Zürich
Trotz Reduktion auf 500 Leihvelos: Zahl der O-Bikes macht misstrauisch

Laut offiziellen Angaben hat O-Bike in Zürich ihre Flotte von 900 auf 500 Velos reduziert. Neuen Berechnungen zufolge muss allerdings daran gezweifelt werden.

Merken
Drucken
Teilen
Die Zweiräder der Firma O-Bike aus Singapur lassen sich per Smartphone orten und über einen Scan entriegeln. Nach der Benutzung können sie überall abgestellt werden.

Die Zweiräder der Firma O-Bike aus Singapur lassen sich per Smartphone orten und über einen Scan entriegeln. Nach der Benutzung können sie überall abgestellt werden.

WALTER BIERI

Seit Anfang Juli dieses Jahres prägen die gelben O-Bikes das Zürcher Stadtbild. Insgesamt 900 Leihvelos wurden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in der Stadt verteilt - zu viel für Stadtrat Filippo Leutenegger, Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements (TED), und forderte die Firma auf, ihre Flotte auf 500 Stück zu reduzieren.

Das asiatische Unternehmen mit Sitz in Singapur hat daraufhin angekündigt, 400 Leihvelos wieder einzusammeln. Ein Bericht der «NZZ» bezweifelt dies nun aber. Demnach standen letzten Freitag nämlich nicht 500 Velos auf dem Zürcher Stadtgebiet, sondern 1420. Und im gesamten Kanton Zürich waren es sogar 2075.

Die Zahlen kommen so zustande: Jedes O-Bike hat eine individuelle Nummer. Diese wird verknüpft mit den aktuellen Koordinaten, welche beim Abschliessen jedes O-Bikes abgespeichert werden. Die Koordinaten der Velos können über eine öffentlich einsehbare Schnittstelle abgefragt werden. Stellt man diese Standorte zusammen auf einer Karte dar, sieht man, dass weit über 900 O-Bikes in Zürich herumstehen, schreibt die «NZZ».

Hat O-Bike nun mehr Leihvelos aufgestellt als sie angegeben hatte? Bisher hat die «NZZ» von der verantwortlichen Sprecherin keine Rückmeldung auf ihre Anfragen erhalten. Auch der Stadt Zürich liegen keine offiziellen Zahlen vor. Mike Sgier, Mediensprecher der Stadt, sagte auf Anfrage: «Es ist nicht unsere Verantwortung, zu kontrollieren, wie gross die Flotte ist.» (lgi)

O-Bike: Wie die gelben Velos funktionieren

Die wespenfarbenen Velos des Singapurer Unternehmens O-Bike funktionieren anders als andere Mietvelos. Die mit einem GPS-Sender ausgestatteten Eingänger können per Smartphone-App geortet und entsperrt werden. Die Fahrkosten werden von der Kreditkarte abgebucht. Wenn man das Velo nicht mehr braucht, kann man es in den nächsten Veloständer stellen und abschliessen. Bevor sie in Effretikon, im Limmattal und in Uster verteilt wurden, tauchten rund 900 O-Bikes in der Stadt Zürich auf.

Sie werden seither heftig kritisiert: Sie würden die Veloständer verstopfen und den öffentlichen Raum übermässig in Anspruch nehmen. In London werden sie als Plage bezeichnet, in Amsterdam sind sie sogar verboten. Trotzdem will O-Bike weiter expandieren – unter anderem nach Luzern, Basel, Bern und Winterthur. (BHI)