Beim letzten Hochwasser riss die Reppisch grosse Stücke ihres rechten Ufers mit. Das war im Juni 2015, direkt an der Grenze zwischen Dietikon und Bergdietikon. Die Flussexperten des Kantons fassten eine Diagnose: Ohne Gegenmassnahme zerstört die Reppisch ihr rechtes Ufer immer mehr. Doch genau an der betroffenen Stelle kommt ein asphaltierter Flurweg sehr nahe an das Ufer. Mit der Zeit würde diese Strasse der Reppisch zum Opfer fallen. Darum liess die Abteilung Wasserbau des Kantons Zürich schweres Baugerät auffahren, zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres: Bereits im letzten Herbst schichteten die Wasserbauer hundert Tonnen Gestein auf, die das Ufer zusammenhalten.

Wasser wird zur Mitte gelenkt

Mit einem Teil dieser Steine bauen sie jetzt, etwas mehr als ein halbes Jahr später, sogenannte Lenkbuhnen. Diese Gesteinsreihen schauen am Ufer aus dem Wasser hervor und fallen bis in die Mitte des Flussbetts immer weiter ab, an ihrem Ende befinden sie sich unter dem Wasserspiegel. Sie lenken das Wasser vom rechten Ufer weg in die Mitte. So prallt die Reppisch nicht mehr mit voller Wucht an den rechten Uferhang. Die Hauptströmung verschiebt sich dadurch in die Flussmitte. Das soll auch der Natur dienen. «Am Kopf der Lenkbuhnen, in der Mitte des Flusses, werden Vertiefungen entstehen, die gut für die Fische sind. Dieser sogenannte Kolk ist für sie ein wertvoller Lebensraum», erklärt Markus Federer, Projektleiter beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons.

Umbau wegen Fischen verschoben

Ohnehin hatten die Fische von Anfang an viel Einfluss auf dieses Projekt. So durfte die Abteilung Wasserbau letzten Herbst zwar die Steine am Ufer anbringen. Aber eigentlich wollte sie gleichzeitig die erwähnten Lenkbuhnen erstellen. Die Fischereiverwaltung des Kantons Zürich untersagte dies. Bauarbeiten mitten im Flussbett wären für die Fische im Herbst zu gefährlich. Insbesondere für Forellen, sie sind die häufigste Fischart in der Reppisch und laichen von Mitte Oktober bis Dezember. Das Problem: Der von den Bauarbeiten aufgewirbelte Dreck hätte die Zwischenräume im Kiesbett verstopft, der Forellenbrut hätte der nötige Sauerstoff gefehlt. «Die Eier und die frisch geschlüpften Brütlinge würden dadurch absterben», sagt Andreas Hertig, Fischerei-Adjunkt beim Kanton. Unter den Bauarbeiten und dem aufgewirbelten Dreck litten auch erwachsene Fische. «Im Winter ist ihr Stoffwechsel stark reduziert, Bauarbeiten wären zu viel Stress. Daran könnten sie sterben», so Hertig weiter. Neben Forellen schwimmen in der Reppisch der Alet, die als potenziell gefährdet eingestufte Groppe und das gefährdete Bachneunauge.

Der Ufer-Umbau wurde gestern nach zwei Wochen Bauzeit fertig und kostete 70 000 Franken, bezahlt aus dem laufenden Gewässerunterhalts-Budget des Kantons. Bei den Arbeiten waren neben dem Kanton Zürich auch Hydrogeologen des Kantons Aargau sowie der Bergdietiker Brunnenmeister involviert. «Das war schon ein sehr spezieller Umbau, weil es zwei Kantone betrifft und wir wegen des Grundwassers die Arbeiten noch genauer planen und überwachen mussten», sagt Markus Federer. Zudem erhöhte sich der Wasserstand der Reppisch wegen des starken Regens an Pfingsten massiv. Am Dienstag mussten die Arbeiter deshalb einen provisorischen Erddamm neu aufbauen, den sie für die Bauzeit erstellt hatten: Die Reppisch hatte ihn weggeschwemmt.