Zürich

Trotz miserabler Ernte gibt es mehr Vergiftungsfälle durch Pilze

Auch der Egerlingsschirmling gehört zu den ungeniessbaren Pilzsorten.keystone

Auch der Egerlingsschirmling gehört zu den ungeniessbaren Pilzsorten.keystone

Trotz einer bisher schlechten Pilzsaison, wurden im Kanton bis Ende September leicht mehr Pilzvergiftungen registriert als im Vorjahr – die Gründe dafür sind unklar.

Als Folge des Hitzesommers 2015 haben die Pilzkontrolleure im Kanton Zürich bis jetzt wenig zu tun gehabt. Die Körbe der Pilzler sind vielerorts schlecht gefüllt. Doch ungeachtet dessen: Giftige Pilze wachsen auch bei eher ungünstigen Wetterbedingungen. Und das nicht zu knapp. Davon weiss auch das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum, das sich seit diesem Jahr neu «Tox Info Suisse» nennt, zu berichten. Tox Info Suisse betreibt die Notfallnummer 145 und gibt rund um die Uhr unentgeltlich Auskunft bei Verdacht auf Vergiftung.

Zwar ging die Zahl der Pilzvergiftungen bis Ende September – im Vergleich zum Vorjahr – schweizweit zurück. Doch vor dem Hintergrund der von Fachleuten bisher als miserabel taxierten Pilzsaison, erstaunt die relativ hohe Zahl von 375 Pilzvergiftungsfällen (Vorjahr: 446) dennoch. Erst recht ins Grübeln gerät, wer die Zahlen aus dem Kanton Zürich vernimmt. Völlig entgegen dem schweizweiten Trend, registrierte Tox Info Suisse kantonsweit bis Ende September leicht mehr Vergiftungsfälle (93) als im gleichen Zeitraum des Vorjahres (87). «Mit Logik hat das nichts mehr tun», sagt Christine Rauber-Lüthy, Ärztin und Leiterin des Auskunftsdienstes, «allenfalls mit einer statistischen Zufälligkeit.»

Doch auch sie ist ziemlich erstaunt, dass die Zahl der Pilzvergiftungen im Kanton Zürich nicht deutlich unter jener des Vorjahres liegt. «Ich kann mir das nicht erklären», sagt Rauber-Lüthy. Zwar gebe es derzeit tendenziell mehr Anrufe von besorgten Eltern, deren Kinder Rasenpilze gegessen hätten, aber das allein könne die Zunahme an Vergiftungen nicht erklären. Als generelle Ursache für die immer noch relativ hohe Zahl an Pilzvergiftungen, sieht die Fachfrau die Tatsache, dass viele Pilzsammler nach wie vor auf den Gang zur nächsten Pilzkontrollstelle verzichteten.

Kein Risiko eingehen – notfalls sofort zum Arzt

Wissen schützt: Nur das mitnehmen, was man sicher kennt. Allerdings: Viele Pilze verfügen in einem frühen Wachstumsstadium noch nicht immer über die typischen Merkmale. Deshalb im Zweifelsfall lieber die Pilzkontrolle aufsuchen.

Sicher sammeln: Zum Sammeln eignen sich am besten Körbe, denn geschlossene Gefässe oder Beutel lassen die Pilze schnell verderben. Am besten für jede Sorte ein anderes Behältnis wählen. Alte oder madige Pilze lässt man am besten im Wald. Wer die Pilze nicht abschneidet, sondern vorsichtig aus dem Boden dreht, erhält alle notwendigen Pilzmerkmale.

Richtig zubereiten: Pilze müssen so bald wie möglich nach dem Sammeln geputzt und zubereitet werden. Zum Rohverzehr eignen sich nur wenige Sorten wie etwa Champignons. Die Reste einer Pilzmahlzeit lassen sich im Kühlschrank bis zum nächsten Tag aufheben. Alkohol ist tabu: In dieser Kombination können auch essbare Pilze Unverträglichkeitsreaktionen auslösen.

Mythen ignorieren: Rund um Giftpilze rankt sich Irrglauben: So sollen angeblich Pilze mit Frassspuren oder Röhrenpilze auf jeden Fall essbar sein, sich bei Giftpilzen mitgekochte Zwiebeln oder Silberlöffel verfärben. Pilzexperten verweisen diese Tipps in das Reich der Märchen.

Falls trotzdem der geringste Verdacht auf eine Pilzvergiftung besteht, sofort einen Arzt aufsuchen. Symptome sind beispielsweise Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, die entweder unmittelbar nach einer Pilzmahlzeit auftreten oder sich bis zu 24 Stunden später noch bemerkbar machen, da manche Pilzgifte langsam wirken. Wenn noch Pilzreste übrig sind – vom Putzen, von der Mahlzeit, zur Not auch im Erbrochenen – kann der Arzt oder ein Pilzsachverständiger herausfinden, welcher Pilz der Übeltäter war und schnell Gegenmassnahmen einleiten. Für weitere Auskünfte kann das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum rund um die Uhr kontaktiert werden: Telefonnummer 145. (az)

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