Fällanden
«Unfähig»: Darum muss die Pfarrerin gehen

Der Kirchenrat hat die Fällander Pfarrerin Malinee Müller des Amtes enthoben. Damit endet ein jahrelanger Disput in der Kirche.

Kevin Weber
Merken
Drucken
Teilen
Nach jahrelangem Streit soll die Kirchgemeinde Fällanden neu beginnen.

Nach jahrelangem Streit soll die Kirchgemeinde Fällanden neu beginnen.

Der Pfarrerinnenstreit in der reformierten Kirche Fällanden ist zu einem vorläufigen Ende gekommen: Der Kirchenrat hat die umstrittene Pfarrerin Malinee Müller aus dem Pfarramt in der Kirchgemeinde Fällanden abberufen. In seiner abschliessenden Beurteilung sei der Kirchenrat zum Schluss gelangt, «dass die Pfarrerin sich aufgrund ihres Verhaltens insbesondere in den Bereichen Zusammenarbeit und Kommunikation zur Führung eines Pfarramts als unfähig und unwürdig erwiesen hat». Dies schreibt die Landeskirche des Kantons Zürich in einer Mitteilung. Der Kirchgemeinde und der Kirchenpflege sei eine weitere Zusammenarbeit mit Pfarrerin Malinee Müller deshalb nicht zumutbar. «Die dafür erforderliche Vertrauensgrundlage ist nicht mehr vorhanden.»

Gemäss Nicolas Mori, Leiter Kommunikation bei der Landeskirche, führten mehrere Befunde zu diesem Ergebnis. «Die Pfarrerin weigerte sich beispielsweise, die Arbeitszeit zu erfassen, und zog es vor, zu prozessieren, statt das Gespräch zu suchen.» Ein solches Verhalten verstosse gegen das Amtsgelübde und sei einer Zusammenarbeit nicht förderlich.

«Ein derart massives Zerwürfnis ist beispiellos»

Der Kirchenstreit in Fällanden eskalierte vor vier Jahren. Damals reichte Pfarrerin Malinee Müller, aufgrund von anonymen Zusendungen, gegen ihre Pfarrkollegin und gegen den Kirchenpflegepräsidenten Huldrych Thomann (SVP) Strafanzeige ein. Unter anderem wegen Amtsmissbrauch. Der Kirchenrat richtete in der Folge ein externes Coaching ein. Aufgrund der Konfliktsituation zeichnete sich eine Spaltung der Gemeinde ab. In der Folge eröffnete der Kirchenrat mehrere Administrativverfahren gegen die Pfarrerin sowie zwei Kirchenpflegemitglieder. Nicolas Mori bezeichnet den Kirchenstreit in Fällanden als keinen «alltäglichen Fall». Konflikte gäbe es in Kirchgemeinden zwar immer wieder. Doch: «Ein derart massives Zerwürfnis wie in Fällanden ist beispiellos. Eine Abberufung einer Pfarrperson kommt vielleicht alle zehn Jahre höchstens eins bis zwei Mal vor.»

Das vorläufige Ende des Streites sorgt bei der Landeskirche für Erleichterung. «Der Fall war aufwendig und hat uns sehr beschäftigt», sagt Mori. Für die Kirchgemeinde Fällanden, deren Kirchenleben gelitten habe, sei das Ende von Vorteil. «Jetzt ist die Situation für alle klar. Die Gemeinde kann nun nach vorne blicken, und es können neue Pfarrpersonen gewählt werden.» Der Fällander Kirchenpflegepräsident Huldrych Thomann (SVP) wollte sich zur Sache nicht äussern. Das Verfahren gegen Malinee Müller war das letzte noch hängige Administrativverfahren. Im Oktober des vergangenen Jahres wurden die Verfahren gegen den wiedergewählten Kirchenpflegepräsidenten Thomann sowie ein weiteres, inzwischen aus der Kirchenpflege ausgeschiedenes, Kirchenpflegemitglied eingestellt. Der Kirchenrat, die Exekutive der Landeskirche, empfahl der Fällander Kirchenpflege damals, sich von externen Fachpersonen beraten zu lassen. Gleichzeitig wies er die Bezirkspflege Uster an, die Kirchgemeinde Fällanden eng zu begleiten. In der Zwischenzeit habe sich die Lage gemäss Mori beruhigt. «Einem Neubeginn steht somit nichts mehr im Weg.» Pfarrerin Malinee Müller war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der Fällander Kirchenstreit: Wie alles begann

Begonnen hatte alles Anfang 2016. Damals wollte Malinee Müller, eine der beiden Pfarrerinnen, die Arbeitszeit nicht erfassen, obwohl die Kirchenpflege sie dazu aufgefordert hatte. So schrieb es jedenfalls der damalige Kirchenpflegepräsident Huldrych Thomann im monatlichen Kirchenblatt und machte den Umstand damit öffentlich. Brisant daran war, dass der Präsident dies kurz vor der Wiederwahl tat und damit Müllers Bestätigung an der Urne gefährdete.

Pfarrerin Müller hatte sich daraufhin beim Bezirksrat über Kirchenpflegepräsident Thomann beschwert. Nachdem die Wähler sie aber im Amt bestätigt hatten, zog sie ihre Beschwerde zurück. Im Juli 2016 erhielt Müller dann anonyme Drohbriefe sowie ein Paket. Darin war ein Kettengürtel mit der schriftlichen Aufforderung: «Gehen Sie doch!» Pfarrerin Müller fühlte sich bedroht und nahm sich eine Anwältin, die Anzeige erstattete. Für die Opfervertreterin deuteten schliesslich alle Hinweise auf die Pfarrkollegin von Müller.

In der Folge wurde die Kollegin wegen Drohung, versuchter Nötigung, Beschimpfung und übler Nachrede angezeigt. Das Strafverfahren gegen die Kollegin wurde im November 2016 mangels Beweisen aber wieder eingestellt. Die angezeigte Pfarrerin kehrte jedoch nicht mehr in ihr Amt zurück und verliess die Kirchgemeinde.

Zur gleichen Zeit eröffnete der Kirchenrat ein Administrativverfahren gegen Pfarrerin Malinee Müller, und auch die Rolle des Kirchenpräsidenten Huldrych Thomann wurde dabei untersucht. Im Januar 2017 beschloss der Kirchenrat, Müller «im Sinne einer vorsorglichen Massnahme vom Amt zu entheben».

Im Sommer 2018 beauftragte der Kirchenrat dann eine Rechtsanwältin für die Administrativuntersuchung. Es folgten ein erster Untersuchungsbericht sowie weitere Gespräche mit der Pfarrerin. Diese haben ebenfalls zu keiner einvernehmlichen Lösung geführt. Zu diesem Zeitpunkt waren auch die verschiedenen von Pfarrerin Müller eingeleiteten Strafverfahren eingestellt worden.

m Juni legte die beauftragte Rechtsanwältin ihren Schlussbericht vor. Dieser bildet zusammen mit umfangreichen Befragungsprotokollen die wesentliche Grundlage für den Abberufungsbeschluss des Kirchenrates, so die Landeskirche. (kev)