Der Prozess gegen einen Schiffsführer und einen Matrosen hat am Freitag vor dem Bezirksgericht Zürich mit zwei Freisprüchen geendet. Der Einzelrichter folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die beiden Männer hatten 2008 mit einem Limmatschiff eine Schwimmerin schwer verletzt.

Der heute 46-jährige Schiffsführer und der 30-jährige Matrose erhalten eine Genugtuung von je 800 Franken aus der Gerichtskasse. Dazu kommen Parteientschädigungen von rund 25'300 für den Schiffsführer und rund 28'500 Franken für den Matrosen.

Passiert ist der Unfall am 15. Juli 2008 beim Steg des Hafens Zürich-Enge. An jenem Abend fuhr das Limmatschiff "Regula" rückwärts vom Anlegesteg weg. Der Schiffsführer und der Matrose bemerkten dabei nicht, dass sich hinter dem Schiff eine Schwimmerin befand. Die Frau geriet in die Schiffsschraube und wurde schwer verletzt.

Mehr als fünf Jahre nach dem Vorfall mussten sich die beiden Männer wegen fahrlässige Körperverletzung vor Gericht verantworten. Ein erstes Verfahren hatte die Staatsanwaltschaft eingestellt.

Auf Weisung des Obergerichtes musste es aber erneut aufgerollt werden. An der Prozesseröffnung vom Montag hatte die Staatsanwältin für beide Beschuldigte Freisprüche gefordert.

Verkettung spezieller Umstände

Anlässlich der Urteilseröffnung vom Freitag bezeichnete der zuständige Einzelrichter den Unfall als Verkettung spezieller Umstände. Es sei nicht erwiesen, dass die beiden Angeklagten ihre Sorgfaltspflicht verletzt haben. So sei davon auszugehen, dass der Matrose, der das Schiff in jenem Moment steuerte, bloss fünf bis zehn Meter zurückgefahren sei.

Das Gericht stützte sich dabei auf die Aussagen eines Ehepaars, das vom nahen Seerestaurant den Unfall beobachtet hatte. Die Kollisionsstelle, welche die Ehefrau auf einer Skizze angab, stimmte laut Gericht bis auf den Meter genau mit den Aussagen des Matrosen überein.

Der Schiffsführer habe vor der Abfahrt einen Rundumblick durchgeführt, sagte der Einzelrichter weiter. Dabei sei nicht auszuschliessen, dass er durch Spiegelung und Blenden des Wassers beeinträchtigt worden sei.

Entscheidend sei aber, dass der tote Winkel hinter dem Schiff mit 14 Metern sehr gross sei. Es sei nicht unmöglich, dass die Schwimmerin sich genau darin befunden habe.

Wenig hilfreich war laut Richter die Heckkamera des Schiffes. Der Schiffsführer selbst habe während des Unfallzeitpunktes nicht bewusst auf den Monitor geblickt. Ein Grund dafür war einerseits die schlechte Bildqualität, zum anderen war der Monitor seitlich angebracht. Nach dem Unfall wurde dies korrigiert.