Der 47-Jährige wird verdächtigt, als Anästhesiepfleger im Zürcher Unispital elf Frauen während der Narkose-Aufwachzeit an ihren Geschlechtsteilen angefasst und massiert zu haben. Der Mann wurde am 14. September 2011 in Untersuchungshaft gesetzt. Die Haft wurde seither mehrfach verlängert.

Aktuell befindet sich der Betroffene in Sicherheitshaft. Am kommenden 3. und 4. Dezember wird sich der nicht geständige Mann wegen Schändung vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten müssen.

Enge Beziehungen zu Kroatien

Das Bundesgericht kam im März 2012 zum Schluss, dass die Aufrechterhaltung der U-Haft angesichts der bestehenden Fluchtgefahr nicht zu beanstanden sei. Der schweizerisch-kroatische Doppelbürger habe immer noch enge Beziehungen zu seinem Ursprungsland.

Mit Blick auf das drohende Strafverfahren seien seine beruflichen Perspektiven in der Schweiz fraglich. Zudem liefere Kroatien seine Staatsangehörigen nicht aus. Der Betroffene gelangte in der Folge an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR).

In seiner Beschwerde machte er geltend, Opfer einer Diskriminierung zu sein, weil die Fluchtgefahr primär mit seiner kroatischen Nationalität begründet werde. Der EGMR ist nun zum Schluss gekommen, dass die Europäische Menschenrechtskonvention nicht verletzt wurde.

Ausreichende Gründe vorhanden

Die Richter in Strassburg erinnern an ihre Rechtsprechung, wonach die ausländische Herkunft eines Beschuldigten bei der Begründung von Untersuchungshaft durchaus herangezogen werden darf. Im konkreten Fall hätten die zuständigen Schweizer Behörden ausreichende Gründe zur Bejahung der Fluchtgefahr angeführt.

Im Falle einer Verurteilung würden dem Mann maximal 15 Jahre Freiheitsstrafe drohen. Mögliche Ersatzmassnahmen wie etwa eine Hinterlegung der Papiere müssten als ungenügend gelten. Was den Einsatz einer elektronischen Fussfessel betreffe, sei der Kanton Zürich am laufenden Pilotversuch gar nicht beteiligt. (Urteil 30138/12 vom 29. Oktober 2013)