Das Kinderspital unterscheidet fünf Misshandlungsarten: körperliche und psychische Misshandlung, sexueller Missbrauch, Vernachlässigung sowie Münchhausen Stellvertreter-Syndrom.

Die Vernachlässigung und die psychische Misshandlung haben - wie bereits 2017 - am meisten zugenommen (+1,6 respektive 1,8 Prozent). In die Kategorie der psychischen Misshandlungen fallen auch jene Kinder und Jugendlichen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden, wie das Kinderspital am Montag mitteilte.

Ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr ist bei den Fällen von sexueller Ausbeutung (- 0,8 Prozent) und körperlicher Misshandlung (-3,6 Prozent) zu verzeichnen.

In 357 Fällen konnte die Kinderschutzgruppe die Misshandlung mit Sicherheit feststellen. Bei diesen Kindern wurden Massnahmen oder Unterstützungsangebote in die Wege geleitet.

Bei 32 der gemeldeten Kinder (6 Prozent) konnte eine Misshandlung ausgeschlossen werden. So liess sich beispielsweise bei einer anfänglich verdächtigen Verletzung bei einem Kind nachweisen, dass die Ursache ein Unfall war.

Bei 139 Kindern (26 Prozent) konnte eine Misshandlung weder bestätigt noch ausgeschlossen werden. In solchen Fällen sorgt die Kinderschutzgruppe dafür, dass andere Personen oder Institutionen das Kind und seine Familie weiter begleiten.

2018 zeigte sich erneut, dass die Kinderschutzgruppe am häufigsten misshandelte Kinder im Alter von einem bis sieben Jahren betreut. Mädchen sind häufiger Opfer von Gewalt gegen die sexuelle Integrität, hingegen werden Knaben häufiger körperlich misshandelt.

Die Misshandlungsfälle werden von verschiedenen Personen oder Organisationen an die Kinderschutzgruppe und Opferberatungsstelle des Kinderspitals Zürich herangetragen: Bei ungefähr zwei Dritteln der Fälle kommt die Meldung von ausserhalb des Kinderspitals, etwa von den betroffenen Kindern und Jugendlichen selber, deren Angehörigen sowie von Fachleuten und Behörden.

Schützen und stützen

Das oberste Ziel im Kinderschutz sei es, die Kinder zu schützen und das familiäre Umfeld zu unterstützen, heisst es weiter. So könne beispielsweise eine professionelle Unterstützung junger Eltern verhindern, dass in einer Risikosituation eine Misshandlung stattfindet.

In Gesprächen mit überlasteten Eltern habe sich gezeigt, dass diese einem entsprechenden Unterstützungsangebot häufig offen gegenüberstehen und es dankbar annehmen. Die Früherkennung von Kindsmisshandlung respektive von Situationen mit Gefährdungspotential für Kinder ermögliche im besten Fall, die Misshandlungen zu beenden oder die Gefährdungen abzuwenden, heisst es weiter.