Zürcher Oktoberfest
Und das Bier kommt aus dem Aargau

Das gestern auf dem Bauschänzli eröffnete 15. Zürcher Oktoberfest gibt sich authentisch. Die Kellnerinnen sind von der Münchener Wies'n importiert, die Blaskapelle auch. Auf der Speisekarte stehen bayerische Spezialitäten.

Matthias Scharrer
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Fred Tschanz

Fred Tschanz

Limmattaler Zeitung

Ein Beizenkönig hält Hof: Fred Tschanz lässt es sich nicht nehmen, sämtliche Gäste zur gestrigen Eröffnung des 15. Zürcher Oktoberfests per Handschlag zu begrüssen. Der 81-Jährige thront in Lederhosen und Sepperl-Hut auf einem mit künstlichen Tannenzweigen und Sonnenblumen geschmückten Bürostuhl im Eingangsbereich zum Festzelt auf dem Bauschänzli - mit Hündchen Ella auf dem Schoss. Längere Zeit zu stehen, fällt ihm schwer.

Es gibt inzwischen viele Oktoberfest-Kopien in der Schweiz. Doch Tschanz war der erste, der den nun 200-jährigen Münchener Traditionsanlass nach Helvetien exportierte. «Ich hatte ein mulmiges Gefühl und schlaflose Nächte», erinnert er sich an den Start vor 15 Jahren. «Doch die Präsenz von Ihnen, liebe Gäste, beweist, dass mein Mut Früchte getragen hat», ruft er per Mikrofon ins Bierzelt. Kurz nach 11Uhr ist es bis auf den letzten Platz gefüllt.

Masskrug-Prominenz

Illustre Gäste sind gekommen: Regierungsrat Markus Kägi ist da, Big-Band-Legende Pepe Lienhard, Ex-Profi-Boxer Stefan Angehrn - und auch Volksschulamts-Chef Martin Wendelspiess gesellt sich zur Masskrug-Prominenz. Der Gerstensaft fliesst längst in Strömen, als Zürichs Statthalter Hartmuth Attenhofer, der auch Generalsekretär der Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt ist, schliesslich mit zaghaften Holzhammer-Schlägen das obligate Fass ansticht.

Tschanz stemmt seinen Masskrug in die Luft und prostet den Gästen zu: «Hopfen und Malz, Gott erhalts.» Früher gehörten Tschanz ein Dutzend Restaurants, Cafés und Hotels mit einem Gesamtumsatz von 30 Millionen Franken. Heute umfasst sein Gastro-Imperium noch fünf Betriebe: Das Café Odeon, das Walhalla, das Leoneck, das erst letztes Jahr im Kreis 4 eröffnete Le Chef - und eben das Bauschänzli. Bis 6. November ist die kleine Insel in der Limmat nun in bayerisches Weiss-Blau gekleidet.

Überhaupt gibt sich das älteste Zürcher Oktoberfest so authentisch wie möglich: Die drallen Kellnerinnen sind ebenso von der Münchener Wies'n importiert wie die Blaskapelle auf der Bühne. Auf der Speisekarte stehen bayerische Spezialitäten wie Leberknödelsuppe, Schweinshaxen und O'batzter (für Nicht-Bajuwaren: eine pikant gewürzte Käsecréme). Zudem liess Tschanz eigens fürs Bauschänzli nach Originalrezept ein Oktoberfestbier brauen, «ein Bier wie Bayern». Es stammt allerdings nicht von dort, sondern aus dem Aargau. Feldschlösschen habe es gebraut, lässt Tschanz sich entlocken.