Seit Jahren schwelt in Zürich Wollishofen ein Konflikt zwischen den Nutzern der Roten Fabrik und vier Anwohner-Parteien, die sich in ihrer Ruhe gestört fühlen. Nachdem das Restaurant «Ziegel oh lac» als Folge dieses Streits seine Gartensitzplätze um fast die Hälfte auf 96 Sitze reduzieren musste, kommt für die Betreiber plötzlich wieder Hoffnung auf.

Sie wollen schon länger mit einer offiziellen Baueingabe erreichen, dass die Sitzzahlbeschränkung aus den Achtzigerjahren aufgehoben wird und sie mehr Gäste im Freien bewirten können. Nun teil die Inhaberin der Roten Fabrik, die Stadt Zürich, auf Anfrage mit, dass man die Situation mit den Aussensitzplätzen «im Detail aufgenommen» habe und nun prüfe «welche nächsten Schritte sinnvoll und möglich» seien. Was reichlich unkonkret wirkt, ist gemäss Erich Federli, Wirt des «Ziegels», mit einer sehr klaren Forderung verbunden: «Die Stadt wollte von uns wissen, wie viele Gartensitzplätze wir für unsere Beiz gerne hätten. Wir sagten klar, dass wir gerne die rund 160 Plätze legalisieren würden, die uns bis letzten Herbst zur Verfügung standen.» Dass sich die Präsidialabteilung der Stadt dieser Sache annehme, stimme ihn wieder etwas zuversichtlicher, sagt Federli. Klar ist nämlich: Die Reduktion der Plätze um fast die Hälfte kann sich in einem guten Sommer stark negativ auf den Umsatz des «Ziegels» auswirken. Klar ist aber auch: Das Baubewilligungsgesuch für die zusätzlichen Sitze würde ziemlich sicher einen weiteren Rekurs der klagefreudigen Nachbarn nach sich ziehen.

500 Franken Busse für 70 Plätze

Auch dass der «Ziegel» seine Gartenbeiz verkleinern musste, geht nämlich auf ein Verwaltungsgerichtsverfahren zurück, welches die vier Anwohner ausgelöst haben. Sie kämpften damit gegen die Baubewilligung für zwei grosse gelbe Sonnenschirme vor dem Restaurant am Seeufer. Das Gericht wies zwar fast alle Punkte der Rekurrenten ab, stellte aber fest, dass die auf den Baubewilligungsplänen aus den Achtzigerjahren festgehaltene Anzahl Sitzplätze auch mit den neuen Schirmen nicht überschritten werden dürfe. Als die Stadtpolizei im Oktober bei einer Kontrolle feststellte, dass diese Limite nicht eingehalten wurde, verzeigte sie den «Ziegel» und büsste ihn mit rund 500 Franken für «Überwirtung». Die Polizei war auf Hinweis jener Nachbarn ausgerückt, die auch die Einsprache gegen die Sonnenschirme eingelegt hatten.

Ein weiteres Gerichtsverfahren, das im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Roter Fabrik und den vier Anwohnern steht, läuft gegenwärtig noch. Wie der «Tages-Anzeiger» schrieb, dreht sich dieses um die Sanierung von Räumen, die bei einem Brand vor fünf Jahren beschädigt wurden. Die Anwohner monieren, die von der Stadt geplante Fassade verändere das denkmalgeschützte Gebäude zu stark. Die Stadt stellt sich hingegen auf den Standpunkt, die geplante Gestaltung sei dem Original gar näher, als die bisherige. Die Präsidialabteilung sagt, der Ball liege nun beim Baurekursgericht. Dieses hole ein Gutachten zu diesem Aspekt der Baubewilligung ein und werden den Rekurs der Nachbarn auf dieser Basis nochmals beurteilen müssen. «Wann ein Entscheid fallen wird, weiss die Stadt nicht. Wir rechnen Grössenordnung mit Herbst 2016», sagt Präsidialdepartementssprecher Nat Bächtold.

Egal wie das Baurekursgericht urteilen wird: Der Konflikt zwischen der Roten Fabrik und den Anwohnern dürfte damit nicht beigelegt sein. Auf mehrere Einladungen zu einer Aussprache habe die Gegenseite bislang nicht reagiert, sagt «Ziegel»-Wirt Federli. Es stellt sich die Frage, ob nicht die Stadt als Vermittlerin auf eine einvernehmliche Vereinbarung zwischen den zwei Parteien hinwirken könnte. Präsidialdepartementssprecher Nat Bächtold winkt ab. Eine grundsätzliche Vereinbarung gebe es bereits, nämlich die geltende Bau- und Zonenordnung, sagt er: «Rekurse gegen Bauprojekte sind ein Teil unseres rechtsstaatlichen Systems. In den allermeisten Fällen bewährt sich dieses Vorgehen sehr gut.»