Zürich

Trotz Appell von Berset: Kanton geht mit lockerem ­Coronaregime in den Advent

Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli, Regierungspräsidentin Silvia Steiner und Sicherheitsdirektor Mario Fehr traten am Freitag erneut vor den Medien auf, um über die aktuelle Lage zu informieren.

Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli, Regierungspräsidentin Silvia Steiner und Sicherheitsdirektor Mario Fehr traten am Freitag erneut vor den Medien auf, um über die aktuelle Lage zu informieren.

Der Regierungsrat will die Massnahmen im Kanton Zürich frühestens ab Januar verschärfen.

Die Adventszeit und die Weihnachtsfeiertage beunruhigen viele Regierungen in Europa – rücken doch die Menschen in der besinnlichen Zeit wieder enger zusammen. Damit könnten die Corona-Fallzahlen erneut steigen. Auch dem Bundesrat wäre es deshalb lieber, dass insbesondere die Deutschschweizer Kantone ihre Corona-Regimes verschärfen würden. «Das ist ein Appell an die Kantone: Bitte ergreift jetzt lieber weitere Massnahmen, bevor es schiefgeht», sagte Gesundheitsminister Alain Berset (SP) am Donnerstag vor den Medien.

Für den Zürcher Regierungsrat ist dies aber kein Grund, die Schrauben anzuziehen. Er hat entschieden, es bei den bisherigen Regeln zu belassen und diese bis Ende Jahr zu verlängern. Restaurants, Läden und Schulen bleiben somit offen, und es gibt auch keine strengere Regelung, wie viele Personen sich treffen dürfen.

«Infektionszahlen müssen weiter sinken»

«Die Leute wissen, wie sie sich verhalten müssen», sagte Regierungspräsidentin Silvia Steiner (CVP) am Freitag an einer Medienkonferenz zur Begründung. Der Regierungsrat setze lieber auf Konstanz, statt die Massnahmen ständig zu verschärfen und dann wieder zu lockern. Steiner verwies zudem darauf, dass das starke Wachstum der gemeldeten Neuansteckungen gestoppt werden konnte und die Zahlen nun stagnieren würden. Die Statistik zeigt zudem, dass die Zürcher Zahlen unter dem Schweizer Durchschnitt liegen.

Die Regierungsrätin sagte aber auch: «Die Lage ist immer noch ernst.» Bis jetzt seien im Kanton Zürich über 300 Personen an den Folgen des Virus verstorben. Die Infektionszahlen müssten deshalb weiter sinken, um eine Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern. Wie sich die Fallzahlen in den nächsten Wochen entwickeln, wird ausschlaggebend sein für die Massnahmen ab Januar. Der Regierungsrat will Mitte Dezember kommunizieren, wie es 2021 weitergeht. Auch wird er dann darlegen, wie Silvesterfeiern auf öffentlichen Plätzen über die Bühne gehen sollen.

Danach gefragt, verriet Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) lediglich: «Man kann schon jetzt sagen: Es ist sicher nicht das Jahr der grossen Feuerwerke.» In der Stadt Zürich ist beispielsweise das Feuerwerk über dem Seebecken in der Silvesternacht bereits abgesagt worden.

Trotz der gegenwärtigen Situation: Für die nähere Zukunft zeigt sich der Zürcher Regierungsrat vorsichtig optimistisch. Ein Grund dafür ist die Nachricht des Bundesrats, dass in der Schweiz ab Ende Januar ein Impfstoff verfügbar sein soll. Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) bekräftigte wie schon zuvor der Bundesrat, dass die Impfung gratis sein wird. Die kantonalen Behörden werden für die Logistik und die Lagerung der Impfstoffe verantwortlich sein. Mehr dazu und über den Ablauf der Impfungen konnte Rickli noch nicht sagen. «Daran arbeiten wir jetzt.»

Bis der Impfstoff da ist, setzt die Zürcher Regierung weiterhin auf die Überprüfung von Schutzkonzepten in Restaurants und anderen Betrieben sowie aufs Testen und auf das Contact-Tracing. Seit Oktober hat der Kanton das Contact-Tracing ausgebaut. Mittlerweile sind rund 700 eigens dafür geschulte Mitarbeiter im Einsatz. Seit dem neuen Schuljahr gibt es auch ein Contact-Tracing, das speziell auf die Schulen ausgerichtet ist.

Angst vor einem «Corona-Jahrgang»

Da in den Schulen viele Jugendliche miteinander Kontakt hätten, sei es besonders wichtig, dass hier das Contact-Tracing besonders schnell funktioniere, war am Rande der Medienkonferenz zu erfahren. Unter anderem sollen möglichst rasch sogenannte Cluster von Jugendlichen identifiziert werden. Die Contact-Tracer müssen beispielsweise ohne grossen Zeitverlust herausfinden, welche Schüler jeweils auf dem Pausenplatz miteinander abhängen.

Bildungsdirektorin Silvia Steiner erwähnte mit Blick auf die Schulen auch, wie schwierig die Einschränkungen während der Pandemie für viele junge Menschen seien. Dies sei auch einer der Gründe, weshalb sie die Schulen nicht schliessen und auf Fernunterricht umstellen, sondern am Präsenzunterricht festhalten wolle. Viele Jugendliche würden sonst noch mehr isoliert als ohnehin schon und hätten weniger Lernchancen.

Sorgen bereiten der Regierungsrätin zudem jene junge Menschen, die nun während der wirtschaftlichen Krise vergeblich eine Lehrstelle suchen. «Wir laufen Gefahr, dass wir einen Corona-Jahrgang produzieren, der empfindliche Lücken in der Bildungskarriere hat.»

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