Bezirksgericht Zürich
Unehrliche Makler prellen Versicherungen

Ein Serbe aus Schlieren und zwei aus Bosnien stammende Schweizer haben mit Schwindelverträgen mehrere Versicherungen um über 1,5 Millionen Franken geprellt. Nun sollen sie Freiheitsstrafen von bis zu über drei Jahren kassieren.

Attila Szenogrady
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Die drei seriös auftretenden Männer vermittelten den geschädigten Versicherungen neue Kunden und kassierten dafür regelmässig ansehnliche Provisionen (Symbolbild).

Die drei seriös auftretenden Männer vermittelten den geschädigten Versicherungen neue Kunden und kassierten dafür regelmässig ansehnliche Provisionen (Symbolbild).

Keystone

Es war ausgerechnet der mutmassliche Bandenchef, der diese Woche vor dem Bezirksgericht Zürich alle Vorwürfe in Abrede stellte. Der vorbestrafte Serbe aus Schlieren sitzt bereits seit Oktober 2012 im Gefängnis und wurde auch vor Gericht von zwei Schweizer Mitbeschuldigten bosnischer Herkunft massiv belastet. So sollen sich der heute 33-jährige Limmattaler sowie seine Komplizen zwischen Juli 2007 und September 2009 als unehrliche Versicherungsmakler betätigt haben. Zulasten von sechs grösseren, im Kanton Zürich ansässigen Versicherungsgesellschaften wie PAX, Generali oder Aspecta.

Provisionen in Millionenhöhe

Der Dreh des Trios war einfach, aber wirkungsvoll. So vermittelten die drei seriös auftretenden Männer den geschädigten Versicherungen neue Kunden und kassierten dafür regelmässig ansehnliche Provisionen. Laut Staatsanwalt Markus Hug konnten die «fleissigen» Beschuldigten rund 500 Verträge abschliessen und dafür rund 1,55 Millionen Franken einkassieren. Die Täterschaft operierte dabei einerseits mit Pseudo-Kunden, die zwar die Verträge unterschrieben, danach aber nach ersten Zahlungen kein Geld mehr überwiesen. Andererseits unterschrieben die Beschuldigten im Namen von Kunden, die es gar nicht gab. Als die Bande Ende 2010 aufflog, war es in finanzieller Hinsicht längst zu spät. So hatten die Händler die ansehnliche Beute im Casino oder bei Sportwetten längst verjubelt.

Die zwei Schweizer im Alter von 29 Jahren und 27 Jahren zeigten sich vor Gericht geständig und machten Geldschulden als Tatmotiv geltend. Der inhaftierte Limmattaler erklärte dagegen erneut, dass er mit der ganzen Sache nur am Rande in Berührung gekommen sei. Er habe auch nicht realisiert, dass es um Betrügereien gegangen sei. Obwohl er schon in der Untersuchung von vielen Personen belastet worden war.

Staatsanwalt Hug forderte für den Limmattaler Hauptbeschuldigten eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Als Zusatzstrafe zu einem Urteil des Bezirksgericht Dietikon, welches den Schlieremer bereits im Herbst 2011 nach einem Rammbock-Einbruch mit einer Freiheitsstrafe von über drei Jahren belegt hatte.

Für die geständigen Beschuldigten verlangte Hug eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren sowie eine teilbedingte Strafe von drei Jahren. Davon ein Jahr unbedingt. Die Verteidiger setzten sich für erheblich mildere Strafen oder Freisprüche ein. Der Anwalt des Limmattalers verlangte zudem eine Einholung eines psychiatrischen Gutachtens, das den seelischen Zustand seines Klienten durchleuchten soll. So muss dieser hinter Gittern regelmässig Medikamente gegen seine Depressionen einnehmen. Das Gericht kam wegen der möglichen Bestellung eines amtlichen Psychiaters noch zu keinem Urteil. Der Entscheid wird den Parteien in den nächsten Wochen schriftlich zugestellt.