Stiftung «Einfach Wohnen»
Trotz 80 Millionen Franken keine Wohnung vermietet: SVP und FDP fordern Geld zurück

Die städtische Stiftung hat seit ihrer Gründung noch keine Wohnung vermietet.

Lina Giusto
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Quartier am Geerenweg, Altstetten, Zürich

Quartier am Geerenweg, Altstetten, Zürich

Zur Verfügung gestellt

Drei Jahre nach Gründung der Stiftung Einfach Wohnen ist das Liegenschaftsportfolio der städtischen Baugenossenschaft noch immer leer. 2013 haben 75 Prozent der Stadtzürcher Stimmbürger für die Gründung der Stiftung für bezahlbare und ökologische Wohnungen zugestimmt. Weil sie seit der Gründung 80 Millionen Franken erhalten hat, aber noch keine Wohnung vermietet, forderte die SVP an der Gemeinderatssitzung vergangene Woche die Zurückweisung der Rechnung. Auch die FDP unterstützte das Begehren. Die Ratsmehrheit jedoch akzeptierte den Geschäftsbericht der Stiftung.

Der Blick in den Jahresbericht 2016 verrät denn auch: Die Stiftung Einfach Wohnen, die dem städtischen Finanzdepartement untersteht, ist seit der Gründung nicht untätig gewesen. So präsentierte sie vor drei Monaten das Projekt Geerenweg. In Altstetten soll ein neues Quartier entstehen, bestehend aus Flüchtlingsunterkunft, modularen Wohnungen für Studenten sowie Gewerbefläche für Jungunternehmer, Künstler und Restaurants. Angepeilter Bezugstermin ist Ende 2018. Laut Finanzdepartement sei man von Seiten der Stiftung beim Projekt auf Kurs. Zudem plant die Stiftung auf dem Guggach-Areal eine Überbauung mit Wohnungen, Gewerberäumen, einer zentralen Grünfläche sowie einem Schulhaus.

Der Architekturwettbewerb wird laut dem städtischen Hochbaudepartement Ende diesen Jahres beginnen und voraussichtlich im Sommer 2018 entschieden sein. «Aufgrund der anschliessenden Detailplanung sowie der Volksabstimmung für die Schulanlage ist aktuell nicht mit einem Baubeginn vor 2020/2021 zu rechnen», so ein Sprecher des Hochbaudepartements.

«Insbesondere sind die ‹ideal bebaubaren› Grundstücke bereits bebaut.»

Patrick Pons, Sprecher Finanzdepartement der Stadt Zürich

Bauvorhaben dauern länger

Es wird deutlich: Die Stiftung versucht ihrem Zweck gerecht zu werden, kommt dabei aber nur im Schneckentempo vom Fleck. So erarbeitet sie im Austausch mit dem Amt für Hochbauten an einem gemeinnützigen Wohnprojekt im Kreis 6 und hat Interesse für eine Liegenschaft mit 150 Wohnungen in Zürich Nord angemeldet. Zudem wurde sie als Käuferin für eine private Liegenschaft in Altstetten nicht berücksichtigt.

Dass das Gebaren der Stiftung nur gemächlich in die Gänge kommt, erklärt das Finanzdepartement damit, dass Bauprojekte eine mehrjährige Vorlaufzeit haben und die Landreserven in der Stadt knapp seien. «Insbesondere sind die ‹ideal bebaubaren› Grundstücke bereits bebaut, sodass tendenziell schwierigere Aufgaben anstehen», so Patrick Pons, Sprecher des Finanzdepartements der Stadt Zürich. Mit «schwierigeren» Aufgaben meint der Sprecher Bauprojekte auf kleineren oder lärmbelasteten Grundstücken, Hanglagen oder besondere Nachbarinteressen. Weil dafür vertiefte Abklärungen notwendig werden, verlängere sich die Vorlaufzeit. Deshalb sei die Stiftung darum bemüht alternative Projekte wie die Zwischennutzung am Geerenweg in Angriff zu nehmen.