Der 67-jährige Gino Bornhauser aus Eglisau streitet sich am 22. April 2016 auf einem Parkplatz in Rafz mit seinem ehemaligen Nachbarn. Es ist das letzte Lebenszeichen des Rentners.

Der Nachbar, ein Brasilianer und Vater von drei Mädchen, wird wenig später verhaftet und gesteht, Bornhauser umgebracht zu haben. Er konnte sich aber nicht erinnern, wo er die Leiche abgelegt hat. Sie ist bis heute unauffindbar.

Für die Angehörigen hatte das Konsequenzen: Fragen zum Erbe, zur Auflösung der Ehe oder zu den Leistungen der Witwen-, Witwer oder Waisenrente blieben offen. Der Grund: Die Familie hat erst darauf Anspruch, wenn der Vermisste von einem Gericht für verschollen oder tot erklärt wird.

Rainer Hohler, Bezirksgerichtspräsident in Bülach, bestätigt nun: «Gino Bornhauser wurde am 24. August 2018 für tot erklärt.» Witwe Petra Bornhauser ist froh: «Bisher haben wir Angehörigen noch keinen Rappen gesehen.»

Bornhauser geht es aber nicht primär um Geld, das ihr zusteht. «Mein grösster Wunsch ist, dass mein Mann irgendwann doch noch gefunden wird.» In Gedanken sei er noch immer bei ihr. «Ich zünde jeden Tag eine Kerze für ihn an.»

Der geständige Mörder ist inzwischen ebenfalls tot. Er hat sich vergangenen Oktober im Flughafengefängnis das Leben genommen. Nur zwei Monate bevor er sich vor dem Bezirksgericht Bülach hätte verantworten müssen.

Alles, was der Witwe bleibt, sind sechs Ordner voll mit Akten zum Fall. Anhaltspunkte zum Verbleib der Leiche ihres Mannes habe sie aber noch keine gefunden. Es gibt jedoch einige Fakten, die sie stutzig machen. Einer davon betrifft die Kleidung von Gino Bornhauser. Die Polizei konnte alle Kleidungsstücke sicherstellen, bis auf sein Hemd. Die Witwe stellt sich zwei Fragen: «Wieso hat der Mörder meinen Mann entblösst?» und «Warum fehlt genau das Hemd?»

Klar ist: Als der Brasilianer den Rentner mit dem Auto mehrmals überrollte, hatte Gino Bornhauser bereits keine Hose mehr an. «Auf der Kleidung wurden keine Reifenspuren gefunden», sagt die Witwe. (fzw)