Sicherheit

Um Gefängnisausbrüche zu verhindern: Neu sollen nachts zwei Aufseher anwesend sein

Im Kanton Zürich müssen sie sich künftig auch nach der Anstellung Sicherheitskontrollen unterziehen: Aufseher in den Gefängnissen. (Symbolbild)

Im Kanton Zürich müssen sie sich künftig auch nach der Anstellung Sicherheitskontrollen unterziehen: Aufseher in den Gefängnissen. (Symbolbild)

Nach der Flucht von Angela Magdici und Hassan Kiko aus dem Gefängnis Limmattal schafft die Sicherheitsdirektion kantonsweit acht neue Stellen. Zu den weiteren Massnahmen gibt der Kanton nur spärlich Auskunft.

Der Zürcher Strafvollzug stand nicht gut da, als die Gefängnisaufseherin Angela Magdici am 9. Februar mit dem Häftling Hassan Kiko aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon floh. Um Gefängnisausbrüche künftig besser verhindern zu können, wird die Sicherheitsdirektion kantonsweit acht neue Stellen für Aufsichtspersonal schaffen, wie der Regierungsrat in einer Antwort auf eine Anfrage aus dem Kantonsrat schrieb (Ausgabe von gestern). Nun steht auch fest, wie viel diese Massnahme kostet. Rebecca de Silva vom Amt für Justizvollzug sprach gestern von rund 700 000 Franken jährlich. In welchen Gefängnissen die neuen Gefängniswärter und -Wärterinnen platziert werden, wollte sie aus Sicherheitsgründen aber nicht angeben.

Ziel dieser Massnahme ist, dass künftig nachts in allen Gefängnissen zwei Aufseherinnen oder Aufseher anwesend sind, wobei jeweils eine Person in der Zentrale wach ist, während die zweite im Pikettdienst ruht. Die wache Aufsichtsperson nimmt allfällige Zellenrufe der Insassen entgegen und entscheidet, ob die zweite Person beigezogen werden muss. Dieses System war im Gefängnis Limmattal bereits zum Zeitpunkt des Ausbruchs Usus.

Sicherheitslücke ist behoben

Dass die Flucht trotzdem gelang, liegt laut Regierungsrat an einer zuvor nicht erkannten Sicherheitslücke. Dieser Mangel wurde bereits behoben. Einzelheiten dazu behält der Kanton auch hier aus Sicherheitsgründen für sich. Eine zusätzliche Aufstockung des Personals, um etwa konstant über zwei wache Nachtdienstler verfügen zu können, erachtet die Regierung nicht als sinnvoll: «Dies würde eine Stellenaufstockung von deutlich über 20 Stellen erfordern, ohne eine entscheidende Verbesserung der Sicherheitsstufe zu gewährleisten», schreibt sie.
Neben anderen technischen Änderungen will er nun auch sicherstellen, dass künftig bei jedem nächtlichen Öffnen einer Zellentür ein Alarm an die Kantonspolizei geht. Was das für die Kapo bedeutet, ist schwer abzuschätzen. Laut de Silva werden Zellen nachts nur im Notfall – etwa bei einem Brand oder einem medizinischen Vorfall – geöffnet. «Das kommt selten vor», sagt sie. Eine Statistik werde aber nicht geführt. Auch die Kapo geht nicht davon aus, dass durch diese Massnahme ein Mehraufwand entstehen wird, wie Mediensprecherin Carmen Surber sagt: «Wenn ein Alarm aus einem Gefängnis eingeht und es die Situation verlangt, werden wir wie bis anhin sofort ausrücken.»

Als weitere Massnahmen sollen schliesslich die Rekrutierung der Aufseher verbessert und neue Sicherheitskontrollen nach der Anstellung eingeführt werden. Viel konkreter will sich de Silva aber nicht äussern: «Wir sind mitten in der Abklärung und können noch nichts Abschliessendes dazu sagen.»

Wann Kiko kommt, ist unklar

Unklar ist weiterhin, wann der geflüchtete Häftling Hassan Kiko von Italien an die Schweiz ausgeliefert wird. Er und seine Fluchthelferin Magdici wurden in der Nacht auf Karfreitag nach wochenlanger Flucht im norditalienischen Romano di Lombardia verhaftet. Die 32-Jährige traf bereits Mitte April in Zürich ein, Kiko harrt jedoch noch immer in Italien aus. Er muss warten, bis das Auslieferungsverfahren abgeschlossen ist. Wann es soweit sein wird, wisse sie nicht, sagte de Silva: «Wir dürften aus Gründen des Amtsgeheimnisses aber auch nicht mehr sagen.»

Der 27-jährige Syrer machte sich mit seiner Flucht zwar nicht strafbar. Er dürfte aber seine Chance auf Hafterleichterung oder vorzeitige Entlassung verspielt haben. Magdici droht hingegen wegen Entweichenlassens eines Gefangenen und wegen Amtsmissbrauchs eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Sie sitzt derzeit in U-Haft. Gestern kursierte auf dem Nachrichtendienst Twitter ein Bild eines SBB-Zugwagens mit einem «Free Angela M.»-Graffiti. Einen Tag nachdem die «True Love»-Sprayercrew mit einem Schriftzug den Türkischen Präsidenten Erdogan schmähte, solidarisieren sich offenbar einige Sprayer mit der Fluchthelferin Kikos.

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