Überleben in der Coronakrise: ­Hotel sucht neu Dauermieter

Das Hotel Montana in Zürich versucht, sich mit festen Mietern in den Frühling zu retten. Andere könnten folgen.

Michel Wenzler
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Ausbleibende Touristen und weniger Geschäftsreisende: Die Corona-Pandemie hat viele Hotels in wirtschaftliche Nöte gebracht. In Zürich mussten etwa das Swissôtel beim Bahnhof Oerlikon und das Ascot beim Bahnhof Enge schliessen. Auch das Hotel Coronado beim Universitätspark Irchel ist zu – es wird neu für Business-Apartments genutzt.

Das sind nur einige Beispiele, die für die gegenwärtige Krise der Hotellerie stehen. Und es kommen laufend weitere dazu. Zu kämpfen hat etwa auch das Hotel Montana an der Konradstrasse unweit des Zürcher Hauptbahnhofs. Trotz der zentralen Lage bleiben auch ihm die Gäste weg.

Frühestens im März wieder offen

Aufgeben wollen die Eigentümer – das Hotel gehört zur Candrian Catering AG – jedoch nicht. Sie versuchen, sich in den Frühling zu retten, und setzen nun auf Dauermieter statt auf Hotelgäste. Zu diesem Zweck haben sie die Firma Projekt Interim beauftragt, die sich auf die Zwischennutzung leer stehender Liegenschaften spezialisiert hat. Sie soll Mieter auf Zeit akquirieren, damit die laufenden Kosten und der Betrieb des Gebäudes sichergestellt werden können. Für normale Gäste ist das Hotel bereits geschlossen. Über das Internet kann man kein Zimmer mehr buchen. Ein Schild beim Eingang weist darauf hin, dass die Liegenschaft nun zwischengenutzt wird. Der Hotelbetrieb für in- und ausländische Gäste wird frühestens im März wieder anlaufen.

Die möblierten Zimmer mit eigenem Badezimmer werden nun bis Februar ab 600 Franken pro Monat vermietet – zweiwöchentliche Zimmerreinigung, monatlicher Wäscheservice, Internet und Fernsehen inklusive. Die Küche und das Restaurant sind zwar geschlossen, den Restaurantbereich können die Mieter aber als Gemeinschaftsraum nutzen.

Das Montana ist das erste Hotel, das aufgrund der Corona-Krise das Projekt Interim mit der Suche nach Zwischenmietern beauftragt hat. «Es könnten aber noch mehr werden», sagt Simon Günthard von Projekt Interim. Ob deren Strategie aufgeht und wie einfach sich die Zimmer vermieten lassen, ist unklar. «Wir sind selbst gespannt, wie es anläuft», sagt Günthard.

Entsteht ein neues Überangebot?

Möglich ist, dass auf diese Weise einfach ein neues Überangebot entsteht. Denn gerade in der Stadt Zürich könnten in der Not gleich mehrere Hotels versuchen, ihre Zimmer auf Dauer zu vermieten.

So zeigte sich kürzlich der Präsident von Zürich Tourismus, Guglielmo Brentel, in einem Interview mit der NZZ skeptisch, dass kreative Lösungen wie Umnutzungen von Hotelzimmern die Probleme der Branche beheben werden. Solche Ideen seien zwar gut, aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Man müsse davon ausgehen, dass es zu weiteren Konkursen komme.

Ähnlich äusserte sich im Oktober Martin von Moos, Präsident des Zürcher Hoteliervereins, in dieser Zeitung bezüglich Hotelzimmern, die aufgrund der Krise dauerhaft in Business-Apartments umgewandelt werden: «Vorübergehend kann es eine grössere Nachfrage nach solchen Apartments geben», meinte von Moos damals. «Aber eigentlich geht es diesen Anbietern genauso schlecht wie den Hoteliers. Auch sie leiden darunter, dass der Geschäftsreiseverkehr zum Erliegen gekommen ist.»

Wie dramatisch die Lage der Hotellerie inzwischen ist, zeigen am Donnerstag publizierte Zahlen des Bundesamts für Statistik. So verzeichneten die Hotels in Zürich im September einen Rückgang der Übernachtungen um 68 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode.