Der Psychiater Alfred Ruhoff (77) in Bremgarten-West hat einen berühmten Vorfahren: den Reformator Ulrich Zwingli. Ruhoff ist mit ihm über die mütterliche Linie verwandt. Sein Vater, der reformierte Pfarrer Alfred Ruhoff, hat die Abstammung mit der Zwingli-Grossfamilie recherchiert. Der pensionierte Kantonsschullehrer Reto Jäger macht diese kleine Sensation in den Bremgarter Neujahrsblättern 2019 publik. Die Neujahrsblätter widmen sich unter mehreren Blickwinkeln dem Thema Religion.

Ruhoff, der mit seiner Frau Beatrice, einer Fachärztin, in einer alten Fabrikantenvilla in Bremgarten-West lebt, freut sich zwar über die Tatsache, dass er mit Zwingli verwandt ist. Aber prahlen möchte er mit der prominenten Abstammung trotzdem nicht.

Über eines ärgert sich Ruhoff immer wieder: Wenn die Stadt Zürich als «zwinglianisch-puritanisch» bezeichnet wird. «Das ist falsch, und trotzdem wird es immer wieder behauptet.» Anders als Zwingli hätten engherzige Behörden mit ihren Sittengerichten Zürich zu diesem zweifelhaften Ruf verholfen. Zwingli habe stattdessen gegen das Söldnerunwesen gekämpft, das den ohnehin schon reichen Soldatenvermittlern noch mehr Geld einbrachte. Mit diesem Kampf habe Zwingli durchaus recht gehabt, sagt Ruhoff. «Ein Bilderstürmer war Zwingli selbst auch nicht.»

Klingende Ahnenreihe

Zwingli und Ruhoff verbinde auch die Liebe zur Musik, schreibt Reto Jäger. Vom Reformator werde überliefert, dass dieser alle Musikinstrumente seiner Zeit beherrscht habe. So soll er Geige, Hackbrett, Laute, Pfeife, Flöte, Waldhorn und Dudelsack gespielt haben – und dies bei einem vollgepackten, rastlos wirkenden Arbeitspensum. Auch als Komponist geistlicher Lieder ist Zwingli bekannt. Auch Ruhoff ist ein begeisterter Musikliebhaber.

Ruhoff ist zudem nicht nur mit Zwingli verwandt, sondern auch mit Johann Jakob Bodmer, einem der Anführer der Stäfner Aufstandsbewegung von 1795 gegen die städtische Vorherrschaft. Ausserdem war Ruhoffs Urgrossvater, Karl Stierli, im 19. Jahrhundert Herausgeber des Aargauer Tagblatts, aus dem die Aargauer Zeitung hervorgegangen ist.

Ein Film über Zwingli

Im Reformationsjahr 2019 kommt am 17. Januar ein Film über Ulrich Zwingli in die Kinos. Der Zürcher Reformator habe Zürich und seinen festverankerten Wertekanon auf den Kopf gestellt, heisst es im Pressetext zum Film. Mit messerscharfem Verstand habe er das religiöse und gesellschaftliche System seziert, Missstände angeprangert und dabei keine Angst gehabt, sich mit den Mächtigsten seiner Zeit anzulegen. Zwingli habe die Gesellschaft bis heute tiefgreifend verändert. Gerade das imponiert seinem Nachfahren Alfred Ruhoff mächtig. «Ich freue mich auf den Kinofilm.»

Bezugsquellen Die Neujahrsblätter 2019 sind für 30 Franken an folgenden Verkaufsstellen in Bremgarten zu beziehen: Buchhandlung Furrer, Sunnemärt; Schalter Aargau Verkehr AG, Zürcherstrasse 10; Rolf Meyer Herrenmode, Marktgasse 3; Kaffee Spatz, Marktgasse 9; Essighüsli, Wohlerstrasse 37.