Der grösste Velokeller der Schweiz füllt sich langsam. 1600 Plätze stehen seit Mitte September unter dem Zürcher Europaplatz hinter dem Hauptbahnhof zur Verfügung. Täglich rollen über 400 Pendler mit ihrem Velo die Rampe hinunter. Betriebsleiter Iljaz Jakupi ist zufrieden. «Es läuft besser als erwartet», sagt er. 500 Jahresabos hat sein Team bis am Montag verkauft. Noch eine Woche lang kann die Anlage gratis benutzt werden. Ab Anfang November kostet der 24-Stunden-Pass dann 2 Franken. Das Jahresabo ist für 100 Franken erhältlich, ab April sind es dann bereits 180 Franken.

Wer sein Velo in einer Woche immer noch in der Anlage abstelle, ohne zu zahlen, werde darauf hingewiesen, dass der Service nun kostenpflichtig sei, sagt Betriebsleiter Jakupi: «Wir kontrollieren das.» Es würden vorerst aber noch keine Velos eingezogen.

Ein Gewühl aus Rädern

Der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) hatte die Gebühr bereits früher kritisiert. Der Zürcher Sektionschef und grüne Gemeinderat Markus Knauss forderte, rund 600 der 1600 Plätze müssten gratis bleiben. Ansonsten drohe ein noch grösseres Chaos.

Jene, die ihre Velos weiterhin gratis in Bahnhofsnähe parkieren wollen, würden sie rund um den Europaplatz anketten und womöglich die Zugänge zum HB versperren.

Das ist teilweise bereits heute der Fall. Velos sind an Treppengeländern und Fahrplananzeigen der SBB festgemacht oder säumen die Europaallee – trotz der derzeit noch kostenlosen Plätze im Untergeschoss.

«Keine Zeit»

Gründe dafür gibt es mehrere, wie ein Augenschein vor Ort zeigt. Ein Pendler, der gerade sein Velo zwischen viele andere zwängt und danach Richtung Perron eilt, sagt: Er habe noch keine Zeit gehabt, sich über das neue Angebot zu informieren. Anderen ist der Weg unter den Europaplatz zu umständlich oder unangenehm.

Dennoch, das räumt auch Knauss ein: «Die Situation hat sich seit der Eröffnung deutlich entspannt.» Vorher habe auf den oberirdischen Abstellflächen rund um den Europaplatz ein viel grösseres Durcheinander geherrscht.

1000 kostenlose Veloständer

Auch darum ist Knauss mittlerweile von seiner Forderung nach 600 Gratis-Plätzen in der Velostation abgerückt. Er gibt sich damit zufrieden, dass die Stadt an 1000 oberirdischen Veloständern festhält: entlang der Sihl sowie zwischen Postbrücke und Gleis 3.

Diese Abmachung gilt zumindest bis zum Bau des neuen Velotunnels mit 1100 Gratis-Abstellplätzen. Die Unterführung soll in etwa drei Jahren als Verlängerung der Velorampe den südlichen Teil des Hauptbahnhofs mit dem Sihlquai verbinden.