Konzert
Udo Jürgens begeistert 10'000 im Zürcher Hallenstadion

Udo Jürgens ist auch mit 80 Jahren ein Meister seines Fachs: Im ausverkauften Zürcher Hallenstadion begeisterte er am Sonntagabend rund 10'000 Fans und "Mitgeschleppte", wie er zu sagen pflegt.

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Der österreichische Komponist, Pianist und Sänger Udo Jürgens anlässlich seines Konzertes im Rahmen der "Mitten im Leben" Tour, am Sonntag, 7. Dezember 2014, im Hallenstadion in Zürich.

Der österreichische Komponist, Pianist und Sänger Udo Jürgens anlässlich seines Konzertes im Rahmen der "Mitten im Leben" Tour, am Sonntag, 7. Dezember 2014, im Hallenstadion in Zürich.

Keystone

Die Bühne ist schnörkellos: Der schwarze Flügel, weisse Podeste für die Musikerinnen und Musiker des Orchesters Pepe Lienhard, im Hintergrund eine hallenhohe Grossleinwand - fertig. Punkt 19 Uhr geht s los: Unter der überlauten Melodie des Gassenhauers "Aber bitte mit Sahne" zieht das Orchester ein.

Über eine riesige Erdkugel zieht ein Licht seine Spur kreuz und quer zu Städten in aller Welt - Stationen aus Udo Jürgens' Leben. Dazu erklingt "Die Welt braucht Lieder". Udo Jürgens betritt die Bühne, setzt sich an den Flügel. Es geht los mit "Alles aus Liebe", wo es um Toleranz und "Lebenlassen" geht.

Der erste Teil des Konzerts ist fast ausschliesslich neuen Liedern aus der aktuellen CD "Mitten im Leben" vorbehalten, auch der Titel der Tournee. Es ist ein sehr ernsthafter Udo Jürgens, der da vorne sitzt. Die Musik mit ihren häufig härteren Klängen passt.

Es darf kratzen

Es ist keine Zeit mehr für tänzelnde Leichtigkeit, für fluffige Schmusesongs. Der früher grosszügig verwendete Weichspüler, der kritische Inhalte "hautverträglich" machte, wird sparsam dosiert; es darf kratzen. Jürgens hat etwas zu sagen, und er tut dies unverblümt und eindringlich: "Wenn Sie in einem gewissen Alter sind, müssen Sie sagen, was sie denken."

Er singt über zerstörerische Geldgier ("Die riesengrosse Gier") und umfassende Überwachung ("Der gläserne Mensch"), appelliert an das Verantwortungsgefühl des einzelnen ("Das Leben bist du"), besingt auch tief empfundene Liebe und Sehnsucht ("Was ich gerne wär' für dich").

Dass Udo Jürgens sich schon immer mit kritischen Inhalten auseinandergesetzt hat, beweisen alte Lieder, die gut ins aktuelle Programm passen. Darunter die eindringliche symphonische Dichtung "Die Krone der Schöpfung", die er einst mit den Berliner Philharmonikern einspielte.

Sie ist aktuell wie eh und je: Udo Jürgens prangert die gnadenlose Ausbeutung die Erde an. Das Werk habe ihm seinerzeit eine Anzeige der deutschen Bischofskonferenz eingetragen, erzählt er.

Oldies nach der Pause

Die streckenweise schon fast apokalyptische Stimmung des ersten Konzertteils wird nach der Pause lockerer. Das satirische "Der Mann ist das Problem" reisst die Leute mit. "Noch zwei Lieder" möchte man "ungestört von vorne bis hinten bringen", sagt er. Dann dürften die, die wollten, zur Rampe vor kommen.

Es folgen zwei Songs aus den 1970-ern. In "Tausend Jahre sind ein Tag", hat sich Jürgens schon damals mit der Selbstzerstörung der Menschheit befasst. In der "Gastarbeiter-Hymne" "Griechischer Wein" vermittelt Jürgens auf berührende Art die Trauer und Einsamkeit der Entwurzelten.

Mit den letzten Akkorden strömen Hunderte nach vorn zur Bühne. Nun ist Zeit für einige Oldies. Der "Klassiker" "Ich war noch niemals in New York", ergänzt mit "New York New York" mit Dorothea Fletcher, wird zu einem Höhepunkt. Nach dem Titelsong der Tournee, "Mitten im Leben" ist Schluss. Es folgen Zugaben, etwa ein Oldies-Medley im unvermeidlichen Bademantel.

Melancholischer Schluss

Für das allerletzte Lied setzt sich Udo Jürgens in Jeans und weissem Hemd an den Flügel. "Zehn nach elf": ein melancholisches Stück über die Einsamkeit des Sängers nach dem grossen Auftritt irgendwo in der Welt, die Sehnsucht nach zuhause, wo er "nicht umjubelt, nur umsorgt", "nicht bewundert, nur geliebt" wird.

Während des dreistündigen Konzerts kommen zahlreiche Musikerinnen und Musiker des Orchesters Pepe Lienhard zu Soloauftritten. Jürgens stellt sie alle vor. Mit der respektvollen Art, wie er dies tut, macht er deutlich, dass er Teil eines Teams ist.

Nach einer Pause geht die Konzerttournee Ende Februar weiter. Am 8. März treten Udo Jürgens und das Orchester Pepe Lienhard nochmals im Zürcher Hallenstadion auf.