroht, sie werde ihn dafür für 20 Jahre ins Gefängnis bringen.

Verteidiger für milde Strafe

Der Verteidiger setzte sich mit zwei Jahren Freiheitsentzug nicht nur für eine erheblich mildere Bestrafung, sondern auch für die sofortige Freilassung seines Klienten ein.

Der Anwalt verneinte einen Menschenhandel, da die Frauen in den meisten Fällen bereits in ihrer Heimat der Prostitution nachgegangen und aus freien Stücken nach Zürich gekommen seien. Bei zwei Frauen räumte der Verteidiger eine Förderung der Prostitution ein, kritisierte aber die Beweislage.

Das Gericht wird das Urteil voraussichtlich am 28. August eröffnen und damit zwei Tage nach der Eröffnung der so genannten Verrichtungs-Boxen in Zürich-Altstetten. Deren Einrichtung ist eine direkte Folge der Auswüchse des Strassenstrichs am Sihlquai.

Meistgesehen

Artboard 1