Dokumentation
Trotz der hohen Wellen: Nur der Kameramann musste sich übergeben

Segler Simon Koster aus Oberengstringen wurde anlässlich einer Transatlantik-Regatta vom SRF gefilmt.

Flurina Dünki
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Ein Selfie auf weiter See: Simon Koster während der Minitransat-Regatta 2015, die von der Bretagne in die Karibik führt.

Ein Selfie auf weiter See: Simon Koster während der Minitransat-Regatta 2015, die von der Bretagne in die Karibik führt.

SRF

Möwen kreischen im Hintergrund, als sich Simon Koster aus der Bretagne meldet. Während der Oberengstringer Segler von den Abenteuern seiner letzten Minitransat erzählt, einer Segel-Regatta, die von Frankreich aus in die Karibik führt, untermalen die Rufe der Meeresvögel das Erlebte ideal. Nebst den üblichen Herausforderungen eines Seglers, wie ein zu knapp bemessener Zeitplan und Reparaturen auf hoher See, sollte Koster bei seiner jüngsten Wettfahrt auch mit Ungewohntem konfrontiert werden. Etwa mit einem Kameramann, der sich über die Reling übergeben musste.

Anlässlich seiner jüngsten Atlantiküberquerung sollte der 28-Jährige zum Protagonisten einer Dok-Serie des Schweizer Fernsehens werden. Dieses klopft bei ihm an, nachdem der Profi-Segler bei seiner ersten Teilnahme an der Regatta 2013 den stolzen dritten Platz erreicht. Nun würde die Kamera nicht nur die Überfahrt festhalten können. Koster hatte sich für seine zweite Minitransat vorgenommen, auch sein Segelboot selber zu bauen.

Anfänge auf dem Zürichsee

Kosters Segelleidenschaft wurde bereits im Kindesalter auf dem elterlichen Boot auf dem Zürichsee entfacht. Nach einer Elektronikerlehre liess er sich in England zum Skipper ausbilden und wohnt inzwischen von April bis Oktober im Städtchen Lorient in der Bretagne. Fragt man ihn, ob er lieber an der Atlantikküste oder in Oberengstringen weilt, antwortet er: «Am liebsten natürlich auf dem Meer.»

Die ersten Aufnahmen zur vierteiligen Dok-Serie entstehen im Herbst 2014, als Koster mit dem Bau seines Boots in Lorient beginnt. Ein knappes Jahr später trifft das SRF-Team den Oberengstringer mitten im Bau-Endspurt in seiner Werft an. Die Zeit drängt, bereits sollte das Boot fertig sein, damit es der Segler im Wasser testen kann.

Schon als kleiner Junge habe ihr Sohn gerne «Schiffli» gebaut, sagt Mutter Christine Koster in der Dok-Serie. Eine Kinderbastelei sollte das Transatlantik-Segelboot jedoch nicht werden. «Vor allem wegen seines runden Bugs ist dieses Schiff aussergewöhnlich», erklärt Koster. Die Form gleiche eher einem Surfbrett als einem klassischen Segelboot und gleite deshalb schneller über das Wasser.

Mit 70 Konkurrenten geht Koster im September 2015 an den Start. Nach einem Zwischenhalt in Lanzarote liegt während 13 Tagen nur noch die weite See vor ihm. «Langsam wird man sich bewusst, dass man vom Land weg und auf sich alleine gestellt ist», so Koster. Probleme mit der Einsamkeit auf dem Meer kennt er jedoch nicht. «Es gibt immer viel zu tun auf einem Segelboot: Man muss sich auf die Navigation konzentrieren, kleine Schäden am Schiff reparieren, sich zu Essen machen und sich regelmässig schlafen legen.» Nur 30 Minuten am Stück dürfe man durchschlafen, damit man nicht mit Frachtern kollidiere. Dadurch ergebe sich wiederum eine weitere Beschäftigung an Bord, nämlich, gegen das Einnicken anzukämpfen.

Video-Tagebuch fürs Fernsehen

Auf hoher See konnte Koster aufgrund der Regatta-Vorschriften nicht von einem Kamerateam begleitet werden, weshalb er sich selbst mittels GoPro-Kameras filmte. Die Minitransat ist eine Einhand-Regatta, die nur eine Person an Bord erlaubt. Für den Skipper war es eine neue Erfahrung, sein Boot zu navigieren und gleichzeitig die Hoch- und Tiefpunkte der Reise für den Fernsehzuschauer zu dokumentieren. «Wenn an Bord etwas kaputt ging, dann musste ich immer zuerst an die Kamera denken, um das Ereignis festzuhalten.»

Die einzigen Filmaufnahmen durch die SRF-Crew fanden auf der Fahrt entlang der Bretagne-Küste von Lorient nach Douarnenez statt, wo die Regatta startete. Dass sich der Kameramann dabei über die Reling übergeben muss, weil er zu lange durchs Objektiv schaut, sei praktisch unvermeidlich. Ein bisschen Skipper-Schadenfreude lässt sich bei Kosters Schilderungen durchaus heraushören, doch macht der Limmattaler dabei auch vor sich selbst nicht halt: «Befinde ich mich nach Tagen auf dem schwankenden Schiff wieder auf festem Grund, kommt es schon einmal vor, dass ich das Gleichgewicht verliere. Etwa in der Dusche, wo ich keinen Horizont sehe.»

Nächste Woche zeigt SRF 2 verschiedene Filme und Sendungen zum Thema Segeln. Die vier Teile der Dok-Serie «Segeln am Limit» werden am 20. und 22. September ausgestrahlt.