Kloten

Trotz Fluglärm: Grünes Licht für neue Bauzonen

Flugzeuge im Endanflug sind in Kloten kein Hinderungsgrund mehr für den Bau von Wohnungen. Dies gilt zumindest in der Ostanflugschneise – dort liegen zum ersten Mal Bewilligungen der Lärmfachleute vor.

Halb Kloten liegt innerhalb der sogenannten Abgrenzungslinie (AGL) vom Flughafen. Das hatte zuletzt dazu geführt, dass in diesen Gebieten das Bauen massiv eingeschränkt wurde. Während die Siedlungsentwickler, Bauplaner und Verkehrsfachleute das bauliche Verdichten als wirksames Mittel gegen die Zersiedelung der Landschaft propagierten, blieb Klotens Raumplanung in dieser Hinsicht grösstenteils aussen vor. Viele Wohngebiete liegen zu nah an den Pisten, im Osten teilweise genau unter dem Endanflug auf die Piste 28. Auch der Zürcher Fluglärmindex (ZFI) trug dazu bei, dass in Kloten die Ansiedlung von neuen Bewohnern in Lärmgebieten verhindert wurde. An verdichtetes Bauen in der Flughafenstadt hatte aus offensichtlichen Gründen zuletzt niemand mehr ernsthaft geglaubt.

Unscheinbares Baugesuch

Das hat sich nach Jahren der baulichen Blockade nun wieder geändert. Ein unscheinbares Baugesuch eines örtlichen Baujuristen im Auftrag zweier privater Grundbesitzer sowie der Stadt Kloten hat zu einem unerwarteten Resultat geführt. Die kantonalen Lärmspezialisten innerhalb der Baudirektion gaben nämlich völlig überraschend grünes Licht nach ihrer Vorabklärung in den drei Fällen und machen somit den Weg frei für neue Wohnbauten (dunkelgrüne Flächen im Planausschnitt). Ohne die Zustimmung des Kantons wäre die Bebauung der Grundstücke nämlich nicht möglich.

Die positiven Baurechtsentscheide in Kloten sind erst möglich geworden, nachdem die neue Lärmschutzverordnung (LSV) des Bundes vor etwas mehr als einem Jahr in Kraft getreten ist. Damit liegen nun also die ersten rechtsverbindlichen Dokumente vor, welche für die lärmigen Ostquartiere Klotens aufzeigen, dass mitten in einer längst vergessenen Bauzone der Flughafenstadt nun doch wieder neue Wohnungen entstehen können.

«Damit hätte ich nicht gerechnet», sagt der Anwalt, der in der Zeitung nicht namentlich genannt werden möchte. Alle hätten bislang immer sofort abgewinkt, als er von Bauprojekten in Klotens lärmigsten Gebieten gesprochen habe. Selbst die Baubehörden der Stadt hätten sich nicht vorstellen können, dass auf den von ihm bezeichneten Grundstücken im Härdlenquartier jemals noch gebaut werden dürfe.

Einst rechtmässig eingezont

Dort liegen etliche Baulandparzellen, die einst rechtmässig eingezont wurden (hell- und dunkelgrüne Flächen, siehe Plan). Bis heute ist dieses Bauland aber leer geblieben, da der Flugverkehr den Grundbesitzern zuletzt einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Insgesamt handelt es sich um eine Fläche, die fast so gross ist wie drei Fussballfelder. Darauf dürften in naher Zukunft zahlreiche Wohnungen für einige hundert zusätzliche Einwohner entstehen. «Aus Sicht der Stadt ist das sinnvoll», erklärt Marc Osterwalder, da die Nachfrage nach Wohnraum in Kloten ungebrochen sei und die Zuzüger den Lärm offensichtlich akzeptieren würden.

Auflagen für die möglichen Neubauten gibt es dennoch. So müssen die Häuser über eine automatische Lüftung verfügen, was durch die Minergie-Bauweise heute aber relativ einfach zu erreichen ist.

Die Konstellation, die zur Aufhebung der baulichen Blockade in Kloten geführt hat, ist ziemlich speziell und auf Kloten beschränkt, weshalb man auch von der «Lex Kloten» spricht. Dies kommt nicht von ungefähr, denn die Klotener waren an vorderster Front dabei, als es darum ging, die Lärmschutzverordnung und danach auch den kantonalen Richtplan 2015 anzupassen.

Zählt nicht für den ZFI

Während tagsüber (6–22 Uhr) für die meisten Teile der Stadt Kloten keine Überschreitung des massgeblichen Grenzwertes berechnet worden ist, sieht es abends für die erste als Nacht definierte Stunde (22–23 Uhr) anders aus. Dann landen jeweils etliche Jets über Klotens Osten, was den berechneten Lärm im Quartier (gelber Bereich, siehe Plan) ganz knapp über den Alarmgrenzwert treibt. Durch die Revision der LSV sowie die neuen Regeln des kantonalen Richtplanes inklusive Minergie-Auflagen darf Kloten nun aber dennoch ein bisschen wachsen. Im ZFI werden die neuen Bewohner dieser Häuser übrigens nicht mitgezählt.

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