Die Stadt Zürich unterstützt das Theater am Neumarkt jährlich mit 5,4 Millionen Franken. 72 Prozent des Gesamtaufwands des Theaterhauses werden aus der Stadtkasse bezahlt. Weitere 330'000 Franken stammen vom Kanton Zürich.

Mit der "Verfluchungsaktion" gegen SVP-Nationalrat Roger Köppel sei am 18. März mehr als nur eine rote Linie überschritten worden, heisst es in der Motion von SVP, FDP und CVP, welche am 23. März eingereicht worden war. Es sei an der Zeit, neu über die Zukunft des Theaters zu entscheiden.

Deshalb solle der Stadtrat eine Weisung ausarbeiten, in der er aufzeigt, wie der unbefristete Subventionsvertrag auf den nächstmöglichen Termin gekündigt werden kann. Dies will der Stadtrat jedoch nicht tun, wie aus der am Donnerstag publizierten Antwort hervorgeht.

Kündigung wäre "unverhältnismässig"

Die Kündigung des seit über 40 Jahren geltenden unbefristeten Subventionsvertrags aufgrund eines einzelnen künstlerischen Beitrages hält der Stadtrat für "unverhältnismässig" und "nicht gerechtfertigt".

Der Stadtrat weist darauf hin, dass das Theater Neumarkt als Theaterhaus zwischen dem Schauspielhaus und der freien Szene explizit den Auftrag habe, experimentelle Theaterformen zu entwickeln und voranzutreiben.

Der Beitrag von Philipp Ruch "Schweiz entköppeln" war einer von insgesamt 36 Programmpunkten des Festivals "How artists approach war", welches vom Theater Neumarkt kuratiert und organisiert worden war. Ruch spiele bewusst mit den Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Ob diese Aktion künstlerisch gelungen sei oder nicht, könne und solle diskutiert werden.

Aufgrund einer einzelnen Darbietung jedoch einen vom Parlament bewilligten Vertrag zu kündigen, komme einer Strafaktion gleich, schreibt der Stadtrat. Dies widerspreche einer liberalen Kulturstadt und der liberalen Kulturpolitik von Zürich.