Für faule Spaziergänger

Ob es ihm beim Spazieren auf dem Bachtel in den Sinn kam, ist nicht überliefert. Doch Werner Oberholzer aus Wernetshausen bei Hinwil hatte die Anstrengung beim mühsamen Aufwärtsgehen offenbar satt. 1932 reichte er beim eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum nämlich ein Patent für eine «Einrichtung zum leichten Begehen ansteigender Strassen» ein. Diese nach vorne an Dicke abnehmende und unter einem Schuh zu tragende Schicht weist zwischen Sohle und Absatz eine Sprungfeder mit einem «Füsschen mit gewölbter, belegter Lauffläche» auf. Dieses kann in die Lücke eingeschoben werden. Sobald der Träger oder die Trägerin das Körpergewicht auf den Fussballen verlegt, wird laut dem Erfinder die Feder gespannt und wirkt «bei ihrer Entspannung anhebend auf den Fuss». Ob die Gehhilfe jemals produziert wurde, entzieht sich unseren Kenntnissen.

Wenn der Schnee nicht reicht

Wer kennt das nicht: Auf einer längeren Schlittelfahrt stösst man plötzlich auf eine Strasse, welche die Piste quert. Wenn diese nun schwarzgeräumt ist, oder der Schneefall gar nicht erst ausreichte, um sie zu bedecken, muss der Schlitten zu Fuss auf die andere Seite getragen werden. Schwieriger ist dies, wenn der Schlitten so schwer ist, dass er kaum angehoben werden kann. Eine Lösung fand Rudolf Bopp aus Rüschlikon im Jahre 1906. Sein «als Wagen benutzbarer Schlitten» weist gemäss Patent zwischen den Kufen liegende Räder auf, «welche durch ein Gestänge so verstellt werden können, dass sie nach unten über die Kufen hinausragen, zum Zweck, den Schlitten zeitweise als Wagen benutzen zu können».

Schnarchern das Maul gestopft

Wer regelmässig das Bett mit einer schnarchenden Person teilt, weiss, wie schlafraubend das nächtliche Gesäge sein kann. Der Küsnachter Henry Zürcher entwickelte deshalb sein «Gerät zur Verhinderung des Schnarchens und Blasens beim Schlafen» (1959), mit dem er die «eigentliche Ursache» des Schnarchens – verstopfte Atemwege und gereizte Schleimhäute – bekämpfen wollte. Das «Gerät» besteht aus einem hohlkugelförmigen Behälter, in den ein in ätherischem Öl getränkter Wattebausch gesteckt wird. Über den Hals des Hohlkörpers wird ein Mundstück aus Gummi mit einer Öffnung gestülpt, der schliesslich gänzlich im Mund des schnarchenden Schläfers verschwinden soll, um der Mundhöhle, Luftröhre und Nase «sukzessive» ätherische Dämpfe zuzuführen. Die Gummikugel in der Mundhöhle zu tragen allein, dürfte für den Schnarchenden nicht eben angenehm gewesen sein. Doch damit nicht genug: Zürchers Erfindung sieht auch eine sogenannte «Sicherungsplatte» vor, die, zwischen Wattebehältnis und Mundstück angebracht, verhindern soll, «dass der das Mundstück im Munde haltende Schläfer das Gerät verschlucken kann».

Wer schön sein will, muss leiden

Vor allem Frauen kniffen sich früher in die Wangen, um vorübergehend eine gesunde Farbe im Gesicht zu haben. Und dies teilweise auch noch nach dem Aufkommen des kosmetischen Rouges. Daher scheint es zumindest fraglich, ob die Erfindung des Volketswiler Kraftnahrungsmittelherstellers Fofag wirklich in erster Linie auf einen gesundheitsfördernden Effekt abzielte, wie dies das Patentgesuch für sein «Kosmetisches Instrument» aus dem Jahre 1942 suggeriert. Fest steht, dass seine Anwendung schmerzhaft gewesen sein muss: Die mit einem Stahldraht und einem Griff versehene Platte aus Horn, Harz oder Glas sei «bestimmt, zum Klopfen der Haut, insbesondere der Gesichtshaut, zu dienen, um die Blutzirkulation anzuregen», heisst es im Patent. Vertiefungen in der Platte sollten ausserdem «eine saugende Wirkung auf die Haut ausüben, um aufgetragene Creme zweckmässig zu verteilen und einzuarbeiten». Aua.

Der Krieg inspiriert

Der Zeitpunkt der folgenden Patentanmeldung ist wohl kein Zufall. Der Zürcher Ingenieur Erich Bickel reichte nämlich 1937, kurz nachdem Adolf Hitler mit der Aufrüstung der Wehrmacht begonnen und mit der Besetzung des Rheinlands den Versailler Vertrag gebrochen hatte, eine «Luftmine zur Abwehr von Luftfahrzeugen» ein (siehe Hauptbild). Diese besteht aus einem Sprengkörper, der an einem «biegsamen Zugorgan» an einem Fallschirm «mit einer gewissen Sinkgeschwindigkeit» in der Luft schwebt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein feindliches Flugzeug mit der Mine direkt zusammenstossen und sie so zur Detonation bringen würde, hielt der Erfinder für gering. «Viel Grösser ist dagegen die Wahrscheinlichkeit, dass das Luftfahrzeug den langen Verbindungsdraht an irgendeiner Stelle berührt.» Nach dem Prinzip von Bickels Mine würde der Feind Fallschirm und Sprengkörper mit dem Flugzeug mitschleppen. Aufgrund des grösseren Luftwiderstands des Schirms würde dabei eine Zugkraft entstehen, welche die Mine zum Flugzeug zöge, bis sie darauf aufschlüge und mittels Explosion zerstörte. Was jedoch passieren würde, falls sie zur Erde sänke, ohne dass der Feind sie auslöste, ist dem Patentgesuch nicht zu entnehmen. Vielleicht auch deshalb finden sich im Internet keine Hinweise darauf, dass solche Bickelschen Flugzeug-Minen je zum Einsatz gekommen wären.

Weil der Mensch kein Fisch ist

Dass der menschliche Körper nicht eben ideal ist, um sich im Wasser fortbewegen zu können, stört Erfinder offenbar schon seit langer Zeit. In den Zürcher Patenten sind zumindest mehrere «Schwimmapparate» zu finden, mit denen sie dieses Manko auszugleichen versuchten. Ein formschöner, wenn auch wohl unbrauchbarer Entwurf gelang 1919 dem Zürcher Alfred Weidmann. Sein «Schwimmapparat» besteht aus einer Längsstange, an der ein «schwimmfähiges Tragstück» und ein «schwimmfähiges Lenkteil» befestigt werden. Letzteres ist in der Länge verstell- und schwenkbar. Angetrieben wird Weidmanns Schwimmapparat über Tretkurbeln und einen zweiflügligen Propeller, «am besten aus Aluminium». Zum Schutz gegen Verletzungen kann das Übersetzungsgetriebe zwischen Tretkurbel und Propeller auch «mit einem (nicht gezeichneten) Schutzgehäuse umgeben sein».

Menstruation als Geschäft

Dass sich mit dem Zyklus der Frauen Geld verdienen lässt, merkten auch Zürcher Erfinder. Das älteste diesbezügliche Patent im Staatsarchiv geht auf H. Brupbacher & Sohn zurück und stammt aus dem Jahr 1893. Ihre Erfindung bestand aus «einem Stück Zeug in Langformat», das nach der patentierten Anleitung zu einer 18-lagigen «Monatsbinde» gefaltet wurde.

Diese Innovation entwickelten andere Zürcherinnen und Zürcher im Laufe der Zeit immer weiter. 1966 reichte auch die Stadtzürcherin Flora Parravicini ein Patent für eine «Wegwerf-Unterhose» aus Faservlies ein. In deren Schritt ist eine für Feuchtigkeit undurchlässige Kunststofffolie angebracht, in welche «erforderlichenfalls eine hygienische Binde oder ein Wattestück oder dergleichen» eingelegt werden kann. Gemäss der Erfinderin wird die Hose «nach Gebrauch einfach weggeworfen und durch eine neue ersetzt».

Mobile Kegler und Tennismuffel

Spielen fördert die innovative Leistung, das zeigt heutzutage Google mit seinen spielplatzähnlichen Büros. Dass auch viele Patente im Staatsarchiv Spiele oder spielerische Sportarten betreffen, erstaunt daher nicht. So meldete etwa Georg Diem aus Adliswil schon 1896 ein Patent für eine «Transportable Kegelbahn» samt Kugelfang und zerlegbarer Bahn an, die zwecks Niveauausgleich auf verstellbaren Füssen stand. Die Kegelbahn könne so leicht transportiert und auch in Räumen aufgestellt werden, welche «für gewöhnlich anderen Zwecken dienen, wie z. B. Saalräumen (Tanzsälen etc.)».

Offensichtlich kein Freund von Tennis war Alfred Knöpfli aus Hombrechtikon. Er reichte 1909 ein Patent für ein «Spielzeug für ein das Tennisspiel ersetzendes Spiel» ein. Dieses sollte den spielenden Personen «neben der Anregung eine Stärkung der Muskeln» gestatten. Für Knöpflis Spiel braucht es zwei Spieler mit je einer an ein Rüstbrett erinnernden «Wurfschaufel», einen länglichen, an beiden Enden zugespitzten Wurfbolzen aus Holz und ein nicht weiter definiertes «Ziel». Die Idee ist es, dass Spieler 1 Spieler 2 den Bolzen mit dem Schläger «zuwirft», worauf ihn dieser mit einer Direktabnahme ins «Ziel» zu befördern versucht. Lässt er den Bolzen zu Boden fallen, so muss er mit der Schmalseite der Wurfschaufel so auf dessen zugespitzte Seite schlagen, dass dieser «in die Höhe springt» und direkt dem Mitspieler «zugeworfen» werden kann. Damit erhält dieser die Chance, den Bolzen ins Ziel zu schmettern. Woran es lag, dass es Knöpfli nicht schaffte, die Randsportart mit seinem Spiel Tennis zu verdrängen, ist nicht überliefert.

Bilder: Zur Verfügung gestellt