Zürich

Trotz Kritik ist auch im neuen Polizei- und Justizzentrum kein Jugendtrakt vorgesehen

Visualisierung des PJZ-Gebäudes

Visualisierung des PJZ-Gebäudes

Im Polizeigefängnis auf der Zürcher Kasernenwiese werden immer wieder Kinder und Jugendliche inhaftiert - sogar Elfjährige werden dort untergebracht. Auch im neuen Polizei- und Justizzentrum (PJZ) wird es keine eigene Jugendabteilung geben, aus Kosten- und Platzgründen.

Zwischen 2013 und 2015 wurden über 2000 Kinder und Jugendliche im provisorischen Polizeigefängnis auf der Kasernenwiese untergebracht, das eigentlich für Erwachsene gedacht ist. Die meisten jungen Häftlinge waren zwischen 15 und 17 Jahre alt.

In einigen Fällen waren die Inhaftierten noch jünger: Wie eine am Donnerstag publizierte Aufstellung der Regierung zeigt, waren dreizehn Häftlinge erst elf Jahre alt. Fünfzehn Häftlinge waren erst zwölf und weitere 84 Häftlinge waren 13 Jahre alt.

Über die Herkunft der Jugendlichen und die Gründe für die Inhaftierung macht die Regierung keine Angaben. Sie betonte jedoch, dass Jugendliche in gesonderten Zellen untergebracht würden.

Die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter (NKVK) ist damit nicht zufrieden. Die Trennung von Kindern und Erwachsenen reiche nicht aus und widerspreche nationalen und internationalen Grundsätzen sowie der Praxis des Bundesgerichts, gab die NKVK vor einigen Monaten gegenüber den Medien bekannt.

Sie legte dem Kanton Zürich nahe, Jugendliche nur in Anstalten unterzubringen, welche auf diese ausgerichtet seien.

30 Prozent bleiben länger als eine Nacht

Der Regierungsrat betont in einer Antwort auf eine AL-Anfrage, dass dies auch wenn immer möglich getan werde. In 70 Prozent der Fälle würden die Jugendlichen spätestens nach einer Übernachtung woanders untergebracht, etwa in einem Jugendheim, in der Durchgangsstation Winterthur oder in der Jugendabteilung des Gefängnisses Limmattal.

Das bedeutet aber auch: 30 Prozent müssen länger als eine Nacht im Erwachsenen-Gefängnis bleiben. Um diesen Anteil weiter zu verkleinern, stünden die verantwortlichen Stellen aber in engem Kontakt, schreibt die Regierung.

Eine separate Unterbringung von Jugendlichen und Erwachsenen sei mit vertretbarem Aufwand nicht möglich. Die Polizeigefängnisse würden aber schon in wenigen Jahren ins PJZ integriert.

Mit Milchglas abgetrennt

Ein eigener Trakt ausschliesslich für Jugendliche wird es aber auch im neuen PJZ nicht geben. Dies sei aus Platz- und Kostengründen nicht möglich, schreibt die Regierung weiter. Es sei aber auch nicht notwendig, da spezielle Jugendzellen geplant seien.

Der Korridor dieser Abteilung soll durch Milchglas-Türen von der Erwachsenen-Abteilung getrennt werden. Eine Kontaktaufnahme von Jugendlichen mit Erwachsenen sei somit nicht möglich, betont die Regierung. Auch hier würden die Jugendlichen zudem so schnell wie möglich in die spezialisierten Einrichtungen verlegt.

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