Zürich
UBS-Sekretärin soll Geschäftskreditkarte privat genutzt haben — Gericht spricht sie frei

Eine UBS-Direktionssekretärin soll über Jahre eine Geschäftskreditkarte für private Zwecke genutzt haben.

Patrick Gut
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321 000 Franken betrugen allein die Kreditkartenbezüge im Spitzenjahr 2009. (Archivbild)

321 000 Franken betrugen allein die Kreditkartenbezüge im Spitzenjahr 2009. (Archivbild)

KEYSTONE/AP/JENNY KANE

Über 800 Positionen im Gesamtwert von mehr als einer Million Franken umfasst die Liste der mutmasslich privaten Bezüge, welche die UBS-Direktionssekretärin zwischen 2003 und 2010 getätigt haben soll. Bloss war die Kreditkarte ausschliesslich für geschäftliche Auslagen bestimmt.

Was die Anklageschrift offenbart, mutet wie ein veritabler Steigerungslauf an: Für das Jahr 2003 sind bloss zwei Positionen mit einer Summe von 571 Franken aufgelistet. 2007 sind es bereits 113 Posten mit einem Gesamtbetrag von über 169'000 Franken und im Spitzenjahr 2009 sind Bezüge über 321'000 Franken ausgewiesen.

Immer wieder sind Einkäufe in teuren Kleiderboutiquen verzeichnet. Dazu kommen Restaurantbesuche, Schmuckstücke, Hotelrechnungen oder Besuche beim Coiffeur. 2009 gönnte sich die Direktionssekretärin anscheinend eine Schönheitsoperation.

Über die Jahre nahmen die Bargeldbezüge deutlich zu. Bei Kuoni buchte sie Reisen, die sie dann wieder stornierte. Das Geld floss auf ihr privates Konto. Die Frau trieb es offenbar derart bunt, dass die monatliche Kreditkartenlimite mehrmals erhöht werden musste.

Ende Oktober 2018 hat das Bezirksgericht Zürich die Beschuldigte vollumfänglich freigesprochen; und zwar von den Vorwürfen des Betrugs und der Veruntreuung. Das Gericht sah es zwar als erwiesen an, dass die Frau die Geschäftskreditkarte tatsächlich für private Zwecke verwendet hatte, das allein sei aber noch kein Betrug.

Schliesslich haben wechselnde Topkader der UBS die Abrechnungen monatlich unterzeichnet. Im Verfahren als Zeugen befragt, sagten sie durchs Band, die privaten Bezüge seien unzulässig gewesen und sie hätten das nie unterschrieben, zumindest nicht wissentlich.

Die Bankmanager mutmassten, die Direktionssekretärin habe die Dokumente so zur Unterschrift vorgelegt, dass ihre eigenen Bezüge nicht sichtbar waren. Die Beschuldigte bestritt derartige Manipulationen, und aus Sicht des Gerichts liessen sie sich nicht beweisen.

Vorgesetzte winkten ­Abrechnungen durch

Am Donnerstag stand die 56-jährige Beschuldigte vor dem Zürcher Obergericht. In ihrer Abteilung, die sich mit den schwerreichen Kunden befasste, habe eine Selbstbedienungsmentalität geherrscht sagte sie und: «Alle haben die Geschäftskreditkarte für private Bezüge benutzt.» Sie habe ihre Kreditkartenabrechnungen monatlich vorgelegt und diese seien von den Vorgesetzten durchgewinkt worden.

Der Staatsanwalt forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten wegen Veruntreuung. Den Vorwurf des Betruges aber, der vor Bezirksgericht noch Thema gewesen war, sah er nun als «eher nicht gegeben an».

Das Obergericht hat die Beschuldigte nun auch freigesprochen. Es stehe fest, dass die 56-Jährige mit der Geschäftskreditkarte Privatbezüge getätigt hat. Die behauptete Täuschung sei aber nicht rechtsgenügend erstellt. «Die Aussagen der Vorgesetzten erwecken den Eindruck, dass nicht sein kann, was nicht sein darf», sagte der vorsitzende Richter.

Für das Gericht sei nicht vorstellbar, dass keiner der Vorgesetzten je etwas von den privaten Bezügen der Beschuldigten gemerkt haben will. Man habe die Bezüge genehmigt, beide Augen zugedrückt oder ganz einfach nicht kontrolliert. Da sich keine Machenschaften oder arglistige Täuschung belegen lasse, liege auch kein Betrug vor.

Was die Veruntreuung angeht, habe die UBS der Beschuldigten keine Vermögenswerte anvertraut. Es sei eine Kontrolle vorgesehen gewesen, deshalb habe sie auch keine Verfügungsgewalt über die Kreditkarte gehabt.

Im Unterschied zum Bezirksgericht hat das Obergericht der Ex-Chefsekretärin einen Teil der Verfahrenskosten auferlegt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.