Zürcher Reformierte
Umstrittene Immobilienpolitik: Kirche soll Liegenschaften nicht zu Marktpreisen vermieten dürfen

In Zürich regt sich Widerstand gegen das "Leitbild Immobilien" der Zentralkirchenpflege. Anstatt zu Marktpreisen sollen die Liegenschaften der Zürcher Reformierten kostendeckend vermietet werden. Dies verlangt eine Petition des Aussersihler Kirchenpflegepräsidenten Hannes Lindenmeyer.

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In der St. Jakobskirche am Stauffacher fand in der vergangenen Woche eine Podiumsdiskussion zum Thema statt. Nicht nur in Kirchenkreisen stiess das Leitbild auf Unverständnis, auch Vertreter aus Politik und Bevölkerung äusserten sich kritisch. (Archiv)

In der St. Jakobskirche am Stauffacher fand in der vergangenen Woche eine Podiumsdiskussion zum Thema statt. Nicht nur in Kirchenkreisen stiess das Leitbild auf Unverständnis, auch Vertreter aus Politik und Bevölkerung äusserten sich kritisch. (Archiv)

Newspictures

Bereits im Frühling 2016 verabschiedete die Zentralkirchenpflege das "Leitbild Immobilien". Dabei handelt es sich um eine Regelung, wie die 200 Immobilien der Zürcher Reformierten in Zukunft vermietet werden sollen. Dazu wird zwischen Betriebs- und Anlageimmobilien unterschieden. Erstere braucht die Kirche noch für ihren Betrieb. Letztere sollen hingegen zur Marktmiete an Dritte vermietet werden.

Dagegen regt sich nun Widerstand, wie der "Tages-Anzeiger" berichtet. Hannes Lindenmeyer sagt gegenüber der Zeitung: "Es ist sinnvoll, dass die Kirche sich verdichtet und möglichst viele Immobilien an Dritte freigibt. Aber doch nicht zu Marktmieten!" Der Kirchenpflegepräsident der Kirchgemeinde Aussersihl sammelt nun mittels Petition Unterschriften für die Änderung des Leitbilds. Anstatt Marktpreise zu verlangen, soll die Kirche ihre Liegenschaften kostendeckend vermieten, wie es Genossenschaften tun.

Kritik aus Politik und Bevölkerung

Eine letzte Woche durchgeführte Podiumsdiskussion zum Thema in der St. Jakobskirche am Stauffacher stiess auf breites Interesse. Die neue Regelung stiess nicht nur in Kirchenkreisen auf Unverständnis. Auch Vertreter aus der Politik und aus dem Quartier äusserten sich gemäss dem Bericht kritisch.

Der Quartierverein Riesbach wandte sich vergangene Woche an den Stadtverbandspräsident Andreas Hurter und schrieb, dass die sogenannt kleinen Leute das Quartier aufgrund steigender Mietpreise verlassen müssten, wenn die Immobilien dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen werden. Dies sei das Gegenteil von sozialer Nachhaltigkeit, welche die Kirche anstrebe.

Hurter wehrt sich gegen den Vorwurf. Das Reizwort "Marktmiete" löse zwar tatsächlich falsche Assoziationen aus, dennoch gingen die Reformierten verantwortungsvoll mit den Immobilien um. Die Kirche müsse allerdings auch ihren Fortbestand sichern, was durch die abnehmende Mitgliederzahl und die geringen Steuereinkünfte erschwert werde. Zudem sei die Pflege der denkmalgeschützten Kirchgebäude kostspielig. "Allfällige Erträge wollen wir in die Kernaufgaben der Kirche investieren", versichert er im Bericht des "Tages-Anzeigers".