Personalmangel

Triemlispital hat zu wenig Personal für werdende Mütter

Grosser Andrang: Im Zürcher Stadtspital Triemli müssen werdende Mütter abgewiesen werden.  wal

Grosser Andrang: Im Zürcher Stadtspital Triemli müssen werdende Mütter abgewiesen werden. wal

Die Geburtenabteilung des Triemlispitals muss werdende Mütter an andere Spitäler verweisen. Dennoch lehnte der Gemeinderat im März aus Spargründen die Schaffung sieben zusätzlicher Stellen in der Maternité ab.

Es war keine leichte Geburt, die eine junge Frau im Zürcher Stadtspital Triemli vergangene Woche hinter sich brachte. «Wir waren bereits eine Woche über dem vorgesehenen Termin und hätten die Geburt einleiten müssen», erzählt ihr Ehemann. Doch bei der Ankunft im Triemli erhielten sie einen negativen Bescheid: Das Spital habe nur zwei Zimmer für die Einleitung zur Verfügung. Beide seien besetzt. Die werdenden Eltern mussten fast zwei Tage warten, ehe sie an die Reihe kamen. Sie seien zwar unruhig geworden, sagt der frisch gebackene Vater. «Ein Wechsel in ein anderes Spital wäre für uns aber nur im Notfall infrage gekommen.» Das Triemli sei für sie das nächstgelegene Spital und geniesse zudem einen guten Ruf.

Das junge Paar ist kein Einzelfall und hatte sogar noch Glück. Viele Frauen, die ihr Kind im Triemli zur Welt bringen möchten, werden ganz abgewiesen. Allein seit Januar mussten 37 in einem anderen Spital gebären. Nicht nur die Anzahl verfügbarer Betten ist ein Problem, sondern vor allem auch die personellen Ressourcen.

Im März lehnte der Gemeinderat aus Spargründen die Schaffung sieben zusätzlicher Stellen in der Geburtenabteilung des Triemlispitals ab. Bereits zuvor hatte das Spital geklagt, den Andrang mit den bestehenden Ressourcen nicht mehr bewältigen zu können. Deutlich habe sich die Schliessung der Geburtenabteilung des Spitals Sanitas in Kilchberg ausgewirkt, sagt Brida von Castelberg, Chefärztin der Frauenklinik Triemli. «Die Geburten im Triemlispital haben massiv zugenommen und der Zustrom ist weiterhin ungebrochen.»

Zunahme in allen Spitälern

Von den Engpässen im Triemlispital sind vor allem die Spitäler in der Umgebung direkt betroffen. Das Universitätsspital und das Spital Limmattal etwa müssen immer wieder schwangere Frauen übernehmen, die im Triemli keine Aufnahme finden. In diesem Jahr hätten sie zehn Frauen vom Triemlispital übernommen, sagt Barbara Moll, stellvertretende Pflegedirektorin am Spital Limmattal. Zudem spüre man auch, dass die Geburtenabteilung in Kilchberg ihre Tore schloss. Im ersten Quartal 2011 kamen im Spital Limmattal 245 Kinder zur Welt, 53 mehr im Vergleich zum Vorjahr. Momentan könne das Spital den Ansturm noch gut bewältigen, obschon die verfügbaren Betten auch schon knapp geworden seien.

Im letzten Jahr hätten alle Spitäler im Kanton mehr Geburten zu verzeichnen gehabt, sagt André Haas, Leiter Kommunikation am Kantonsspital Winterthur. Zumindest dort kommt man mit der Situation bisher aber gut zurecht – auch dank der Schaffung neuer Stellen. «Das geburtshilfliche Team wurde die letzten Jahre kontinuierlich verstärkt, entsprechend den steigenden Geburtenzahlen», so Haas. Dass man Gebärende von anderen Spitälern übernehmen müsse, komme «in Einzelfällen» vor. Diese betreffen aber nicht das Triemlispital. Auch im Spital Uster wird mit dem Anstieg der Geburten bisher gut fertig. «Wir mussten noch nie eine schwangere Frau abweisen», sagt Spitaldirektor Andreas Mühlemann.

«Medizinisch vertretbar»

Im Triemlispital versucht man, durch Planung zu verhindern, dass Frauen kurz vor der Geburt weggewiesen werden müssen. «Frauen, die sich für eine Geburt in einer schon stark belegten Woche anmelden, werden auf mögliche Engpässe hingewiesen», sagt Brida von Castelberg. Wenn die Verlegung frühzeitig in die Wege geleitet werde, sei sie für Mutter und Kind unbedenklich, sagt Barbara Moll vom Spital Limmattal. «Vom medizinischen Standpunkt ist das vertretbar.»

«Der Stress für die betroffene Mutter ist nicht unerheblich», gibt dagegen van Castelberg zu bedenken. Für sie steht fest, dass die Maternité des Triemlispitals die beantragten sieben Stellen dringend benötigt. 2012 sei deshalb ein weiterer Antrag ans Parlament vorgesehen, sagt sie.

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