Kehrtwende 
Trotz Sicherheitsgründen: Nukleartrakt bleibt noch bis 2018 in Betrieb

Aus Sicherheitsgründen hätte der Nukleartrakt am Zürcher Unispital Ende 2015 geschlossen werden sollen. Wegen Platzknappheit hat die Gebäudeversicherung die Betriebsbewilligung nun aber bis 2018 verlängert.

Thomas Schraner
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Die Bauarbeiten für den Modulbau des Unispitals laufen gemäss Fahrplan. Heinz Diener

Die Bauarbeiten für den Modulbau des Unispitals laufen gemäss Fahrplan. Heinz Diener

LAB

Vor drei Jahren lagen sich Kanton und Stadt in den Haaren. Grund war der provisorische Modulbau im Park des Unispitals. Er ist unterdessen im Bau. Damals aber hatte der Stadtrat dem Kanton die Bewilligung für das Provisorium verweigert – wegen des geschützten Parks. In der Folge machte der Kanton dem Stadtrat schwere Vorwürfe. Der Stadtrat stelle den Park über die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, monierte Baudirektor Markus Kägi (SVP). Und Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) liess sich so zitieren: «Die Stadt unterläuft (...) ihr eigenes Bekenntnis zum jetzigen Standort des Unispitals.»

Eine zentrale Rolle im Streit um den Modulbau spielte der Nukleartrakt, der Teile der Kliniken für Nuklearmedizin und Radio-Onkologie beherbergte. Der Nukleartrakt müsse aus Sicherheitsgründen rasch geschlossen werden, und zwar schon Ende 2015, hiess es damals. Deshalb brauche es den Modulbau und dessen Rochadeflächen dringend. Diese vermeintliche Zwangslage schlugen die damalige Spitaldirektorin Rita Ziegler und Baudirektor Kägi dem Stadtrat mehrfach um die Ohren, um Druck zu machen.

Mit Spritzasbest belastet

Unbestritten ist, dass der Nukleartrakt, gebaut 1950 und 1968, sich in schlechtem Zustand befindet. In einem Regierungsbeschluss von 2015 steht, dass die Gebäude (mit Ausnahme der Untergeschosse) mit gefährlichem Spritzasbest belastet und deshalb mit einem Baustopp belegt sind. Zudem sei die Tragkonstruktion unzureichend. «Im Brandfall könnten die Gebäude in relativ kurzer Zeit kollabieren», sagte Kägi.

Der Nukleartrakt ist trotzdem noch nicht geschlossen worden. Im Gegenteil: Der Spitalrat und die Spitaldirektion beantragten wegen Platzknappheit im letzten Oktober eine Betriebsverlängerung. Die kantonale Gebäudeversicherung (GVZ) genehmigte eine solche bis 2018, wie Gregor Lüthy, Kommunikationsleiter des Unispitals, sagt. Allerdings sei aus Sicherheitsgründen nur noch ein «stark reduzierter Betrieb» möglich, heisst es bei der GVZ auf Anfrage. Laut Lüthy bedeutet dies: «Stationäre Patientenbetten sind nicht mehr zugelassen, nur noch Büros und Sprechzimmer.» Der Grund: Im Brandfall muss das Gebäude rasch evakuiert werden können.

Der Nukleartrakt wird später abgerissen. Im Rahmen des Grossprojektes Berthold, der Gesamterneuerung des Universitätsquartiers, soll er durch einen Neubau ersetzt werden. Ein Teil der Nutzungen des Nukleartrakts wird etappenweise in den Modulbau verlegt, sobald dieser steht.

Bau auf Kurs

Die Bauarbeiten für den Modulbau und die unterirdische Technikzentrale sind unterdessen voll im Gang. Sie begannen 2014, nachdem das Baurekursgericht den Rekurs des Kantons gestützt hatte. Laut Dominik Bonderer, Kommuniaktionsleiter der Baudirektion, hat es seit Baubeginn keine Verzögerungen mehr gegeben. Gemäss Fahrplan sollte das sechsgeschossige Gebäude 2019 stehen und dann etappenweise in Betrieb genommen werden. Kostenpunkt: 93,1 Millionen Franken.

Der Modulbau (50 Meter lang, 33 Meter breit) ist ein Provisorium für 20 Jahre. Laut Bonderer kommt deshalb eine Stahlkonstruktion zum Einsatz, die relativ einfach wieder zurückgebaut werden kann. Untergebracht wird im Modulbau unter anderem eine Intensivstation für Brandverletzte sowie eine Station für Blutstammzell-Transplantationen. Nicht zurückgebaut wird die Technikzentrale in den beiden Untergeschossen des Modulbaus. Es handelt sich dabei um ein separates Projekt für knapp 40 Millionen Franken.

Lärmproblem beim Spital

Es liegt auf der Hand, dass jahrelange Bauarbeiten unmittelbar vor dem Unispital für Patienten, Pflegende und Ärzte eine Belastung sind. Man habe deshalb besondere Vorkehrungen getroffen, heisst es beim USZ. Von der Projektleitung ist zu erfahren, mit lärmintensiven Tätigkeiten beginne man nicht am frühen Morgen, sondern um halb neun. Zudem gelte eine verlängerte Mittagspause, und abends höre man früher auf als auf normalen Baustellen. Die Baustellen Modulbau und Technikzentrale sind erst der Auftakt zur grossen Bauerei. Das Projekt Berthold wird dafür sorgen, dass Baulärm am Unispital und in der Umgebung alltäglich sein wird.