Zürichsee
Umstrittener Schiffszuschlag: Trotz Passagier-Rückgang bleiben 2,4 Millionen Mehreinnahmen

Die Kritik am Zürcher Schiffszuschlag ist gross - noch immer wird dessen Abschaffung gefordert. Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) spricht jedoch von einer "erfolgreichen Massnahme": Trotz einem Drittel weniger Passagiere konnten Netto-Mehreinnahmen von 2,4 Millionen Franken generiert werden.

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Wegen der rückläufigen Passagierzahlen ist der Schiffs-Fünfliber umstritten. (Symbolbild)

Wegen der rückläufigen Passagierzahlen ist der Schiffs-Fünfliber umstritten. (Symbolbild)

KEYSTONE

Die Kursschiffe der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) sind in den ZVV und dessen Tarifsystem integriert. Dieses System sei auf den Pendler-, nicht den Freizeitverkehr ausgerichtet, sagte ZVV-Direktor Franz Kagerbauer am Dienstag vor den Medien. Die Folge: "Der Zürichsee ist der günstigste See im ganzen Land."

Dies drückt auf die Wirtschaftlichkeit - die ZSG fährt ein Defizit von 12 Millionen Franken ein. Im Rahmen des kantonalen Sparprogrammes Lü16 wurde deshalb der Schiffszuschlag eingeführt. Wer auf einem ZSG-Kursschiff mitfährt, muss seit Dezember 2016 - zusätzlich zum ordentlichen ZVV-Ticket - einen Zuschlag von fünf Franken lösen. Erwartet wurden Netto-Mehreinnahmen von 3 Millionen.

Dieser Schiffs-Fünfliber führte aber auch zu einem markanten Passagierrückgang: Statt 1,6 Millionen Fahrgäste wie im langjährigen Durchschnitt stiegen 2017 nur noch 1,1 Millionen zu, ein Minus von über 30 Prozent. Der Zuschlag wurde deshalb heftig kritisiert - Politiker aus der Region sprachen von einem "Rohrkrepierer".

Fünfliber verbessert Wirtschaftlichkeit

Der ZVV und die Zürcher Volkswirtschaftsdirektion stuften den Zuschlag in ihrer ersten Zwischenbilanz vom Dienstag indessen als Erfolg ein. Letztlich sei es darum gegangen, mehr Geld in die Kasse zu holen, sagte Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP).

Der - erwartete - Passagierrückgang führte zwar zu Mindereinnahmen bei den ordentlichen ZVV-Einzelbilletten in Höhe von 0,6 Millionen Franken. Demgegenüber stehen aber neue Einnahmen von über 3,5 Millionen durch die verkauften 600'000 Einzelzuschläge sowie 530 Jahres- und über 1300 Monatszuschlags-Abonnemente.

Da durch das aufwändige Einkassieren des zusätzlichen Fünflibers der Personalaufwand anstieg und zudem eine Bundessubvention wegfiel, verbleiben unter dem Strich Mehreinnahmen von 2,4 Millionen Franken. Die Wirtschaftlichkeit sei deutlich verbessert worden, bilanzierte Kagerbauer. Der Kostendeckungsgrad habe sich um zehn Prozentpunkte verbessert und strebe nun gegen 50 Prozent.

Damit sei das angestrebte Ziel noch nicht ganz erreicht worden, schreibt der ZVV in einer Mitteilung. Er und die Volkswirtschaftsdirektion gehen aber "aufgrund der positiven Erstjahreszahlen davon aus, dass sich das finanzielle Ergebnis aus dem Schiffszuschlag in den nächsten Jahren weiter verbessern wird".

Gastrobetrieb unterschätzte Rückgang

Der Passagierrückgang wirkte sich auch auf die Schiffsgastronomie aus, welche die ZSG an ein privates Unternehmen verpachtet hat. Der Umsatzrückgang betrug 14,5 Prozent, rund zehn Mitarbeiter mussten im vergangenen Sommer entlassen werden.

Laut einem externen Bericht habe der Gastrobetrieb die Auswirkungen "des prognostizierten Gästefrequenzrückgangs anders eingeschätzt, als diese tatsächlich eingetroffen sind". Diese optimistische Einschätzung habe dazu geführt, dass sich der Betrieb und die ZSG "ungenügend vorbereiteten".

Für die nächste Saison wird laut ZSG-Direktor Roman Knecht nun das Geschäftsmodell angepasst. So wird die Menukarte gestrafft, zudem soll teilweise auf Selbstbedienung umgestellt werden.

Politische Vorstösse

Der Schiffs-Fünfliber beschäftigte die Politik intensiv - es gab dazu mehrere Vorstösse in den Kantonen Zürich und St. Gallen.

Im Zürcher Kantonsrat wurde erst im vergangenen November ein dringliches Postulat mit 91 zu 74 Stimmen nur knapp abgelehnt, welches die sofortige Abschaffung des Zuschlags gefordert hatte. Mehrere Politiker aus der Züricher Seeregion prüfen derzeit, ob sie weiter gegen den Zuschlag vorgehen wollen.