Silvesterzauber
Trotz Feinstaub-Immissionen ist Zürcher Silvesterfeuerwerk ein Hit

Das Zürcher Silvesterfeuerwek und sein Drumherum sind längst zur Tradition geworden. Zum zwölften Mal findet in diesem Jahr der «Silvesterzauber» statt und wird die Massen wieder anlocken.

Michael Rüegg
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Zwei Tage lang baut das Team in der Kälte am Feuerwerk
9 Bilder
Roland Stahel ist für das Feuerwerk verantwortlich
Vorsicht explosiv
Genügend Abschussrohre für 20 Minuten Funkeln und Glitzern
Profifeuerwerk sieht von aussen nicht besonders aus
Auf den Ledischiffen wird in der Regel Kies transportiert
Silvesterfeuerwerk Zürich
Unverkennbar, das ist Zürich
Um 00

Zwei Tage lang baut das Team in der Kälte am Feuerwerk

Limmattaler Zeitung

«Die Feinstaub-Immissionsmessungen», vermeldete das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft am 3. Januar 2012, «zeigen eine deutlich erhöhte Feinstaubbelastung.» Gemeint waren die Messungen während der Silvesternacht in der Stadt Zürich. Grund dafür war Feuerwerk, wie jedes Jahr.

Das bisschen Feinstaub, das zudem den Grenzwert jeweils nur kurzfristig überschreitet, wird die Zürcherinnen und Zürcher auch dieses Jahr nicht davon abhalten, in Scharen zum Seebecken zu pilgern. Um 00.19 Uhr geht dort das Licht aus, eine Minute später zünden die Zürcher Hoteliers auf zwei Booten, auf denen normalerweise Kies transportiert wird, ein Feuerwerk für 50000 Franken. Am Drücker sind wie in den Jahren zuvor renommierte Schwyzer Feuerwerksspezialisten.

Doch die Sause beginnt schon lange vorher. Um 20 Uhr öffnet das Festareal rund um den Bürkliplatz sowie zwischen Bellevue und Münsterbrücke. Um die Zeit bis nach Mitternacht zu überbrücken, warten die Organisatoren mit Dutzenden Foodständen und Bars auf. Wer sich ins Gewühl wagt, wird dort von Raclette und Bündnerspiessen über Riesencrevetten bis hin zu verschiedenen Currys allerlei Möglichkeiten finden, den Magen auf den anschliessenden Sektkonsum vorzubereiten.

Vom Brücken- zum Seefäscht

Zum zwölften Mal findet dieses Jahr der «Silvesterzauber» statt. Der Anlass hat sich längst seinen Platz in der Zürcher Eventagenda erkämpft. Die Sause hatte 1998 als Fest auf der Gemüsebrücke ihren Anfang genommen. Davor waren Hotelangestellte jahrelang ins Schwitzen geraten, wenn ausländische Gäste sie fragten, was man denn in Zürich zum Jahreswechsel unternehmen könne. Das Angebot war, bis auf Restaurants und Diskotheken, eher dürftig.

2001 hatte der Zürcher Hotelierverein das Feuerwerk erstmals von der Altstadt weg und auf den See verlegt – aus Sicherheitsgründen, wie an der damaligen Generalversammlung des Vereins argumentiert wurde. Allerdings schwebte den Hoteliers ein «besinnlicher Anlass ohne Rambazamba» vor.

Nachdem der Anlass im vergangenen Jahr angesichts starken Regens mehr feucht als fröhlich über die Bühne gegangen war, scheint Petrus es für dieses Jahr gut zu meinen. Doch schiefgehen kann trotzdem einiges. «Vor zwei Jahren hat man vor lauter Rauch das Feuerwerk kaum gesehen», sagt Thomas Irniger von der gleichnamigen Werbeagentur, der im Auftrag der Zürcher Hoteliers den Anlass mitorganisiert.

öV bis vier Uhr unterwegs

Damit die staunenden Massen nach dem Spektakel den Weg nach Hause finden, lassen die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich ihre Trams und Busse länger fahren. Und auch die S-Bahnen innerhalb des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) verkehren zu Silvester auf ihrem Nachtnetz bis vier Uhr. Der ZVV betont allerdings, dass ab ein Uhr morgens der Nachtzuschlag von fünf Franken zu bezahlen sei.

Dass Zürich zu Silvester auch andernorts nicht schläft, beweist ein Blick in die Agenda: Im Schützenhaus Albisgüetli gibts «Bella Italia», im Moods steht DJGoranPotkonjak an der «Balkankaravan» am Pult und in der Mausefalle schwingen Festnudeln zum «Silvester-Stadl» die Haxen, während in der Härterei die DJs Ostblockschlampen aus unserem nördlichen Nachbarland für Stimmung sorgen. Und im Giesshübel-Quartier feiert der Traditionsklub «Abart» sein eigenes Ableben. Egal, welche Location man ins Visier nimmt, jede will sich ein Stück vom Silvesterkuchen abschneiden.

Klassischer Zündstoff

Feuerwerke werden übrigens schon lange vor Mitternacht gezündet: In der nahe gelegenen Tonhalle beginnt das Konzert um 19 Uhr gleich mit zwei «Feux d’artifice». Jenem von Strawinski und anschliessend jenem von Debussy. Eine Option für alle, die mit dem obligaten Neujahrskonzert nicht bis zum Morgen warten mögen.