Schliesst jemand eine Versicherung via einen Vertreter ab, fliessen Provisionen. Das ist ein übliches Geschäftsmodell. Der Leiter des Zürcher Service Centers einer Krankenkasse hat sich dieses System zunutze gemacht. In seiner Funktion hatte er Zugriff auf sämtliche Neuabschlüsse der Versicherung.

In den internen Kundendateien der betroffenen Krankenkasse ist jeweils angegeben, wer die Versicherung vermittelt hat und folglich eine Provision erhält. Etliche Menschen melden sich aber direkt bei der Krankenkasse an, beispielsweise über eine Internetseite. Im Eingabefeld der internen Kundenmaske ist dann jeweils eine «0 kein Vermittler» eingetragen.

Als der heute 39-jährige Leiter des Service Centers in eine finanzielle Notlage geraten war, kam er 2010 auf die Idee, er könnte sich einen Zusatzverdienst verschaffen. Dies, indem er die internen Listen mit den neuen Versicherungsabschlüssen manipulierte. Er war allerdings auf die Mithilfe von Versicherungsvertretern angewiesen. Schliesslich musste man solche in die Liste eintragen.

Barbekanntschaft angestiftet

Die Sache funktionierte immer nach einem ähnlichen Muster. Im Sommer 2010 lernte er in der Zürcher Lambada Bar beispielsweise einen Mann kennen, der sich gerade als Versicherungsberater selbstständig gemacht hatte.

Der Leiter des Service Centers – er ist in diesem Kriminalfall der Hauptbeschuldigte – erzählte seiner neuen Bekanntschaft, er hätte eine Idee für ihn, mit der man so richtig Geld machen könnte. Sie würden Kunden, die sich direkt bei der Krankenkasse anmeldeten, über dessen Vermittlernummer laufen lassen. Die so generierten Provisionen würden sie hälftig untereinander aufteilen. Im November 2010 war man soweit und startete mit dem Projekt.

Es blieb allerdings nicht beim Leiter des Service Centers und seinem Bekannten. Schon bald schlug der Hauptbeschuldigte seinem Mittäter vor, eine Mitarbeiterin des Zürcher Service Centers mit ins Boot zu holen. Diese nahm künftig die meisten Mutationen in den internen Listen vor. Sie erhielt von ihrem Vorgesetzten dafür rund 800 Franken im Monat.

Die Versicherung hielt zwar jeweils einen Teil der Provisionen als Sicherheit zurück, dem illegalen Treiben im Zürcher Service Center kam man aber lange Zeit nicht auf die Schliche. Die Sache lief offensichtlich gut für den Chef und er spannte seinen Stellvertreter und weitere externe Kollegen in das lukrative Businessmodell mit ein.

Nachtclubbesitzer machte mit

Schliesslich hat er laut Anklageschrift auch den Besitzer eines ehemaligen Rotlicht-Etablissements im Zürcher Kreis 4 involviert. Diesem schuldete er 60 000 Franken. Er soll ihn überredet haben, eine Ausbildung als Versicherungsvertreter zu machen und eine Firma zu gründen. So könne er ebenfalls von dem illegalen System profitieren.

Zwischen November 2010 und März 2014 nahm die Bande 20 656 Mutationen in den Listen der Krankenkasse vor. Dafür liessen sich die Beteiligten rund 3,1 Millionen Franken an Provisionen auszahlen. Der Haupttäter allein ergaunerte für sich mehr als ein Drittel der Summe – gut 1,25 Millionen Franken. Das sind knapp 30 800 Franken pro Monat.

Abgekürzte Verfahren

Anfang November stehen sieben der heute 30- bis 51-jährigen Beschuldigten vor dem Zürcher Bezirksgericht. In fünf Fällen kommt es zu einem abgekürzten Verfahren. Staatsanwaltschaft und Beschuldigte haben sich also geeinigt.

In diesen Fällen muss das Gericht den Deal noch abnicken. Die Verhandlungen sind auf lediglich 30 Minuten angesetzt. Der Service-Stellen-Leiter bekommt eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wobei deren neun vollzogen werden. Ein weiterer Beschuldigter soll für acht Monate ins Gefängnis. Die übrigen Strafen werden allesamt bedingt ausgesprochen.

Der ehemalige Nachtclubbesitzer und ein weiterer Beschuldigter haben sich mit der Staatsanwaltschaft nicht geeinigt. Inwieweit sie geständig sind, geht aus den Anklageschriften nicht hervor.