Schulbeginn

Unfallzahlen im Kanton Zürich schwanken trotz Kampagne

Überall sind derzeit Plakate der TCS-Kampagne zu sehen. So auch an der Dietiker Überlandstrasse.

Überall sind derzeit Plakate der TCS-Kampagne zu sehen. So auch an der Dietiker Überlandstrasse.

Die aktuelle Unfallverhütungs-Kampagne zum Schulbeginn kostete mehr als eine Million Franken. Damit sollen Autofahrer zu besonderer Aufmerksamkeit ermahnt werden. Doch nützt sie überhaupt etwas?

Heute ist es soweit: Rund 25 0000 Kinder begeben sich im Kanton Zürich zum ersten Mal auf den Weg in den Kindergarten oder in die Schule. Der Touring Club Schweiz (TCS), die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) und die Polizei wollen Autofahrer daher mit einer neuen schweizweiten Kampagne zu besonderer Vorsicht gegenüber Schülerinnen und Schülern ermahnen. Die Kosten für die Sensibilisierungsoffensive überschritten heuer erstmals die Millionengrenze, wie Helmut Gierer vom TCS auf Anfrage bestätigt. Ihre frühere Kampagne werten die Initianten als Erfolg. Das erstaunt.

Die rund 1 050 000 Franken, welche für die aktuelle Schulbeginn-Kampagne ausgegeben wurden, stammen aus dem Fonds für Verkehrssicherheit (FVS). Dieser wird mit Beiträgen gespeist, die jeder Motorfahrzeughalter mit seiner Haftpflichtversicherungsprämie bezahlt. Insgesamt seien vom FVS damit rund 300 000 Franken mehr bereitgestellt worden als jeweils in den sechs Jahren zuvor, sagt Gierer.

Die Unfallzahlen schwanken

TCS, BfU und die Polizei ziehen aus der vorangehenden Kampagne der Jahre 2012 bis 2014 laut Medienmitteilung eine «rundum positive» Bilanz. Auf den ersten Blick ist dies kaum verständlich: Die Statistik der Kantonspolizei Zürich zeigt nämlich, dass die Zahl der Unfälle mit Kindern auf dem Schulweg nach 2011 zwar rückläufig war. 2014 stieg sie gegenüber dem Vorjahr aber wieder um 7,1 Prozent an (siehe Grafik). Und gemäss Zahlen des Bundesamts für Strassen (Astra) gab es 2014 schweizweit auf dem Schulweg 54 Unfälle weniger als noch 2011 (insgesamt 386) – doch waren das noch immer 49 mehr als 2009.

Doch zum einen ist die Anzahl der Unfälle – verhältnismässig – klein und ihre statistische Aussagekraft damit gering. Zum andern können die Schwankungen kaum auf die Sensibilisierungskampagnen zurückgeführt werden. Gierer sagt: «Verschiedene Faktoren wie etwa neue Tempo-30-Zonen wirken sich sehr stark auf die Häufigkeit der Unfälle aus.» Der Erfolg der Unfallprävention sei statistisch daher kaum messbar.

Wie begründen TCS, BfU und die Polizeien dann ihr positives Urteil über ihre Kampagne? Man habe die letzte Offensive, die Autolenker mithilfe von Playmobil-Figuren anzusprechen versuchte, in Umfragen mit Eltern sowie Schülern und an sogenannten Fokus-Gruppen getestet, sagt Gierer. Dabei zeigte sich, dass Erwachsene verstanden, dass die Plakate und TV-Spots mit den Plastik-Figuren in erster Linie an sie gerichtet waren. «Und aufgrund der eigenen Erinnerungen an die Spielzeuge konnotierten sie die Kampagne positiv», so der TCS-Sprecher. Schliesslich stellte sich auch heraus, dass über 80 Prozent der Befragten die Botschaft der Sensibilisierungs-Offensive verstanden hatten.

Unter dem Titel «Rad steht, Kind geht» versuchen der Touring Club und seine Partner den Lenkern zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, ganz anzuhalten und nicht nur langsamer zu fahren, wenn Kinder einen Fussgängerstreifen betreten wollen. Notwendig sei es, so die Stadtpolizei Zürich, weil die Kinder die Geschwindigkeit von Fahrzeugen und die Distanz nicht abschätzen könnten. Die aktuelle Kampagne zielt im Grunde also auf dieselben Verhaltensregeln, wie die vorangehende mit dem Slogan «Halt, bevor’s knallt».

TCS Kampagne-Spot: Schulweg – Rad steht, Kind geht

TCS Kampagne-Spot: Schulweg – Rad steht, Kind geht

Polizei besprayt ihre Reifen

Um die Botschaften noch besser bekannt zu machen, werden dieses Jahr im ganzen Kanton Zürich die Räder mehrerer Polizeifahrzeuge mit der Aufschrift «Rad steht, Kind geht» besprayt. Ausserdem finden heute auf dem ganzen Kantonsgebiet Aktionen der Polizei in Zusammenarbeit mit den Schulen statt. Schülerinnen und Schüler gehen an verschiedenen Orten direkt auf die Autofahrer zu und schreiben, wenn diese dem zustimmen, mit Kreide den Slogan auf die Reifen der Autos.

Zusätzlich zur gemeinsamen Kampagne mit Bund und Polizei verteilte der TCS heuer bereits zum dritten Mal in Folge 80 000 leuchtgelbe Sicherheitswesten an Schweizer Schulen. «Wir hatten festgestellt, dass diese Westen die Sichtbarkeit der Kinder stark erhöhen und sie von den Schülern auch gut aufgenommen wurden», begründet Gierer die Zusatzmassnahme. Die rund 350 000 Franken für die Leuchtüberzüge bezahlte der TCS im Gegensatz zum Rest der Kampagne aus der eigenen Tasche.

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